Zehn Tipps: Erfolgreich studieren an der Uni

„Gutes Zeitmanagement ist Gold wert“ : Zehn Tipps: Erfolgreich studieren

Für viele ist das Studium die aufregendste Zeit ihres Lebens – weg von zu Hause, eine neue Stadt und neue Leute kennenlernen. Aber ein Studium kann auch hart sein – komplexe Vorlesungen, viel Lernstoff und manchmal kaum Zeit für Nebensächlichkeiten.

Lennard Hermann hat an der RWTH Aachen Maschinenbau und Produktionstechnik studiert. Darüber hat der 25-Jährige auch ein Buch geschrieben. Uns hat er seine zehn Tipps für erfolgreiches Studieren verraten.

1. Eine passende Lerngruppe finden

Oft fehlt uns die Motivation, mit dem Lernen anzufangen oder dran zu bleiben. Mit einer Lerngruppe macht das Lernen nicht nur Spaß, sondern sie baut auch positiven Druck auf. 

Ist erst mal ein Termin mit der Gruppe zum Lernen vereinbart, fällt es uns schwerer ihn wieder abzusagen, als unser eigenes Gewissen zu beruhigen, wenn wir länger im Bett bleiben als geplant. Auch unser Durchhaltevermögen lässt sich durch eine Lerngruppe verbessern. Beim Treffen als Erster zu gehen, ist unangenehm. Auch wenn man seiner Lerngruppe zu nichts verpflichtet ist, motiviert sie uns, die ein oder andere Stunde am Nachmittag dranzuhängen.

Aber: Eine Lerngruppe ist nur dann wirklich sinnvoll, wenn komplexe Zusammenhänge verstanden werden müssen und es eine einzige Lösung für ein bestimmtes Problem gibt. Liegt der Fokus in einem Fach stärker auf dem Auswendiglernen oder gibt es kein konkretes „Richtig“ oder „Falsch“, ist das Lernen in einer Gruppe eher ungeeignet.

2. Die innere Motivation wiederfinden

Wir studieren alle freiwillig. Wir haben uns dafür entschieden, zu studieren und uns das Fach ausgesucht. Alles, was mit dem Studium zu tun hat, machen wir also aus freien Stücken. Das gerät leicht in Vergessenheit, wenn es darum geht, Formeln auswendig zu lernen, Skripte zusammenzufassen oder in einer langweiligen Vorlesung nicht einzuschlafen.

Deshalb ist es enorm wichtig, sich immer wieder vor Augen zu halten, dass wir freiwillig studieren. Wenn wir daran denken, steigt unsere innere Motivation und Lernblockaden sowie Motivationslöcher können überwunden werden.

Wenn du also mal wieder absolut keine Lust hast, stell dir die Frage, warum du dich damals dazu entschieden hast zu studieren und fokussiere dich auf dein Ziel.

3. Lernzeiten aktiv einplanen

Wer kennt das nicht: Man nimmt sich am Anfang der Woche vor, mehr für die Uni zu tun und am Ende der Woche muss man feststellen, dass es wieder nicht geklappt hat. Oft kommt irgendetwas dazwischen, was uns vom Lernen abhält.

Um das zu verhindern, ist es wichtig, wöchentliche Lernzeiten aktiv zu blocken. Schau dir dazu deinen Semesterplan an und überlege, an welchen Tagen du ein bis drei Stunden einbauen kannst, die du für das Lernen reservierst.

Wichtig ist, dass du diese Lernzeiten wirklich wie einen Termin behandelst, den du nur schwer verschieben kannst.

4. In die Vorlesung gehen – ja oder nein?

Viele Studierende besuchen Veranstaltungen nicht und argumentieren, sie würden mehr lernen, wenn sie 90 Minuten Vorlesung in eigene Lernzeit zu Hause investieren. Das ist aber nur unter der Prämisse der Fall, dass die gewonnene Zeit auch wirklich zum Lernen genutzt wird. Überlege dir also gut, ob du eine Veranstaltung besuchst oder nicht, denn 90 Minuten Vorlesung, von der du nur 30 Minuten aufgepasst hast, bringen dir immer noch mehr, als keine Minute zu Hause zu lernen.

5. Zusatzangebote nutzen

Ein erfolgreicher Studienabschluss misst sich nicht nur daran, wie gut deine Noten sind, sondern auch daran, was du neben dem Lernen noch im Studium gemacht hast. Viele Arbeitgeber legen großen Wert auf außeruniversitäres Engagement und Weiterbildung. Es gibt an der Uni unzählige Kurse, die du häufig sogar kostenlos belegen kannst.

