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Jülich: Bioreaktor bringt Stein ins Rollen

Jülich : Bioreaktor bringt Stein ins Rollen

Eine technische Raffinesse ist der Wirbelschichtreaktor immer noch, der 1998 den Ausschlag für die Gründung einer jungen Biotechnologie-Firma in der Region gab.

Damals noch „Papaspyrou Biotech”, hat das Unternehmen bis heute nicht nur den Namen geändert, sondern auch sein Geschäftsfeld. „Wir vertreiben zwar nach wie vor den Reaktor, auf den wir eine Lizenz vom Forschungszentrum Jülich (FZJ) haben”, erklärt Geschäftsführer Andreas Herrmann.

Mit dem Reaktor ist es möglich, um den Faktor fünf bis zehn höhere Zellausbeuten zu erzielen als mittels der klassischen Methode. Die Raum-Zeit-Ausbeute ist wesentlich verbessert, die Investitionskosten geringer. Damit ist es beispielsweise möglich, Antikörper für therapeutische Zwecke zu produzieren.

Aus „Papaspyrou Biotech” ist 2003 „Celonic” geworden, Hauptgeschäftsfeld des Unternehmens die Auftragsentwicklung. „Besonders spezialisiert sind wir auf die Prozessentwicklung von therapeutischen Proteinen in Säugetierzellen”, erklärt Herrmann. Um solche Substanzen herstellen zu dürfen, muss das Unternehmen hohe Anforderungen erfüllen.

„Momentan sind wir noch nicht in der Lage, nach den Regeln der Good Manufacturing Practice (GMP) zu produzieren, das wollen wir aber bis zum Herbst aufholen.” Aktuell kann Celonic bis zu 100 Liter von einem gewünschten Eiweiß herstellen, das reicht für die vorklinischen Prüfungen therapeutischer Wirkstoffe.

Außerdem leistet sich Celonic einen Forschungsbereich „Tissue Engineering”, bei dem es um die Entwicklung dreidimensionaler Gewebekonstrukte geht, um etwa Patienten mit Verbrennungen, Tumorgeschwüren oder diabetischer Ulcera helfen zu können.

Celonic ist die erste Ausgründung des Forschungszentrums Jülich und seit 1999 im Technologiezentrum Jülich ansässig. Die Firma finanziert sich über den Umsatz und stille Beteiligungen. „Ohne jegliches Risikokapital haben wir ein gesundes, freilich langsames organisches Wachstum geschafft”, erklärt der Geschäftsführer. Von zwölf Mitarbeitern sind zehn Wissenschaftler.