Algemene Pension Groep Heerlen passt Gehälter an

Großes Heerlener Unternehmen passt Löhne an : Männer und Frauen werden fortan gleich bezahlt

Bei der Algemenen Pension Groep (AGP) in Heerlen wurden Mitarbeiterinnen schlechter bezahlt als gleich qualifizierte Kollegen. Die alte Forderung von Gewerkschaften und Frauenverbänden nach gleichem Lohn für gleiche Arbeit wird nun jedoch Wirklichkeit.

Das Unternehmen mit 3000 Mitarbeitern ist der verlängerte Arm unter anderem für einen der größten Pensionsfonds der Welt, ABP, und verwaltet und zahlt die Altersbezüge für Beamte und Lehrer in den Niederlanden aus.

Rund 125 Frauen, die bei APG arbeiten, bekommen nun zum 1. Juli eine Lohnerhöhung, weil festgestellt wurde, dass sie – ohne erklärbare Begründung – weniger verdienten als ihre männlichen Kollegen in vergleichbarer Position.

Von den 3000 APG-Beschäftigten sind 960 weiblich, der größte Teil davon, 87 Prozent, verdient genauso viel wie die männlichen Kollegen. 125 jedoch eben nicht, wie interne Untersuchungen ergeben hatten, im Schnitt bekamen sie 2,2 Prozent weniger. Diese Angestellten erhalten nun zur Jahresmitte ein höheres Gehalt, in Einzelfällen bis zu 10 Prozent mehr. Direktorin Marloes Sengers erklärt auf der Homepage des Unternehmens, dass man die Anpassung innerhalb des bestehenden Kostenrahmens vornehme, so dass keine Auswirkungen auf die Auszahlungen der Pensionen entstünden. Man strebe eine nachhaltige und grundsätzliche Lösung an, so würden Vorgesetzte auf das Problem aufmerksam gemacht: „So verhindern wir, dass diese Lohnkluft noch einmal entsteht.“ Untersucht werden soll außerdem, wie es überhaupt zu der Benachteiligung gekommen sei.

Nach einem Bericht der überregionalen Tageszeitung „De Volkskrant“ überlegen auch andere große Unternehmen in den Niederlanden wie der Telekommunikationsbetrieb KPN und der Versicherer Aegon ähnliche Schritte, doch der Pensionsverwalter APG in Heerlen ist nach seinen eigenen Angaben die erste Firma, die den „Gender-Pay-Gap“ tatsächlich aus der Welt schafft.

Nach Berechnungen des niederländischen Zentralbüros für Statistik klafft zwischen den Gehältern von Frauen und Männern eine Lücke von 16 Prozent, obwohl junge Frauen besser ausgebildet seien als ihre männlichen Altersgenossen. Zum Teil erkläre sich der Unterschied daraus, dass Arbeitnehmerinnen in geringer vergüteten Segmenten und oft in Teilzeit arbeiten oder ihre Karriere durch Kindererziehungszeiten unterbrochen werden. Doch am Ende bleibe auch bei vergleichbarer Tätigkeit, Qualifikation und Erwerbsbiografie eine Differenz von etwa sechs Prozent, die nicht durch diese Fakten begründet werden kann, möglicherweise also auf Diskriminierung zurückzuführen ist. Dieser sogenannte bereinigte Gender-Pay-Gap wird vom Statistischen Bundesamt ebenfalls auf sechs Prozent beziffert, unbereinigt wird die Differenz in Deutschland auf insgesamt sogar 21 Prozent geschätzt.

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