Außerdem gibt es mindestens genauso viele Vereine, in denen du dich engagieren kannst. Nutze diese einmalige Gelegenheit während des Studiums, um dich bei Bewerbungen neben guten Noten auch durch andere Dinge von der breiten Masse abzuheben.

6. Erfolgsroutine in der Klausurenphase

Die Bars werden leerer und die Wohnungen sauberer – ein klares Zeichen dafür, dass wieder die Klausurenphase ansteht. In dieser Zeit, wo Höchstleistung gefragt ist, ist es besonders wichtig, sich eine Tagesroutine anzueignen, die bestmöglich beim Lernen unterstützt. Diese Routine solltest du von montags bis freitags eisern durchziehen.

Ein persönliches Beispiel: Um 8 Uhr morgens mit dem Lernen anfangen. Um 9.30 Uhr gibt es eine kleine Kaffeepause. Um 12 Uhr steht eine große Mittagspause bis 13 Uhr an. Um 14.30 Uhr gibt es nochmal eine Kaffeepause. Dann wird bis 16 Uhr gelernt. Deine Tagesroutine kann auch anders aussehen, wenn du zum Beispiel lieber abends lernst. Durch eine feste Routine kannst du die Zeit, die dir zur Verfügung steht, bestmöglich nutzen.

7. Aus der Vergangenheit lernen

Dieser Tipp mag trivial klingen, aber es ist erschreckend, wie viele Studierende ihn trotzdem nicht berücksichtigen: Du bist in den allermeisten Fällen nicht der erste, der eine bestimmte Klausur schreibt. Es gibt also andere Studierende, die bereits Erfahrungen damit gemacht haben. Genau diese Studierenden solltest du fragen, wie sie beim Lernen für eine Klausur vorgehen würden, wenn sie sie nochmal schreiben müssten.

8. Das Semester richtig planen

Ob du in einem Semester erfolgreich sein wirst oder nicht, entscheidet sich häufig bereits zu Beginn des Semesters, während du es planst.

Beachte, wie die Klausurtermine liegen. Schreibst du drei schwere Klausuren innerhalb von vier Tagen, solltest du die Wahl dieser Fächer überdenken. Es kann hilfreich sein, erfahrenere Kommilitonen zu fragen, ob dein aufgestellter Plan sinnvoll ist oder ob Änderungen nötig sind. Lass der Planung deines Semesters und der Wahl deiner Fächer also eine große Bedeutung zukommen, denn hier legst du die Basis dafür, ob das kommende Semester ein Erfolg oder ein Reinfall wird.

9. Der große Tag

Den folgenden Tipp findet man nahezu in jedem Studienratgeber, und trotzdem gibt es immer noch eine Menge Studierende, die an dieser Stelle grobe Fehler begehen. Am Tag einer Klausur solltest du dich keinen großen Anstrengungen mehr aussetzen. Über deine Unterlagen zu fliegen ist völlig in Ordnung, aber eine Probeklausur durchzukauen ist wenig ratsam. Genauso ist es gut, spazieren zu gehen – intensives Training solltest du vor einer Klausur aber vermeiden. Du kannst zum Beispiel Wäsche machen oder putzen. Dadurch stellst du sicher, dass du deine volle Leistungsfähigkeit während der Klausur nutzen kannst.

10. Das Studium genießen

Ein Tipp, der eher in wenigen Studienratgebern vorkommt, meiner Meinung nach aber eine entscheidende Rolle spielt: Genieße das Studium.

Heutzutage ist das Studium nicht mehr so, wie wir es vielleicht aus Erzählungen kennen. Trotzdem kann man ein Studium auch heute noch genießen. Nimm die Freizeitangebote wahr, die dir das Umfeld der Uni bietet.

Gehe zu Poetry Slams, besuche das Unikino, mache bei der Ersti-Woche mit oder ernenne eine spezielle Kneipe zu deinem Stammlokal. Es gibt unzählige Möglichkeiten, das Studium zu einem schönen und erinnerungswürdigen Lebensabschnitt zu machen. Genieße das Studium, denn zum Zähnezusammenbeißen ist dieser Abschnitt deines Lebens zu lang.

Lennard Hermann hat gute Tipps für erfolgreiches Studieren auf Lager. Foto: Germain Hadasch

„Gutes Zeitmanagement ist Gold wert“

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