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Aachen: Bilanz nach 25 Jahren Strukturwandel: Erfolgsstory Technologiezentrum

Aachen : Bilanz nach 25 Jahren Strukturwandel: Erfolgsstory Technologiezentrum

Mit dem Ende des Steinkohleabbaus im Aachener Revier, eingeleitet durch die Bonner Kohlerunde am 11. Dezember 1987, gingen 50.000 Arbeitsplätze verloren. Um die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgen der Zechenschließungen abzufedern und den Strukturwandel weg von der Steinkohleförderung hin zur Technologieregion einzuleiten, entstand auf Initiative der IHK Aachen 1984 das erste Technologiezentrum (TGZ) in Westdeutschland nach amerikanischem Vorbild in Aachen.

Konzeptionell sind die Zentren eine Form der Wirtschaftsförderung, die die Neugründung von Unternehmen unterstützt. Diese profitieren bei der Ansiedlung in den TGZs von subventionierten Mieten, kostenloser Unternehmensberatung und Austausch und Wissenstransfer mit den Hochschulen vor Ort. Im Gegenzug schaffen sie Arbeitsplätze und stärken das Image der Region als Technologiestandort.

Auf Initiative von Axel Thomas, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Städteregion Aachen, haben er und drei weitere Wissenschaftler nun eine Zwischenbilanz gezogen. In ihrem Buch „Technologiezentren. Inkubatoren. Co-Working-Spaces. Region Aachen 1982-2017“ haben Axel Thomas, Ute Gartzen, Michael F. Bayer und Lothar Mahnke untersucht, wie erfolgreich die Technologiezentren sind und welchen Anforderungen sie in Zukunft genügen müssen.

Inzwischen sind 13 Technologiezentren in der Region Aachen entstanden; 14, wenn der Digital Hub in Aachen mitgezählt wird. In den Zentren wurden bisher 1700 Unternehmensgründungen betreut, aus denen 34000 Arbeitsplätze hervorgegangen sind.

Gemäß der Studie haben sich die Technologiezentren deutschlandweit als erfolgreiches Modell der kommunalen und regionalen Wirtschaftsförderung bewiesen. Sie haben zum Wirtschafts- und Beschäftigungswachstum in der Region beigetragen, lokale Arbeitsmärkte gestärkt und zur Entstehung eines „technologieorientierten Mittelstands“ geführt.

Für die Zukunft reicht das allerdings nicht aus. „Die Zentren entsprechen nicht mehr den Anforderungen der heutigen Gründerklientel“, sagt Ute Gartzen, Co-Autorin und Professorin an der Europäischen Fachhochschule Aachen. Einige Zentren vernachlässigen ihre Beraterfunktion und ihnen fehlt es an Expertise zur Beratung digitaler Unternehmen. Deren Gründer fordern eine auf sie zugeschnittene Raumausstattung und Infrastruktur sowie die Möglichkeit zu Vernetzung und Austausch. Außerdem bevorzugen sie Standorte in der Nähe von Kitas, Cafés und Geschäften.

Damit diesen Trends Rechnung getragen werden kann, empfehlen die Autoren von der Gründung zusätzlicher TGZs abzusehen und die bestehenden Zentren technisch und inhaltlich zu modernisieren. Nur dann könnten sie eine Antwort auf den bevorstehenden Braunkohleausstieg sein.