e.Go-Schöpfer Günther Schuh: Auszeichnung für einen Pionier

e.Go-Schöpfer Günther Schuh: Auszeichnung für einen Pionier

Als Schuhgröße bezeichnet man eine alphanumerische Angabe für die Größe eines Schuhs oder Fußes. Das ist die Definition. Der Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK), Wolfgang Mainz, hat aber an diesem Abend eine andere Idee. Als er vor 150 geladenen Gästen von der Schuhgröße spricht, meint er eher Günther Schuh.

Nicht nur, weil der Geschäftsführende Direktor des Werkzeugmaschinenlabors und Vorstandsvorsitzende der e.Go Mobile tatsächlich ein Mann von Zwei-Meter-Gardemaß ist und Schuhgröße 49 bevorzugt. Für Mainz ist Schuh auch eine wissenschaftliche Größe, „ein Visionär, der wissenschaftliche Exzellenz mit unternehmerischen Weitblick vereint“, sagt der Präsident.

Und deswegen verlieh ihm die IHK am Dienstagabend die Ehrenplakette in Gold. Schuh ist vielleicht gerade der beste Wirtschaftsförderer der Stadt. Er gilt als Tempomacher: Sein e.go Life wurde in Rekordzeit entwickelt und serienreif gemacht, das Werk im Aachener Osten innerhalb von 15 Monaten hochgezogen, das Fahrzeug wird in nur 17 Stunden montiert.

Das Tempo für besondere Auszeichnungen bei der IHK ist dagegen durchaus bedächtig. In 214 Jahren Kammergeschichte ist Schuh nun der vierte Plakettenträger — nach dem ehemaligen RWTH-Kanzler Burkhart Müller und den beiden anwesenden Professoren Walter Eversheim und Otto Eschweiler. Tempomacher Schuh fand es dennoch „ausgesprochen mutig, mir diese seltene Ehrung zukommen zu lassen, weil bei mir noch einiges schief gehen kann“, feixte der Unternehmer-Professor.

Der ehemalige NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers hielt im Foyer der IHK eine kleine Laudatio auf den Preisträger. Die beiden haben jahrelang auf unterschiedlichen Seiten für den Aachener Campus gekämpft. Inzwischen sind dort 360 Unternehmen „immatrikuliert“. Für Rüttgers entsteht da eine der spannendsten Forschungslandschaften Europas. Zweifelsfrei eine Erfolgsgeschichte und eindeutig auch das Verdienst von Günther Schuh. „Er hat sich nie von langweiligen Bürokraten oder missgünstigen Kollegen kleinkriegen lassen“, vermutete Rüttgers.

„Naiv“ - sagten die großen Firmen

Der ehemalige Superminister schwang ein wenig das Weihrauchfässchen für den aktuellen Superprofessor und erinnerte an die Zeit, als Schuh mit seinen Plänen für ein Elektro-Auto bei den großen Konzernen als „Naivling“ abblitzte. „Jetzt werden anderswo Autofabriken geschlossen, in Aachen und Umgebung aber eröffnet“, sagt der CDU-Politiker. Das sei eine schöne Pointe für den Pionier - und beispielhaft: „Wir trauen uns viel zu selten, Neues anzupacken. Günther Schuh dagegen steht für Lösungen, die andere verschlafen haben, deswegen ist er ein Pionier.“

Der Mann mit den großen Fußstapfen trat gewohnt gut gelaunt ans Rednerpult. Schuh nutzte die Aufmerksamkeit für eine kleine Liebeserklärung an seine Stadt und die Hochschulen. Der 59-Jährige warb für mehr Selbstvertrauen: „Mit dem, was wir können, sollten wir noch größeren Ehrgeiz entfalten und uns größere Ziele setzen.“ Das setze aber ein Umdenken der Kapitalgeber voraus, es brauche auch da mehr Mut. „Wie kommt das Geld zur Innovation, wie finden gute Ideen mögliche Geldgeber?“ Schuh beklagt das „Vorsichtssystem“, schließlich müsse man „die Zukunft groß denken“.

Schuh sei mit seinen 59 Jahren zwar recht alt für einen Start-up-Unternehmer, hatte Rüttgers gesagt, aber noch zu jung, um für sein Lebenswerk ausgezeichnet zu werden. Dafür ist es wohl zu früh, der Ingenieur will noch weitere zehn Jahre tüfteln, kündigt er an. Eine Brennstoffzellenproduktion soll aufgebaut werden, irgendwann soll das „Air-Taxi“ am Flugplatz Aachen-Merzbrück abheben, der autonom fahrende Kleinbus „e-Mover“ setzt sich bald in Bewegung. An großen Schuh-Ideen mangelt es sicher nicht.

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