50 Jahre Inform: Das letzte Wort hat immer noch der Mensch

50 Jahre Inform : Das letzte Wort hat immer noch der Mensch

Ein IT-Pionier wird 50: Die Inform GmbH unter der Führung von Adrian Weiler arbeitet für mehr als 1000 Firmen weltweit.

In einer Zeit, in der Künstliche Intelligenz (KI) längst gegenwärtig ist, mag es überraschen, dass die Anfänge des Hype-Themas weit zurückreichen: Bereits 1969 gründete Professor Hans-Jürgen Zimmermann, damaliger Leiter des Lehrstuhls für Operations Research (OR) an der RWTH Aachen, ein Unternehmen, das auf der Basis von KI und OR  Erfolgsgeschichte schrieb. „Zimmermanns Vorhaben, wissenschaftlichen Fortschritt in die betriebliche Praxis zu übersetzen, war extrem weitsichtig“, betont Geschäftsführer Adrian Weiler anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Aachener Softwareunternehmens.

Ein einst kleines Unternehmen

Weiler stieß 1982 zur Inform Institut für Operations Research und Management GmbH. Zu der Zeit war Inform ein kleines Unternehmen mit einer Handvoll Mitarbeiter und angemieteten Büros in der Innenstadt. „Daten waren noch Mangelware und die Rechnerleistung war unzureichend“, erklärt der Diplom-Wirtschaftsingenieur und OR-Experte.

Als sich aber die Rahmenbedingungen zum Positiven veränderten, ging auch die Unternehmenskurve steil nach oben: Seit 1985 steigt die Zahl der Mitarbeiter im Schnitt um mehr als 15 Prozent pro Jahr auf heute rund 800 Mitarbeiter allein am Standort Aachen. Ein weiteres Dutzend arbeitet in Atlanta, USA, ein halbes Dutzend in Sydney. Zwei Niederlassungen betreibt Inform außerdem in Frankfurt am Flughafen und in Hechingen bei Stuttgart – also genau dort, wo die großen Kunden sitzen.

„Was wir hier machen, bezeichnen wir als digitale Entscheidungsintelligenz“, führt Weiler aus, der 1986 die Geschäftsführung übernahm und 1990 mit 25 Mitarbeitern das erste eigene Firmengebäude an der Pascalstraße bezog. „Unsere Software sorgt dafür, dass Unternehmen aus unüberschaubar vielen Alternativen unter großem Zeitdruck stets die beste Entscheidung treffen.“ Dafür analysiert die Inform-Software in Sekundenschnelle große Datenmengen, kalkuliert zahlreiche Entscheidungsvarianten durch und schlägt dem Anwender schließlich die bestmögliche Lösung vor.

„Der Mensch wird nicht entmündigt, sondern wir geben ihm optimale Handlungsvorschläge an die Hand“, erklärt er und nennt ein Beispiel aus dem Anlagenbau: Eine Maschine wird in 30.000 Vorgängen aus 5.000 Bauteilen zusammengesetzt. Diese müssen zu einer bestimmten Zeit in der richtigen Reihenfolge in der Montage eintreffen. „Tritt Unvorhergesehenes ein – alltägliche Störungen wie Personalausfall oder eilige Serviceaufträge – löst das eine unüberschaubare Kette an Verzögerungen aus.“ Die Inform-Software verhindert das und spart dem Unternehmen viel Zeit und Geld.

Mittlerweile setzen nicht nur 220 mittelständische Maschinenbauer auf die maßgeschneiderten Lösungen von Inform, sondern weltweit 1000 Kunden verschiedenster Branchen. Optimiert werden – und zwar täglich – die Bodenabfertigung auf mehr als 165 Flughäfen weltweit, der Umschlag von 50.000 Containern in Terminals, Paketzentren und Logistik-Hubs, die Disposition von mehr als 5,2 Millionen Behältern und Mehrwegtransportverpackungen im Lebensmittelbereich, die Planung von über sechs Millionen Schichten für über 200.000 Mitarbeiter sowie der Schutz von mehr als 70 Millionen Bank- und Mobilfunkkonten. Die Liste ließe sich leicht weiterführen: In 40 Ländern ist die Software aus Aachen inzwischen im Einsatz.

40 offene Stellen

Die Herausforderung: Betriebliche Prozesse lassen sich nicht einfach von einem Unternehmen auf ein anderes übertragen. „Wir müssen unsere Algorithmen individuell auf den tatsächlich stattfindenden Geschäftsbetrieb anpassen.“ Bei Inform arbeiten daher nicht nur Mathematiker und Softwarespezialisten, sondern auch hochqualifizierte Kundenbetreuer, zum Beispiel Wirtschaftsingenieure oder Wirtschaftsinformatiker, die als Bindeglied zwischen Kunden und Programmierern eine zentrale Rolle spielen. 50 Prozent ihrer Zeit verbringen diese beim Kunden, die andere Hälfte im Unternehmen. Ihr Zuhause: ein interdisziplinäres Projektteam aus jeweils zwölf bis 14 Leuten, die als Cluster in einem der sieben Inform-Geschäftsbereiche organisiert sind.

„Wachstum war nie unser Ziel“, sagt Weiler. Einen Businessplan habe er jedenfalls nie geschrieben, sagt er und lacht. Trotzdem wird es wohl auch in Zukunft in diese Richtung weitergehen: „Die Welt wird immer komplexer und unvorhersehbarer. Der Bedarf an algorithmischer Management-Unterstützung wird weiter steigen.“ Die aktuell 40 offenen Stellen sprechen für sich. Und auch der Inform-Campus an der Pascalstraße wächst: Im April 2020 werden zwei Etagen des ehemaligen Telekom-Gebäudes bezogen.

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