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Biallos Ratgeber: Wie die Stoffe der Zukunft aussehen 

Biallos Ratgeber : Wie die Stoffe der Zukunft aussehen

Ein Überblick über fair hergestellte Kleidung, unabhängige Siegel und verantwortungsvolles Konsumverhalten.

Bekleidungsketten wie Zara oder H&M locken ihre Kunden mit bis zu 24 neuen Kollektionen pro Jahr in die Läden. Doch die schnell konsumierte Fast Fashion hat einen hohen Preis: Umweltverschmutzung, gigantischer Ressourcenverbrauch, menschenverachtende Arbeitsbedingungen und CO2-Emissionen. Das ist der Preis für die Produktion von jährlich über 100 Milliarden Kleidungsstücken, die eigentlich kaum jemand wirklich braucht.

Allein in deutschen Schränken liegen nach einer Studie im Auftrag von Greenpeace zwei Milliarden davon herum, die so gut wie nie getragen werden. Doch möglicherweise findet gerade durch die Shopping-Pause während der Corona-Krise ein Umdenken statt. Das legt zumindest eine Umfrage der Boston Consulting Group nahe, nach der 35 Prozent der Konsumenten vermehrt Kleidung von Unternehmen kaufen wollen, die sich nachhaltig verhalten.

Fair hergestellte Kleidung: Zwischen Kiel und Konstanz gibt es etwa 200 Läden für ausschließlich fair hergestellte Bio-Kleidung. Ihre Adressen findet man beispielsweise im Einkaufsratgeber Textilien von Greenpeace, auf getchanged.net, bei Femnet, Naturtextil und Buy good stuff. Außerdem haben viele Kommunen Führer zum nachhaltigen Einkauf herausgegeben. Darüber hinaus bieten auch große Handelshäuser wie Peek & Cloppenburg zunehmend faire Modemarken an wie etwa das Kölner Label Armed Angels oder Nudie-Jeans. Und auch Online haben sich eine große Anzahl an Shops von Avocadostore bis Zündstoff auf fair und ökologisch hergestellte Klamotten spezialisiert.

Siegel für faire und ökologische Kleidung: Unter dem Druck von Politik und Nichtregierungsorganisationen nehmen immer mehr Unternehmen Kursänderungen vor. So haben unter anderem H&M, C&A, Zara, Mango, Puma und Adidas im Rahmen der Detox-Kampagne von Greenpeace Gifte weitgehend aus ihrer Produktion verbannt. Ihre Bemühungen vermarkten viele mit eigenen Labeln etwa der „Conscious-Collection“ von H&M oder Bio-Etiketten. Verlässliche, durch unabhängige Zertifizierungsstellen kontrollierte Siegel sind aber Made in Green, GOTS und IVN Best. Bei Der blaue Engel, Bluesign, Cradle to Cradle und dem EU-Ecolabel steht die Ökologie im Vordergrund. Bei den sozialen Standards schneiden sie dagegen mäßig ab.

Der Oeko-Tex Standard 100 sagt nur etwas über die Schadstoffrückstände im Endprodukt aus. Der staatliche Grüne Knopf bezieht sich bislang nur auf das Färben und Nähen und basiert auf bereits verliehenen Siegeln wie dem GOTS. Problematisch ist zudem, dass in Europa hergestellte Waren das Label automatisch erhalten, obwohl die Produktionsbedingungen in Osteuropa einer von Brot für die Welt und der Clean Clothes Campaign in Auftrag gegebenen Studie zufolge ähnlich katastrophal sind wie in Asien.

Nutzen, was schon da ist: Am nachhaltigsten ist es, möglichst wenig zu kaufen und das Vorhandene länger zu tragen. Nach Berechnungen der englischen Organisation WRAP reduziert sich alle neun Monate der Verbrauch eines Kleidungsstücks an Wasser, CO2 und Abfall um 20 bis 30 Prozent. Die Lust auf Neues kann man dennoch in Second-Hand- und Vintage-Läden, bei Tauschpartys oder mit Leasing-Klamotten stillen.

Hier finden Abonnenten unserer Zeitung die ausführliche Langfassung des Biallo-Ratgebers.