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Aachen: Aachener Motor treibt erstes China-Auto an

Aachen : Aachener Motor treibt erstes China-Auto an

Die FEV Motorentechnik GmbH, Aachen, gibt weiter Vollgas: In dieser Woche macht die weltweit tätige Firma die Verträge für ihr drittes Entwicklungsbüro nach Aachen und Michigan/Detroit perfekt - im chinesischen Dalian.

Denn die Kaiserstädter profitieren von der ungeheuren Mobilisierungswelle im boomenden Reich der Mitte und von ihrem frühzeitigen Engagement dort Ende der 80er Jahre. Jetzt startet mit dem Oberklasse-Modell „Zhonghua” der erste Pkw, den ein privates chinesisches Unternehmen ohne Lizenzen ausländischer Autokonzerne auf die Räder stellt.

„Brilliance Auto” setzte dabei stark auf die Kompetenz deutscher Zulieferer, weil „made in germany” in Asien noch immer als Qualitäts-Gütesiegel gilt - bei Produzenten und Verbrauchern: Den Motor entwickelte FEV, die Motorsteuerung Siemens VDO, das Fahrwerk Porsche und Getriebe ZF Friedrichshafen. Das Triebwerk aus Aachen leistet in der 1,8-Liter-Version 170 PS und macht die Limousine 220 km/h schnell.

Und die FEV-Entwickler waren auch Ideengeber dieses Projekts, mit einem chinesischen Wagen den Markt in Asien in der Premium-Klasse aufzurollen. Vorstandschef Stefan Pischinger: „Um Aufträge zu bekommen, entwickeln wir auch schon einmal einen Motor auf eigene Kosten vor und bieten ihn dann Kunden im entsprechenden Umfeld an.”

Aber FEV war schon lange vor diesem Großprojekt, zu dem eine ganze Motorenfamilie gehört, in China aktiv. Das Verdienst gehört zu einem Großteil Geschäftsführer Ernst Scheid, der schon Ende der 80er Jahre erstmals Kontakte zu den Asiaten knüpfte. Es folgten unter anderem Aufträge des Minibus-Marktführers Jinbei und des VW-Partners FAW. Und wer dort einem Lastwagen begegnet, darf fast sicher sein, dass unter seiner Haube ein FEV-Motor seinen Dienst verrichtet.

Diese Woche ist Scheid zum 80. Male in China: Der noch immer wachsende Markt - 2003 wurden fast zwei Millionen neue Autos verkauft, darunter knapp 700.000 des Marktführers VW - mache die Betreuung der Kunden vor Ort durch ein Entwicklungszentrum einfach notwendig. Und Stefan Pischinger weist auf die positiven Auswirkungen für den Standort Aachen aufmerksam: „Die Aufträge dort schaffen auch hier Arbeitsplätze.”

100 neue Jobs waren es 2003, und in diesem Jahr kommen ebenso viele hinzu, darunter zehn für ehemalige Philips-Mitarbeiter. Macht dann - mit der Versuchsstrecke Alsdorf und 18 Kontaktbüros in aller Welt - insgesamt 1300, davon 1000 am Stammsitz im Gewerbegebiet Eilendorf-Süd. Ohne Fachkräftemangel könnten es noch mehr sein.

Aber nicht nur Nachwuchskräfte sind gefragt, sondern auch Senior-Experten: „Wenn wir hören, dass die Industrie einen Fachmann mit 60 in den Vorruhestand schickt, stellen wir ihn als Berater ein. Für hochkomplexe Produktionsanläufe bei unseren Kunden ist langjährige Erfahrung durch nichts zu ersetzen.”

Aber auch die FEV-Lieferanten profitieren vom China-Geschäft: Ihre Wertschöpfung daraus beziffert der Vorstandschef auf „mindestens zehn Millionen Euro”. Den eigenen Umsatz gibt die Familienfirma nicht an. Branchenkenner gehen von einer dreistelligen Millionenhöhe im unteren Bereich aus, mit jährlichen Zuwachsraten um 30 Prozent.

Die sind in China noch weitaus höher. Deshalb rechnet Pischinger damit, dass in einigen Jahren Europa, Asien und Amerika je ein Drittel des FEV-Umsatzes ausmachen werden.

Einen der weltweit stärksten Dieselmotoren für den Lokeinsatz haben die FEV-Entwickler gerade für General Electrics/USA fertig gestellt. Mit einem Hubraum von 188 Litern leistet er 4500 PS und verbraucht unter Volllast 700 Liter/Stunde.

Angetrieben wird ein Generator, der den Strom für die Elektromotoren an den Radnaben produziert. Eingesetzt werden die Loks beispielsweise von der Union Pacific, die ihre mehrere Kilometer langen Waggonschlangen von fünf dieser Loks ziehen und von zwei weiteren schieben lässt.

Größtes Problem: In engen Bergauf-Tunnels schiebt das Gespann eine riesige Luftblase vor sich her, die Motoren könnten heiß laufen, besonders die der hinteren Loks vorne.