Aktion unserer Zeitung:

Aktion unserer Zeitung : Experten geben Antworten auf Fragen zur Geldanlage

Vier Experten vom Bundesverband deutscher Banken haben bei einer Telefonaktion unserer Zeitung interessierten Lesern Auskunft zum Thema Geldanlage geboten. Die Fragen waren vielfältig, die Antworten aufschlussreich.

Die Zinsflaute macht Sparer ratlos. Was tun, welche Alternativen gibt es? Daniela Fassbender, Bernd Elbern, Stefan Drach und Jürgen Hermanns vom Bundesverband deutscher Banken beantworteten die vielen Leserfragen rund um die Geldanlage am Telefon und im Chat.

Ich habe 30.000 Euro auf dem Sparkonto sowie 20.000 Euro Liquidität auf einem Tagesgeldkonto. Meine Lebenskosten sind durch die Rente gedeckt. Mir ist Sicherheit sehr wichtig – was kommt für mich noch in Betracht?

Die Antwort hängt auch davon ab, wie lange Sie Ihr Geld anlegen möchten oder können. Wenn Sie mindestens fünf Jahre oder länger haben, dann könnten für einen Teil Ihres Geldes Mischfonds für Sie interessant sein. Bei Fonds fallen allerdings Kosten an, die sollten Sie nicht außer Acht lassen. Auch müssen Sie Wertschwankungen in der Anlage verkraften können. Dafür bieten Mischfonds aber langfristig bessere Renditechancen als ein Konto ohne nennenswerte Zinsen.

Mischfonds – was ist das?

Mischfonds legen in mehrere Anlageformen an wie Aktien und Anleihen. So ist eine breite Streuung in unterschiedliche Anlageklassen möglich. Mischfonds mit einem kleinen Aktienanteil können auch für sicherheitsorientierte Anleger geeignet sein. Je höher der Aktienanteil ist, je mehr Kursrisiko besteht, aber auch höhere Renditechancen. Je nach Anlagepolitik haben Mischfonds in der Vergangenheit zwischen zwei und vier Prozent Rendite erzielt. Anleger sollten einen Anlagezeitraum von mindestens fünf Jahren haben.

Wie legt man sein Geld grundsätzlich am besten an?

Sie sollten verschiedene Anlageprodukte kombinieren, Ihr Geld also verteilen. Denn die eine Anlageform, die sowohl hohe Rendite, kein Risiko und ständige Verfügbarkeit gewährleistet, gibt es nicht. Tages- oder Festgeld eignen sich für geplante Ausgaben und als Liquiditätsreserve für Notfälle. Das Geld ist sicher und täglich bzw. kurzfristig verfügbar, aber es bringt derzeit keine Zinsen. Für den langfristigen Vermögensaufbau kommt man an Aktien kaum vorbei. Es ist daher eine gewisse Risikobereitschaft nötig, um Rendite zu erzielen. Welche Anlageformen in welcher Kombination für Sie die richtigen sind, besprechen Sie am besten mit Ihrem Berater.

Ich interessiere mich für einen ETF-Sparplan auf den MSCI World. Was meinen Sie, ist das eine gute Idee?

Grundsätzlich empfiehlt sich bei der Geldanlage eine breite Streuung, um das Risiko zu verteilen. Von daher ist ein monatlicher Sparplan auf den MSCI World für einen langfristigen Vermögensaufbau eine gute Möglichkeit. Der MSCI World umfasst über 1600 Aktienunternehmen aus 23 Ländern. Damit haben Sie eine breite Risikostreuung und bei langem Anlagehorizont auch attraktive Renditechancen. Je nach Sparbetrag kann eine Aufteilung auf verschiedene Fonds sinnvoll sein, um neben Aktien auch andere Anlageklassen zu berücksichtigen. Auch eine Kombination von aktiv gemanagten mit passiven Fonds (ETFs) kann sich lohnen.

Wir sind Mitte 70 und haben insgesamt knapp 400.000 Euro zur Verfügung. Wir überlegen, ob wir dafür eine Immobilie kaufen sollen. Unsere Kinder wohnen weit weg und sind versorgt. Was sollen wir tun?

Sie sollten sich zunächst über Ihre Anlageziele klar werden – was wollen Sie mit der Anlage erreichen und wie lange möchten Sie investieren? Auch Ihre Risikoeinstellung ist für die Anlageentscheidung wichtig. Grundsätzlich ist zu einer breiten Streuung des Vermögens zu raten. Eine selbstgenutzte Immobilie stellt unter Umständen eine emotionale Rendite dar. Allerdings sollten Sie eben auch nicht Ihr gesamtes Vermögen in eine Anlage – etwa ein Haus – stecken. Sprechen Sie doch noch mal mit Ihrem Berater und überlegen Sie, ob Sie Ihre Kinder als künftige Erben in die Entscheidung mit einbeziehen möchten.

