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Alarmzeichen im Handwerk

Alarmzeichen im Handwerk

Kohlscheid/Berlin (an-o/Nachr.) - Sinkende Umsätze und Beschäftigungszahlen im deutschen Handwerk sind nach Einschätzung von Handwerkspräsident Dieter Philipp ein Alarmzeichen, das die rot-grüne Bundesregierung nicht übersehen darf.

Die Koalition müsse endlich Strukturreformen in der Finanz-, Sozial- und Arbeitsmarktpolitiik einleiten, forderte Philipp am Mittwoch auf der Herbstvollversammlung der Handwerkskammer (HWK) Aachen in Herzogenrath-Kohlscheid. Es müsse alles auf den Prüfstand, sagte der Aachener Malermeister, der zugleich Präsident der HWK Aachen und des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), Berlin, ist. Die Berliner Regierung packe bisher keines der Probleme ernsthaft an, sondern flüchte sich in "Reform- und Sparmaßnahmen, die nichts anderes bedeuten als höhere Steuern und Abgaben" und 2003 etwa 16 Milliarden Euro in die öffentlichen Kassen spülten.

Philipp forderte unter anderem eine Begrenzung bei den steigenden Sozialversicherungsbeiträgen, um die Lohnzusatzkosten zu senken. In der Arbeitsmarktpolitik seien die Hartz-Vorschläge "eine hervorragende Grundlage" für Reformen. Zudem müsse "ein gerechtes und einfaches Steuersystem" geschaffen werden.

Schlechte Konjunkturdaten

Philipp untermauerte seine Forderung mit schlechten Konjunkturdaten. In der Region sei die geschäftliche Lage der 13.700 HWK-Mitgliedsbetriebe "kritisch", der Mangel an Fachkräften verschärfe sich. Bundesweit rechnet der ZDH für 2002 mit einem Umsatzminus von rund 4,5 Prozent und dem Verlust von annähernd 300.000 Arbeitsplätzen.

Für das kommende Jahr legen die Umsatzerwartungen des Handwerks in einem Bereich "von minus 1,0 bis minus 3,0 Prozent", die Zahl der Arbeitsplätze werde 2003 um weitere 100.000 sinken. Ende 2001 waren noch 5,6 Millionen Menschen im Handwerk beschäftigt.