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Aachen: „Banken das größte Problem des Mittelstandes”

Aachen : „Banken das größte Problem des Mittelstandes”

Während in Berlin das Programm zur Förderung des Mittelstandes von Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement verabschiedet wurde, waren die Finanzierungsspielräume für eben jenen Mittelstand Thema des 28. Aachener Wirtschaftsgesprächs im Kàrmàn Auditorium der RWTH.

Aus Sicht der Banken beschrieb Günter F. Strauch, Direktor der Deutschen Bank in Aachen, das Dilemma. Einerseits sei derzeit „die Ertragslage der deutschen Banken im internationalen Vergleich nicht konkurrenzfähig”.

Andererseits sei die Ertragskraft der deutschen Unternehmen zu gering, um Eigenkapital zu bilden. Außerdem warf er dem Mittelstand grundlegende Fehler im Management vor.

„Wir erleben nach wie vor eine viel zu späte Vorlage der Bilanzen. Selbst in großen Unternehmen gibt es keine Ergebnis- und Finanzplanung”, sagte Strauch. Das operative Controlling sei mangelhaft oder fehle ganz. „Wenn daran aber gearbeitet wird, haben Unternehmen auch in Zukunft die Gelegenheit, ausreichende Kredite zu bekommen.”

Sparkassen-Vorstand Hubert Herpers plädierte für eine Renaissance des Hausbank-Prinzips. „Es bringt nur kurzfristigen Erfolg, immer das günstigste Angebot zu suchen”, sagte er.

Das Angebot an Finanzierungslösungen müsse sich den Bedürfnissen der Kunden anpassen. „Die Hausbank der Zukunft braucht einen ganzheitlichen Ansatz, sie muss sich als Berater und Begleiter des Unternehmens begreifen”, sagte Herpers.

Maßnahmen der Regierung scharf kritisiert

Tim Hammer, Geschäftsführer der Spedition Hammer, redete Klartext. „Die Banken sind derzeit das größte Problem des Mittelstandes. Es wird nach Strategien gesucht, wie im Kreditgeschäft wieder mehr Geld verdient werden kann, nachdem Sparten wie das Investment-Banking weggebrochen sind”, kritisierte Hammer.

Die neuesten Maßnahmen der Regierung nannte er einen „Horror-Katalog” und forderte eine Senkung von Steuern und Lohnnebenkosten. Bei einem Verbrauch von etwa acht Millionen Litern Diesel jährlich schlage in seinem Unternehmen besonders die Ökosteuer zu Buche: „Wir werden in Deutschland nicht mehr tanken. Das wird den nicht freuen, der mir bisher den Sprit gebracht hat.”

Die Unternehmer sieht Hammer in der Pflicht, sich nach alternativen Finanzierungsformen umzuschauen. Im Umgang mit den Banken müsse das Wertsteigerungspotenzial klar aufgezeigt werden, um das Risiko der Kreditgeber zu senken.

„Der deutsche Mittelstand ist beim Eigenkapital Schlusslicht in Europa”, berichtete Ralf W. Barkey, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Aachen.

Dagegen stünde Belgien beim Eigenkapital an der Spitze. „Ein belgischer Handwerker ist nicht besser oder schlechter als ein deutscher, und die Banken dort vergeben Kredite zu gleichen Konditionen wie in Deutschland. Also kann die höhere Eigenkapitalquote nur an den politischen Rahmenbedingungen dort liegen”, erklärte Barkey.

Für das scheinbar beruhigende Fazit sorgte schließlich Hubert Herpers: „Gehen Sie davon aus, dass die Kreditinstitute in Zukunft wieder in Wettbewerb miteinander treten. Dann wird es auch wieder genügend Kredite für den Mittelstand geben.”