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Aachen: Aktionäre geben Anteile nicht her

Aachen : Aktionäre geben Anteile nicht her

Verbitterung, Misstrauen und Aggression schlugen dem erst seit 1. Juli amtierenden Vorstand der Alsdorfer Cycos AG bei der Hauptversammlung am Donnerstag entgegen.

Die Aktionäre - vorwiegend „Anteilseigner der ersten Stunde” des Unternehmens vom April 2000 - zeigten sich verbittert über die Höhe des Übernahmeangebots, das ihnen der Siemens-Konzern unterbreitet hatte.

Angesichts eines Ausgabekurses von 19 Euro, empfanden einige Kleinaktionäre das Angebot von 5,50 Euro als eine Beleidigung und taten das auch lautstark im Aachener Eurogress kund.

Siemens hält bereits 80 Prozent des Grundkapitals an der Cycos AG, die als ein weltweit führender Technologieanbieter von so genannten Unified Communications-Lösungen auftritt.

Das Produktprogramm umfasst Anwendungen für Fax-, Sprach- und E-Mail-Botschaften sowie deren Bündelung.

Siemens will sich aber nicht mit den 80 Prozent Anteil an der Cycos AG zufrieden geben, sondern strebt den vollen Besitz an. Dessen waren sich auch die Aktionäre bewusst, die nach der Durststrecke, die die Aktie zurückgelegt hat, nachdem sie zeitweilig bei 50 Euro stand, ihre Anteile jetzt so teuer wie möglich abgeben wollen.

Hoch schlugen die Wellen, als ein Aktionär feststellte, dass sein fristgerecht eingereichter Gegenantrag in der Einladung zur HV nicht veröffentlicht worden war.

Ob das juristische Folgen hat, blieb offen. Der Vorstand versuchte sich mit einer Gratwanderung. Einerseits wies er auf die geschäftlichen Erfolge bei der Sanierung des Unternehmens hin, wo im letzten Quartal 2002 sogar im operationellen Geschäft jetzt ein Plus unter dem Strich aufgetaucht sei.

Andererseits machte Vorstandsvorsitzender Carsten Stehr deutlich, dass dieses Ergebnis ohne den Einstieg des Großaktionärs Siemens und den milden Auftragssegen aus München nicht zu erzielen gewesen wäre.

Seit Juli gehört die Cycos AG zu den 100 innovativsten Unternehmen des deutschen Mittelstands - ein Umstand, der viele Kleinaktionäre in ihrer abwartenden Haltung gegenüber dem mächtigen Großaktionär bestätigte.