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Anlauf für mehr Lehrstellen

Anlauf für mehr Lehrstellen

Oberhausen.Mit einer landesweiten Lehrstellen-Aktion will das Land Nordrhein-Westfalen die in diesem Jahr drohende Ausbildungs-Katastrophe verhindern.

Ende März suchten noch 55.600 junge Menschen einen Ausbildungsplatz - es gibt aber nur 40.000 unbesetzte Lehrstellen.

Insgesamt ist das Lehrstellen-Angebot in diesem Jahr dramatisch um 14 Prozent auf 82.000 Ausbildungsplätze gesunken. Gemeinsam mit Wirtschaft, Gewerkschaften, Kommunen und Arbeitsämtern forderte Ministerpräsident Peer Steinbrück eine neue Kraftanstrengung.

Bei der Vorstellung der Kampagne „100 Tage Maßarbeit für Ausbildung” in Oberhausen lehnten Steinbrück und Arbeitsminister Harald Schartau Forderungen aus der eigenen Partei nach Einführung einer Ausbildungsplatz-Abgabe für Betriebe ab, die nicht ausbilden.

Dies sei ein ungeeignetes Instrument zur Schaffung neuer Lehrstellen, betonte Steinbrück. Schartau erinnerte die Wirtschaft daran, dass sie selbst für ihren Fachkräfte-Nachwuchs sorgen müsse.

Dabei müssten aber auch Jugendliche offen sein für Berufe, die ihnen im Moment nicht sofort zusagten. Gute Chancen sieht der Arbeitsminister unter anderem für Kaufleute im Außen- und Großhandel, für Hotelfachleute (Bonn, Coesfeld, Meschede), Fachverkäufer im Nahrungsmittelhandwerk (Aachen, Rheine), Fleischer (ländliche Regionen) und Landwirte (Coesfeld, Bonn).

Im Großhandel stünden für 100 Bewerber 185 Plätze frei.

Mit Ausbildungsplatz-Börsen, Bewerber-Trainings und Info-Veranstaltungen sollen Firmen und Jugendliche in den nächsten Wochen zusammen geführt werden. Einen ausgeglichenen Lehrstellen-Markt gab es Ende März in den Arbeitsamtsbezirken Bonn, Coesfeld, Münster, Rheine, Düsseldorf und Mönchengladbach.

Einen drastischen Rückgang der noch unbesetzten Stellen melden Arbeitsämter in Köln (-33,7 Prozent) und Hagen (-32,6 Prozent).

Nach Einschätzung des Landesarbeitsamtes wird sich die Lage auf dem Ausbildungsmarkt wegen der steigenden Schulabgängerzahl in den kommenden Jahren nicht entspannen.

Im Jahr 2006 würden mit 206 000 Schulabgängern in NRW fast 25 000 Schüler mehr die Schulen verlassen als im Jahr 2002. Jeder dritte Abgänger suche eine Lehrstelle.