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Köln: Auch Entsorgungsbranche spürt Krise

Köln : Auch Entsorgungsbranche spürt Krise

Die Konjunkturkrise zeigt auch in der Entsorgungswirtschaft ihre Spuren. Die Zahl der Branchenbeschäftigten werde in diesem Jahr voraussichtlich um rund 25.000 und damit um rund zehn Prozent zurückgehen, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Entsorgungswirtschaft (BDE), Mathias Raith, am Dienstag in Köln.

Mehr als die Hälfte der Betriebe habe sich in diesem Jahr von Mitarbeitern getrennt.

„Wo nicht gehobelt wird, fallen keine Späne”, fügte Raith hinzu. Mit der gesunkenen Industrieproduktion habe sich auch das verwertbare Abfallaufkommen verringert. Mit einem geschätzten Jahresumsatz von zuletzt 50 Milliarden Euro, 250.000 Beschäftigten und 750 privaten sowie kommunalen Betrieben ist die deutsche Entsorgungswirtschaft im europäischen Branchenvergleich nach eigenen Angaben führend. Zum erwarteten Umsatzrückgang gab es keine Prognose.

Der BDE äußerte sich anlässlich der in Köln bevorstehenden internationalen Entsorgungs-Fachmesse Entsorga. Vom 27. bis 30. Oktober zeigen dort rund 800 Aussteller aus 30 Ländern das technische Angebot für die Kreislaufwirtschaft und Umwelttechnik. Erwartet werden rund 35.000 Fachbesucher. Auch die Kölner Messe merkt die Flaute in der Entsorgungsbranche mit einem Ausstellerrückgang von zehn Prozent zur Vorveranstaltung.

Ebenso spürt der Maschinenbau in seinem Geschäftszweig Luftreinhaltung sowie Abfall- und Recyclingtechnik die gesunkene Nachfrage der Entsorgungsbranche. Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) rechnet hier für das laufende Jahr mit einem Umsatzrückgang von bis zu einem Fünftel gegenüber 2008. Mit einer durchschnittlichen Kapazitätsauslastung von 81 Prozent sei die Sparte Umwelttechnik aber immer noch besser in Fahrt als der gesamte Maschinenbau mit zuletzt 69,2 Prozent.

Dennoch zeigte sich BDE-Hauptgeschäftsführer Raith für die Entsorgungsbranche langfristig sehr optimistisch. Zunehmend werde die Wiederverwertung von Rohstoffen zum attraktiven Ersatz für die teure und ökologisch problematische Beschaffung von Primärrohstoffen. In der Branche erfolge derzeit ein Wandel „vom Städtereiniger zum Rohstoff-Lieferanten”. Eine Rohstoffversorgung aus heimischen Resten könne die Abhängigkeit von internationalen Rohstoffmärkten mindern.

Raith mahnte vor diesem Hintergrund bessere Chancen für die privaten Entsorger an. Der sich zwischen diesen Firmen und den Kommunen verschärfende Streit um das Recht zur Sammlung bestimmter Wertstoffe verderbe der Industrie die Chancen zur heimischen Rohstoffbeschaffung. Damit drohe diese Auseinandersetzung „zur ökologischen und ökonomischen Fortschrittsbremse” zu werden. Logistik, Technik und Vermarktung von Abfällen in großem Stil gehörten nicht zu den kommunalen Aufgaben.

Hintergrund ist, dass das Bundesverwaltungsgericht mit dem sogenannten Altpapier-Urteil im Juni den Kommunen den Erstzugriff auf verwertbare und getrennt gesammelte Abfälle zugestanden hatte.