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"Big Brother" schlägt im Hemd Alarm

"Big Brother" schlägt im Hemd Alarm

Aachen (an-o) - Philips-Forscher in Aachen haben ein tragbares, kabelloses Überwachungssystem entwickelt, das sowohl Patienten mit Herz- Kreislauferkrankungen frühzeitig warnt als auch Klinikpersonal bei der Diagnose und Überwachung von Herzkrankheiten unterstützt. Im Notfall wird sogar automatisch ärztliche Hilfe alarmiert.

Das "Cardio Online" System basiert auf der Elektrokardiographie, bei der mit Hilfe von Elektroden ein Elektrokardiogrammm (EKG) angefertigt wird, erläuterten am Mittwoch Robert Georg Gossink und Josef Lauter vom Philips-Forschungslaboratorium Aachen. Dieses Diagnose- und Alarmierungssystem wird permanent direkt am Körper getragen. Es kann in so alltägliche Kleidungsstücke wie BHs, Slips und Taillengürtel integriert werden und überwacht kontinuierlich die Körpersignale des Trägers, wie zum Beispiel verschiedene Herzfunktionen, um Unregelmäßigkeiten zu ermitteln.

Das kabellose Überwachungssystem aus der Aachener Ideenfabrik speichert bis zu drei Monate lang Daten wie zum Beispiel die Herzfrequenz in einem integrierten 64 MB-Speicher. Dies ermöglicht dem Klinikpersonal, den Verlauf einer Krankheit zurückverfolgen zu können und die auftretenden Symptome besser einschätzen zu können. Modernste Digital Signal Prozessoren (DSP) Algorithmen überwachen kontinuierlich jedes abweichende Signal und zeichnen es auf.

Elektronische Signale

Der kleine "Big Brother" wurde speziell von der Philips-Forschung für die Analyse kleinster elektrischer Signale, die von den EKG-Elektroden empfangen werden, entwickelt. Eine besonders kleine und wiederaufladbare Lithium-Ionen-Batterie gewährleistet eine moderne und intelligente Energieversorgung. Im Fall eines schweren gesundheitlichen Notfalles werden über eine drahtlose Verbindung zu einem häuslichen Melder oder einem Mobiltelefon Alarmsignale ausgesendet, um ortsansässige Hilfskräfte oder den Notdienst zu rufen. Die Elektronik, die für das Online-Überwachungs-System benötigt wird, ist in ein kleines Modul integriert. Dieses kann unauffällig in einem Kleidungsstück eingesetzt werden. Nach Entfernen des Moduls kann die Kleidung mit integrierten Trockenelektronen normal gewaschen werden. Das Online-Überwachungssystem bündelt das Know-how aus der Konsumentenelektronik und medizinischer Diagnosetechnik mit dem Ziel, eine neue Kategorie von Produkten für die persönliche Gesundheit zu schaffen.

Elektronik wird in Kleidungsstücke integriert, die sowohl schick aussehen als auch bequem zu tragen sind. Diese Neuentwicklung veranschaulicht, dass "Cardio Online" die Vision von Philips, intelligente Technik für den Heimbereich zu schaffen, bereits umsetzt. Die Technik wird unsichtbar: Sie wird einfach in alltägliche Gegenstände wie zum Beispiel Kleidung integriert.

Zahlreiche Patente

Das Philips Forschungslaboratorium in Aachen/Hamburg beschäftigt rund 400 Mitarbeiter, die eine Vielzahl der weltweiten Erfindungsmeldungen hervorgebracht haben. Forschungsschwerpunkte sind Medizinsysteme, Lichterzeugung, Spracherkennung, elektronische Komponenten für die mobile Kommunikation, digitale Kommunikationsnetzwerke und Verteilte Systeme. 85.000 Patentrechte, rund 22000 Marken, 6000 Geschmacksmuster (Designs) und 900 Domäne-Namen sind bislang das Ergebnis der Konzernforschung. Allein im Jahr 2002 wurden weltweit 3000 neue Patente angemeldet, davon stammen alleine 350 aus Deutschland.