Aachen: Beim Handwerk läuft es rund: 92 Prozent der Betriebe in der Region zufrieden

Aachen: Beim Handwerk läuft es rund: 92 Prozent der Betriebe in der Region zufrieden

Die Erwartungen von Peter Deckers haben sich nicht erfüllt — allerdings im positiven Sinne. Schon bei der Konjunkturumfrage im Frühjahr habe er gedacht, dass das Ergebnis nicht mehr zu übertreffen ist, sagte der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer (HWK) Aachen am Mittwoch, als er die Ergebnisse der Herbst-Konjunktumfrage vorstellte.

Demnach bewerten 92 Prozent der Betriebe ihre Geschäftslage im vergangenen Halbjahr positiv. 90 Prozent rechnen zudem damit, dass ihre Lage im kommenden Halbjahr gleich bleiben oder sich sogar verbessern wird. „Für das Winterhalbjahr ist das schon ungewöhnlich“, erklärte Deckers.

Als Gründe für die exzellente Stimmung nennt er niedrige Hypothekenzinsen, die geringe Arbeitslosigkeit und die sehr gute Verbraucherstimmung. „Die hervorragenden Zahlen entsprechen dem bundesweiten Gesamtergebnis im Handwerk.“ Die Ergebnisse im Überblick:

Regionen: Spitzenreiter ist der Kreis Heinsberg. Dort sprechen 97 Prozent der Betriebe von einer „guten“ oder „befriedigenden“ Geschäftslage. Das sind fünf Prozent mehr als im Herbst 2016. „Im Kreis Heinsberg gab es in den vergangenen Jahren eine große Dynamik“, erklärte Deckers. Gewerbeflächen seien in rasantem Tempo erschlossen worden, man habe damit zügig auf Veränderungen reagiert.

Hinzukomme die im Mai dieses Jahres für den Verkehr frei gegebene B56 mit der Verbindung über die A46 in die Niederlande. In der Städteregion Aachen beurteilen 92 Prozent der Unternehmer die Geschäftslage positiv (Herbst 2016: 91 Prozent) . Bei den Betrieben im Kreis Euskirchen tun dies 93 Prozent (Herbst 2016: 90 Prozent).

Darauf folgt der Kreis Düren, wo 87 Prozent ihre Lage als „gut“ oder „befriedigend“ bezeichnen. „Wenn in den leeren Neapco-Hallen in Düren demnächst ein weiteres Streetscooterwerk entsteht, werden vielleicht auch von dort noch bessere Zahlen kommen“, sagte Nicole Tomys, stellevertretende Hauptgeschäftsführerin der HWK.

Branchen: Im Bauhauptgewerbe (u.a. Dachdecker, Gerüstbauer, Maurer ) nennen 93 Prozent der Betriebsinhaber ihre Geschäftslage „gut“ oder „befriedigend“ (Herbst 2016: 92 Prozent). Im Ausbaugewerbe (u.a. Elektrotechniker, Fliesenleger, Glaser, Installateure) sind es 95 Prozent (Herbst 2016: 90 Prozent). „Diese beiden Handwerksgruppen sind die Zugpferde im Handwerk, gerade hier wirkt sich die Niedrigzinsphase positiv aus“, sagte Deckers. Allerdings werde die Zahl der bebaubaren Grundstücke und der Baugenehmigungen knapper. „An dieser Stelle sind die Kommunen gefragt.“

Auch das Handwerk für den gewerblichen Bedarf (u.a. Elektromaschinenbauer, Feinwerkmechaniker, Gebäudereiniger) verzeichnet mit 95 Prozent glänzende Geschäfte (Herbst 2016: 87 Prozent). Das KfZ-Gewerbe verbucht 90 Prozent Zufriedenheit (Herbst 2016: 86 Prozent) und überraschte die Kammer damit. Dort hatte man damit gerechnet, dass sich die Skandale in der Branche deutlicher negativ niederschlagen würden. „Wir hören schon, dass sich Dieselfahrzeuge schlechter verkaufen, aber die Betriebe können das derzeit wohl ausgleichen“, sagte Nicole Tomys.

Im Gesundheitsgewerbe (Augenoptiker, Hörgeräteakustiker, Örthopädietechniker u.a.) beträgt der aktuelle Zufriedenheitswert 93 Prozent (Herbst 2016: 92 Prozent). „Das Gewerbe profitiert von der guten Lage der Krankenkassen, die sich bei Bewilligungen häufig großzügiger zeigen“, erklärt Deckers.

Einen Rückgang vermeldet das Nahrungsmittelgewerbe (Bäcker, Konditoren, Fleischer u.a.) Dort meldeten im Herbst vergangenen Jahres noch 100 Prozent eine bessere oder gleich gebliebene Lage, nun sind es 93 Prozent. Deutlich hinter den anderen Gruppen befinden sich die Handwerke für den persönlichen Bedarf (Damen- und Herrenschneider, Friseure, Fotografen). Von ihnen schätzen 81 Prozent ihre Geschäftslage „gut“ oder „befriedigend“ ein (Herbst 2016: 85 Prozent).

Beschäftigung und Nachwuchs: Wieder einmal trübt nur der Fachkräftemangel das Bild. Nach wie vor gefragt sind vor allem Elektroinstallateure, Installateure und Heizungsbauer, KfZ-Mechaniker, Tischler und Friseure. „Wer eine Beschäftigung im Handwerk sucht, für den sieht es gut aus“, sagte Deckers.

Bei den Auszubildenden gebe es immerhin einen leichten Zuwachs: Ende September waren 2185 Lehrverträge unterzeichnet und damit 69 mehr als zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr. Die Erwartungen, Flüchtlinge könnten die Lücke beim Nachwuchs schließen, hätten sich indes noch nicht erfüllt. Im Kammerbezirk gebe es zurzeit 60 Azubis aus dieser Gruppe. „Viele unserer Betriebe möchten gerne gezielt Fachkräfte aus dem Ausland anwerben. Dafür brauchen wir dringend ein vernünftiges Einwanderungsgesetz“, sagte Deckers.

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