Können auch Sparer mit kleinen Beiträgen von den Aktienmärkten profitieren?

Ja, zum Beispiel mit einem weltweit anlegenden Aktienfondssparplan – das geht auch mit ETFs. Sie müssen allerdings mit Wertschwankungen leben können und eine gewisse Risikobereitschaft mitbringen. Die Schwankungen können Sie für sich nutzen. Denn mit einem festgelegten Sparbeitrag kaufen Sie in guten Börsenzeiten bei hohen Kursen wenige Anteile und in schlechten Börsenzeiten eben mehr Anteile, da die Kurse niedriger sind. Dadurch ergibt sich ein günstiger Durchschnittspreis. Legen Sie aber nur Geld an, das Sie langfristig liegen lassen können.

Lohnt es sich, einen Teil meiner Ersparnisse in offene Immobilienfonds anzulegen?

Offene Immobilienfonds gelten als sichere und schwankungsarme Anlage mit einer Rendite von durchschnittlich etwa zwei bis drei Prozent jährlich. Bei einer Neuanlage müssen Sie allerdings eine zweijährige Mindesthaltefrist und eine einjährige Kündigungsfrist berücksichtigen. Wenn Sie das Geld für wenigstens fünf Jahre anlegen können, kommen offene Immobilienfonds für einen Teil des Vermögens grundsätzlich in Betracht.

Mein Kreditinstitut bietet keine ETF-Sparpläne an, was soll ich machen?

Dann suchen Sie sich doch einfach eine Bank, die Ihnen ETF-Sparpläne anbietet. Mit Blick auf die Kosten kann sich auch ein Vergleich verschiedener Banken lohnen. Da gibt es im Internet verschiedene Vergleichsportale.

Unser Vermögen ist in etwa aufgeteilt in 50 Prozent Investmentfonds, 20 Prozent Renten, 20 Prozent Aktien und 10 Prozent Immobilien, Liquidität ist auch vorhanden. Unser Berater möchte mit uns darüber sprechen. Finden Sie diese Aufteilung richtig?

Das hört sich grundsätzlich nach einer vernünftigen Verteilung bei mittlerer Risikoneigung an. Eine regelmäßige Überprüfung ist auf jeden Fall sinnvoll, um sicherzustellen, dass Ihre Anlagestrategie noch zu Ihren Lebensumständen und Zielen passt. Wichtig bei der Beratung ist, dass Sie sich wohl fühlen. Geldanlage ist auch Vertrauenssache. Von daher muss über Chancen und Risiken ganz offen gesprochen werden.

Ich möchte für meinen Enkel in Aktien anlegen und dachte dabei an BASF. Ist das sinnvoll?

Bei nur einem Wert ist das Risiko bei Kursverlusten viel zu hoch, dazu kann ich Ihnen nicht raten. Aber ein Aktien-Fondssparplan, der global aufgestellt ist und verschiedene Branchen berücksichtigt, könnte eine gute Alternative sein. Langfristig, also auf zehn Jahre oder länger betrachtet, bieten Aktienfonds sehr gute Renditechancen.

Bei mir, 79, werden 30.000 Euro zur Neuanlage frei. Meine Bank bietet mir nur eigene Produkte an, ich bin mir nicht sicher, ob ich wirklich gut beraten bin. Wie kann ich mir sicher sein?

Die Antwort hängt nicht zuletzt davon ab, wie Ihr weiteres Vermögen angelegt ist. Ich würde an Ihrer Stelle einfach mal zu ein oder zwei anderen Banken gehen und mir dort Angebote holen. Die können Sie dann in Ruhe miteinander vergleichen.

Nächsten Monat sind 500.000 Euro aus einem Sparvertrag fällig. Eigentlich möchten wir das Geld nicht neu anlegen. Aber müssen wir dann mit Negativzinsen rechnen?

Die Frage nach den Konditionen müssen Sie bitte mit Ihrem Bank-Berater klären. Jedes Kreditinstitut entscheidet eigenständig, ob und ab welcher Höhe möglicherweise Negativzinsen berechnet werden. Darüber hinaus könnten Sie sich informieren, ob für Sie eine konservative Vermögensverwaltung nicht doch eine Option sein könnte.

Keine Zinsen: Lohnt sich Sparen, etwa für die Altersvorsorge, überhaupt noch?

Ja, allerdings nicht mit herkömmlichem Sparen auf dem Sparbuch. Fondssparpläne sind dagegen für regelmäßiges Sparen gut geeignet und bieten langfristig bessere Renditeaussichten. Sparen zur Vorsorge ist jedenfalls weiterhin wichtig und sinnvoll, denn von nichts kommt nichts. Wer gar kein Geld zurücklegt, kann sich auch langfristig nichts aufbauen – unabhängig von der Höhe der Rendite.

(red)