Anlagenhersteller Aixtron nach Neuausrichtung wieder auf Erfolgskurs

Positive Zahlen : Aixtron nach Neuausrichtung wieder auf Erfolgskurs

Es ist schon kurios: An dem Tag, an dem der Herzogenrather Anlagenhersteller Aixtron seine erfolgreiche strategische Neuausrichtung bilanziert und nach längerer Durststrecke endlich wieder auf ein sehr gutes Geschäftsjahr zurückblicken kann, verlieren die Aktien des im TecDax notierten Unternehmens deutlich an Wert.

Um fast 14 Prozent gab der Kurs am Dienstag nach. Der Ausblick auf 2019 lese sich sehr vorsichtig, obwohl Aixtron eine gute Bilanz für 2018 präsentiert habe, sagte ein Händler am Morgen auf dem Frankfurter Parkett.

Tatsächlich finden sich in dem Zahlenwerk nur positive Werte für das abgelaufene Jahr: Der Auftragseingang legte im Vergleich zum Vorjahr um 15 Prozent auf 302,5 Millionen Euro zu, die Umsatzerlöse stiegen bereinigt um 40 Prozent auf 268,8 Millionen Euro, der Bruttogewinn verbesserte sich deutlich um 59 Prozent auf 117,6 Millionen Euro. Das Betriebsergebnis (EBIT) in Höhe von 41,5 Millionen Euro übertraf die ohnehin positiven Erwartungen sogar noch einmal leicht.

Warum fällt der Ausblick auf das Jahr 2019 so verhalten aus? Warum gibt es keine Euphorie?

Haben Aixtron wieder auf Kurs gebracht: Die Vorstände Bernd Schulte (links) und Felix Grawert führen die Geschäfte des Unternehmens. Foto: ZVA/Harald Krömer

„Wir können uns natürlich nicht den Realitäten der Welt entziehen“, sagt Aixtron-Vorstand Bernd Schulte im Gespräch mit unserer Zeitung. Konflikte wie der Handelsstreit zwischen China und den USA oder auch der drohende Austritt Großbritanniens aus der EU beeinflussten die Gesamtlage am Weltmarkt generell und drückten auf die Stimmung. Das seien Abhängigkeiten, denen auch Aixtron sich nicht entziehen könne.

„Wir spüren im Moment gerade in der Optoelektronik, dass unsere Kunden zurzeit keine kurzfristigen Investitionspläne haben“, erläutert Schulte weiter. Wie sich das in drei bis sechs Monaten entwickle, sei schwer vorherzusehen. „Deshalb gehen wir die Sache vorsichtig an. Das ist unser Stil.“

Aber auch das sagt Schulte: „Aixtron ist gut aufgestellt. Wir haben die Wende geschafft. Es gibt für uns allen Grund, optimistisch zu sein.“

Vor zwei Jahren hatte Aixtron recht unfreiwillig weniger positive Schlagzeilen gemacht. Die Übernahme durch chinesische Investoren war endgültig geplatzt und damit die Hoffnung auf frisches Kapital – gestoppt durch ein Veto des damaligen US-Präsidenten Barack Obama. Kurz darauf, Ende Februar 2017, verließ Vorstandschef Martin Goetzler das Unternehmen. In der Folge verkaufte Aixtron das Geschäft zur Fertigung von Speicherchips in den USA an einen südkoreanischen Konzern. Im Herbst 2017 wurde Felix Grawert an die Seite von Bernd Schulte in den Vorstand berufen. Gemeinsam haben sie die Neuausrichtung des Unternehmens umgesetzt.

Wenn Schulte und Grawert erklären, was sie verändert haben, dann sprechen sie von einer Fokussierung auf das Kerngeschäft: Zwei Drittel seines Umsatzes macht Aixtron mit Maschinen für die Optoelektronik. Damit werden Halbleiter für Laseranwendungen produziert, etwa die 3-D-Sensorik, wie sie in der Gesichtserkennung von Smartphones zur Anwendung kommt. Aber auch für Maschinen zur Herstellung von rot-orange-gelben LEDs sind die Herzogenrather weltweit führend. Ein kleinerer Teil, acht Prozent des Umsatzes, entfiel im Jahr 2018 auf Maschinen für die Leistungselektronik. Damit können Chips etwa für Netzteile von Computern oder für den Antrieb von Elektroautos hergestellt werden. Im Bereich der Leistungselektronik erwarten Schulte und Grawert bereits für das laufende Jahr eine Steigerung des Umsatzes.

Mit den vielen unterschiedlichen Anwendungsbereichen für seine Maschinen ist Aixtron breiter aufgestellt als die Konkurrenz. „Das Schöne ist: Wir können diese Märkte mit einer Plattformtechnologie bedienen. Das hilft, die Entwicklungsaufwendungen auf einem gesunden Maß zu halten und damit eine Vielzahl von Märkten zu adressieren“, erläutert Grawert. 15 bis 20 Prozent des Umsatzes fließen in die Entwicklung.

Apropos: Schon länger im Gespräch ist bei Aixtron der Einstieg in die OLED-Technologie. 2019 soll es endlich soweit sein und ein wichtiger Auftrag konkret erteilt werden – voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte. Gemeinsam mit einem potenziellen Auftraggeber in Asien – Analysten gehen davon aus, dass es sich dabei um Samsung handelt – entwickelt das Unternehmen bereits seit Jahren ein eigenes Produktionsverfahren zur Herstellung organischer Leuchtdioden (OLED). Dafür wurde die Tochter Apeva gegründet und der südkoreanische Partner Iruja gewonnen.

Samsung könnte aber auch ins Spiel kommen, wenn es um eine andere technische Neuerung geht. Erst im Januar präsentierte der Elektronikhersteller auf der Messe CES in Las Vegas ein 75-Zoll-Smart-TV mit Micro-LED-Display. Micro-LEDs sind so kleine LEDs, dass jeder Bildpunkt eines Displays, der wiederum aus drei Bildpunkten – rot, grün und blau – besteht, mit drei ganz kleinen, einzelnen LED-Chips gespeist wird, die auf Anlagen von Aixtron hergestellt werden können. „Das ist ein Markt, den es heute noch nicht gibt, der sich im Aufbau befindet“, sagt Grawert. Die ersten Produkteinführungen erwartet er in zwei bis drei Jahren.

Leistungshalbleiter für die Elektromobilität, organische Leuchtdioden, Displays mit Micro-LEDs – die Anlagen von Aixtron werden gefragt sein, davon sind Schulte und Grawert überzeugt. Und die technische Entwicklung geht ja weiter, und damit auch der Maschinenbau. „Wir müssen jeden Tag die Grenzen der Physik ein Stück weiter verschieben“, sagt Schulte.

Was ist dagegen schon der Tageswert einer Aktie?

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