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Aachen/Jülich: Ausbildungsmarkt: Hoffnung ruht auf jungen Flüchtlingen

Aachen/Jülich : Ausbildungsmarkt: Hoffnung ruht auf jungen Flüchtlingen

Die Zahl der Ausbildungsstellen im Ausbildungsjahr 2015/2016 ist erneut gestiegen, es gibt mal wieder weniger Bewerber für Ausbildungen als im Vorjahr, und die Zahl unversorgter jugendlicher Bewerber ist exakt auf dem Vorjahresniveau.

Das ist unterm Strich das Ergebnis der Zahlen zum Ausbildungsjahr 2015, die die Agentur für Arbeit Aachen-Düren gemeinsam mit der Industrie und Handelskammer (IHK) und Handwerkskammer (HWK) Aachen am Mittwoch am Forschungszentrum in Jülich bekanntgeben hat. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:

Wie hat sich die Ausbildungssituation in der Region entwickelt?

Im Zeitraum von Oktober 2015 bis September 2016 wurden dem gemeinsamen Arbeitgeberservice von Agentur und Jobcenter insgesamt 6658 Ausbildungsstellen gemeldet. Zum Vergleich: Im Vorjahreszeitraum waren es noch 122 Ausbildungsstellen weniger, es gab also im vergangenen Jahr einen Anstieg von 1,9 Prozent. Gleichzeitig wurden im abgeschlossen Ausbildungsjahr 8175 Bewerber gemeldet, das sind 111 (minus 1,3 Prozent) weniger als im Vorjahr.

Warum ist die Zahl der Bewerber rückläufig?

Gabriele Hilger, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Aachen-Düren, kann sich bei der Erklärung dieser rückläufigen Zahl Jahr für Jahr nur wiederholen, sie sagt: „Gegen diese Entwicklung sind wir sozusagen machtlos. Das hat mit dem demografischen Wandel zu tun.“ Will heißen: Es gibt immer weniger Schulabgänger.

Wie ist die Situation bei den unversorgten gemeldeten Bewerbern?

In diesem Bereich gibt es im Vergleich zum Vorjahr so gut wie keine Veränderung. Von den gemeldeten Bewerbern waren zum Zeitpunkt des 30. Septembers noch 282 Jugendliche unversorgt, das ist exakt eine Person mehr als im Jahr zuvor. Allerdings — und das ist schon eine drastische Veränderung — wurden von den gemeldeten Ausbildungsstellen insgesamt 566 nicht besetzt. Das sind 171 unbesetzte Stellen mehr. IHK-Geschäftsführer Heinz Gehlen sagt dazu: „Wenn wir international wettbewerbsfähig bleiben wollen, müssen wir schleunigst zusehen, dass wir diese Lücke schließen.“ Bundesweit blieben im vergangenen Jahr 43.500 Lehrstellen unbesetzt.

Welche Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt bereitet Sorgen?

Seit Jahren herrscht ein Ungleichgewicht zwischen möglichen Ausbildungsplätzen auf der einen und Bewerbern auf der anderen Seite. Denn rein rechnerisch stellt sich die Situation am Ausbildungsmarkt wie folgt dar: Im Bezirk der Arbeitsagentur Aachen-Düren kamen auf einen Bewerber durchschnittlich 0,81 Ausbildungsstellen. Zwar ist das im Vergleich zum Vorjahr (0,79 Stellen) eine kleine Verbesserung, Angebot und Nachfrage passen dennoch nicht zusammen. Diese Schere ist allerdings nicht in allen Regionen Deutschlands zu beobachten: Während es in NRW, Bayern, Hessen und Niedersachsen zu wenige Lehrstellen gibt, existiert in Bayern, Baden-Württemberg oder im Saarland ein Überangebot.

Wie kommt das Ungleichgewicht in der Region zustande?

Dafür gibt es einige Gründe: Oft verfügen Jugendliche nicht über die von Arbeitgebern geforderten Schulabschlüsse oder Noten. IHK-Geschäftsführer Gehlen legt allerdings Wert auf die Festzustellung, dass die Hürden der Betriebe nicht zu hoch seien: „Es gab mal Zeiten, da nahmen die Betriebe eine Auslese vor. Diese Zeiten sind aber nun wirklich vorbei“, sagt Gehlen. „Betriebe nehmen inzwischen jeden Bewerber, der vielleicht nur einigermaßen passt.“

Ein anderes Problem liegt darin, dass viele angebotene Ausbildungsberufe nicht den Wünschen der Bewerber entsprechen. So entscheiden sich beispielsweise immer weniger Jugendliche dazu, eine Bäckerlehre zu beginnen. „Berufe, bei denen man morgens um 2 Uhr aufstehen muss, haben sicher ein Imageproblem“, sagt HWK-Geschäftsführer Georg Stoffels.

Wie kann die Situation auf dem Ausbildungsmarkt künftig verbessert werden?

Es wird vor allem darauf ankommen, die Lücke der unbesetzten Stellen zu schließen. Große Hoffnungen ruhen dabei etwa auf jungen Menschen, die zuletzt nach Deutschland geflüchtet sind. In der Region sind insgesamt 9000 Flüchtlinge unter 27 Jahren. Bis zum 30. September haben 64 Flüchtlinge in der Region eine Ausbildung begonnen. „Ich bin sehr optimistisch, dass es schon im kommenden Jahr deutlich mehr werden“, sagt Gehlen.

Die Ausbildungsplattfom in der Region Aachen, Düren und Heinsberg: acubi.de