Aachen: Zwischen Traum und Realität in der Schauspielwelt

Aachen: Zwischen Traum und Realität in der Schauspielwelt

Brotlose Kunst oder Traumjob? Gerade bei der Schauspielerei halten sich die Vorurteile hartnäckig. Thomas Adamek aus Aachen konnte in den vergangenen elf Jahren seine eigenen Erfahrungen sammeln. Und das machen, was er immer machen wollte.

Mit den Zukunftsplänen ist es so eine Sache. „Leben ist das, was passiert, während du dabei bist, andere Pläne zu schmieden“, sagt der Volksmund. Bei Thomas Adamek ging beides Hand in Hand. Es ist sogar noch immer so.

Adamek ist Schauspieler, seit elf Jahren. Vor rund vier Jahren, als er mitten in der Ausbildung steckte, überlegte er sich Ziele für die kommenden zehn Jahre. Seine Prognose damals: Serien, ein Workshop mit Jugendlichen, Schauspiel unterrichten. Alles ist inzwischen eingetreten.

Als kleiner Junge fing alles an, mit dem Krippenspiel in der Messe. Immer und immer wieder übernahm er Rollen, fand Gefallen, filmte sich schließlich selbst zu Hause und mimte dabei den Tagesschausprecher. „Danach hab ich mich auf Video analysiert“, sagt er.

Heute ist Adamek 27 Jahre alt und macht in seinem Joballtag etwas, das seinen ersten Gehversuchen im Schauspiel gar nicht so unähnlich ist: Als Dozent an der Aachener Schauspielschule filmt und analysiert er jetzt die Aufnahmen seiner Schüler. Nebenbei hat er weiter an seinem Traum gearbeitet.

Und der führte ihn ins Reality-TV. Was manch einer belächeln mag, ist für Adamek ein normaler Job. Viel mehr sogar sein Traumjob. „Ich stehe vor der Kamera, und ich kann davon leben“, sagt er. In welcher Rolle, das ist ihm nicht so wichtig. „Ich nehme das an, was mir angeboten wird.“

Meistens jedenfalls. Einmal, erzählt er, sollte er in einer Scripted-Reality-Serie die Rolle eines üblen Typen übernehmen, der gewalttätig gegenüber seiner Mutter wird. Er lehnte ab. „Ich kann nicht Sonntag der Organist in meiner Kirchengemeinde sein und Montag dann so eine Rolle im Fernsehen spielen, das passt nicht“, sagt er. Gangster oder Bösewicht ja, Gewalttäter nein.

Im Moment spielt er eine vergleichsweise harmlose Rolle in einer RTL-II-Produktion. „Krass Schule — die jungen Lehrer“ heißt das Format, in dem er als Referendar täglich im Fernsehen zu sehen ist. Eine Realityshow, die „kein Trash-Format“ ist, wie er sagt. Gedreht wird in Köln. Es gehe um Mobbing, Eifersucht und den Alltag in einer Gesamtschule, erzählt wird das szenisch „mit einem bisschen Reality“ und Interviews am Ende einer Szene. Viele Bekannte seien überrascht gewesen, dass die Sendung besser sei als gedacht, erzählt er weiter — trotz Scripted-Reality-Elementen. Bislang, sagt er, schlage sich die Sendung gut. Bis zum 18. Mai läuft sie noch, was danach passiert, ist offen.

Fragt man Adamek, dann gehört das generell zum Job des Schauspielers dazu: das Warten. Auf neue Rollen, auf etwaige Fortsetzungen, auf die Maske vorm Dreh, auf die eigene Szene. „90 Prozent warten, zehn Prozent drehen“, sagt er. Gerade in Zeiten, in denen er keine Rolle hat, wird das Warten zur Geduldsprobe. „Da hofft man bei jedem Anruf“, sagt er.

Adamek macht das aber nichts aus. Ein Bürojob komme für ihn nicht infrage. Dann lieber ein bisschen Ungewissheit. Oder eben Serien, die ein regelmäßiges Einkommen bringen — und somit auch zum Traumjob werden. Denn Spaß, sagt er, habe er nach wie vor bei jedem der Drehs.

Auf die zugegebenermaßen etwas provokante Frage, ob er nicht doch lieber in einem „Tatort“ mitspielen würde, antwortet Adamek gelassen. „Natürlich würde ich das gern.“ Aber: „Ein Großteil der Schauspieler kann nicht von seiner Arbeit leben, und ich freue mich, dass ich es kann.“ Hauptsache vor der Kamera, Hauptsache das „Los“ vom Regisseur hören, sagt er.

Einmal Serie, immer Serie?

Und so sieht er sich auch in zehn Jahren noch im Serienbereich. Dort hat er schließlich mit 16 Jahren mit einer Rolle bei den damals recht populären simulierten Gerichtsverhandlungen begonnen. Und dort hat er nun seinen Platz gefunden. In immerhin rund 150 Folgen verschiedener Serien hat Adamek inzwischen mitgewirkt, darunter „Unter uns“ und „Verbotene Liebe“. „Wenn man einmal bei den Serien ist, bleibt man meistens in dem Genre“, sagt er. Und: „Ich habe mich für das Format entschieden, ich kann damit leben.“ Einen klassischen Spielfilm würde er dennoch gern drehen, Theater hingegen sei nichts für ihn. „Zu überzogen, damit die hinteren Reihen auch etwas von der Emotion mitbekommen, und nicht authentisch“, sagt er.

Auch Dozent an der Schauspielschule möchte Adamek in zehn Jahren noch immer sein. Dort war er nämlich vom ersten Tag an dabei: Er selbst war vor einigen Jahren im ersten Semester der damals neuen Schauspielschule, nun gibt er sein Wissen an die Jugendlichen und auch an die Erwachsenen weiter. Die Dozententätigkeit ist eng an einen weiteren Zukunftswunsch geknüpft: in Aachen zu bleiben.

Der gebürtige Aachener würde die Stadt nämlich nur ungern verlassen. Zu sehr hängt er an ihr und an der Alemannia. Bei einem Rollenangebot müsste er gut überlegen, ob er seiner Heimatstadt den Rücken kehren würde, sagt er. Aber man kann nie wissen — mit den Plänen ist es schließlich immer so eine Sache.

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