Arbeitsagentur Aachen veranstaltet Jobbörse für Menschen mit Handicap

Jobbörse für Menschen mit Behinderung: „Arbeit gibt es für alle genug“

„Arbeit gibt es genug. Wir müssen die Menschen nur zusammenbringen“, sagt Doris Schillings, Geschäftsführerin der Arbeitsagentur Aachen. Sie freut sich über die gute Resonanz und blickt zufrieden ins Foyer. Mehr als 40 arbeitsuchende Menschen mit einer Behinderung stehen gerade an den Ständen der sechs Unternehmen an, 120 kommen insgesamt.

Im Bereich der Agentur leben mehr als 2100 arbeitslose Menschen mit Behinderungen, 700 Menschen mit Behinderungen hat die Agentur allein dieses Jahr auf den ersten Arbeitsmarkt gebracht. 900 wurden 2018 qualifiziert; 37 Millionen Euro stehen der Arbeitsagentur Aachen in diesem Jahr dafür zur Verfügung.

Unternehmen, die auf Mitarbeiter mit Behinderung verzichten, lassen einen kostbaren Mehrwert liegen, findet Schillings. Menschen mit Behinderungen seien hochmotiviert, Vorbehalte ihnen gegenüber versteht sie nicht. „Wenn ich den einstelle, dann werde ich den nie wieder los“, diese Einstellung gibt es ihrer Erfahrung nach zwar nur noch bei sehr wenigen Arbeitgebern, aber man werde damit noch regelmäßig konfrontiert. Dabei stimme das nicht. „Die Probezeit gilt für alle.“

Der Arbeitsplatz für einen Menschen mit Behinderung wird staatlich gefördert. Die Arbeitsagentur zahlt den Lohn für ein neues Beschäftigungsverhältnis in den ersten drei Monaten, wenn sich das Unternehmen vorher an die Agentur wendet. Und wenn ein Unternehmen keine Aufträge mehr hat, dann würde die Hauptfürsorgestelle, die bei Problemen eingeschaltet werden muss, einer Entlassung auch nicht widersprechen.

Sebastian Schmitz, Teamleiter für Rehabilitation und Teilhabe der Agentur, freut sich genauso wie seine Chefin über die brummende Veranstaltung. „Wir haben sechs Zeitarbeitsfirmen eingeladen. Das klingt vielleicht komisch, aber diese Anbieter geben unseren Kunden unter Umständen mehr Sicherheit als ein anderer Arbeitgeber.“ Menschen mit Behinderungen haben häufig einen unsteten Lebenslauf, sagt Schmitz. Mittlerweile würden alle Zeitarbeitsanbieter Löhne nach Tarifvertrag zahlen. Eine Zeitarbeitsfirma könne sich außerdem für Menschen mit Behinderungen besonders einsetzen.

Das bestätigt auch Sinitta Wüllenweber, Einsatzleiterin für das Recruiting bei meteor Personaldienste Aachen. „Ich hatte einen Kunden, der brauchte einen Rollator, um zur Arbeit zu kommen.“ Sie habe dem Unternehmer vor dem Vorstellungsgespräch erklärt, dass der Arbeitsuchende während der Arbeit nicht auf den Rollator angewiesen ist, ihn nur für längere Wege benötige. „Da war die Hemmschwelle sofort weg.“ Auch Scarlett Jeschke, Niederlassungsleiterin bei Randstad Aachen, meint, dass Menschen mit Behinderungen bei Zeitarbeitsfirmen gut aufgehoben sind. „Ich habe eben mit einem fast gehörlosen Industriemechaniker gesprochen. Ich hoffe, dass ich ihn direkt an eine Firma vermitteln kann, die ihn dann direkt anstellt. Der Mann ist sehr qualifiziert.“

Die Messebesucher selbst sind vorsichtig optimistisch. „Ich hatte zwar schon drei gute Gespräche, aber Zeitarbeit ist für mich nur eine Notlösung“ sagt eine 38-jährige Alsdorferin. Die Frau sucht eine Stelle im Gesundheitswesen. Als Pflegerin kann sie seit einer Hüftoperation nicht mehr arbeiten, aber ihrer Branche will sie treu bleiben. „Es muss aber passen. Und wenn die mich ständig woanders hinschicken, dann zahle ich mehr für Benzin, als dass ich verdiene“ fürchtet sie.

Im nächsten Jahr wird es eine neue Messe geben. Dann vielleicht auch mit anderen Unternehmen. „Ich kenne auch viele kleine Betriebe, die sich auf Menschen mit Behinderungen einstellen“ sagt Doris Schillings. Vielleicht sind die im nächsten Jahr dann mit dabei.

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