Wie Musik und Emotionen zusammenhängen

Interview mit Magdalena Wolf : „Musik ist eine Sprache ohne Barrieren“

Die 28-jährige Magdalena Wolf studiert Orchesterspiel im Master an der Hochschule für Musik und Tanz Köln am Standort Aachen. Seit sie sieben Jahre alt ist spielt sie bereits Cello. Was Musik für die Studentin bedeutet, und was das mit Emotionen zu tun hat, erklärt sie im Interview mit Wir Hier.

Wir Hier: Warum löst Musik Emotionen bei uns aus?

Magdalena Wolf: Die Musik ist eine Sprache ohne Barrieren. Schon im Mutterleib können Babys Musik wahrnehmen, genauso wie auch die Stimmen der Eltern. Musik ist unmittelbar und direkt und hat die Kraft, dass wir zu Tränen gerührt sind, dass wir tanzen und mitsingen.

Wir Hier: Warum lösen manche Lieder bei den einen Menschen andere Gefühle aus als bei anderen?

Magdalena: Sicher ist es so, dass Lieder, die einem bekannt sind, andere Gefühle auslösen als unbekannte Lieder. Wir erinnern uns dabei daran zurück, in welchem Kontext wir die Lieder schon gehört haben. Meistens ist es aber schon so, dass ein bestimmtes Grundgefühl bei bestimmter Musik ausgelöst wird.

Wir Hier: Welche Musiktöne lösen denn bestimmte Emotionen aus?

Magdalena: Ich denke nicht, dass die einzelnen Töne Emotionen auslösen, sondern Tonfolgen. Emotionen werden aber nicht nur durch Tonfolgen erzeugt, sondern auch durch Stimmen und manchmal sogar durch Geräusche. Manchmal freut man sich sehr oder ist genervt, die Stimme eines bekannten Menschen zu hören. Das liegt an der Vorerfahrung.

Wir Hier: Warum hören wir denn zum Beispiel traurige Lieder, wenn wir traurig sind, und warum keine fröhlichen Musikstücke, um uns wieder aufzumuntern?

Magdalena: Ich denke, der Körper muss sich immer reinfühlen können in die Musik, und deshalb ist man in diesem Moment auch eher für solche Musik offen. Doch ich kenne es selbst, dass ich dieses Muster auch durchbrechen kann, dass es hilft, fröhliche Musik zu hören, wenn man gerade ganz nachdenklich oder traurig ist und das nicht möchte. Auch beim Autofahren höre ich häufig fröhliche, beatlastige Musik, da ich dann bessere Laune bekomme.

Wir Hier: Warum haben Menschen denn überhaupt so viele verschiedene Musikgeschmäcker?

Magdalena: Dies liegt meiner Meinung nach am Erfahrungsschatz, am eigenen „inneren Beat“ und am Mitfühlenkönnen. Die Musik ist wie die Kunst und da gefällt ja auch nicht jedem alles, sondern jeder Mensch hat seinen eigenen Geschmack.

Wir Hier: Was bedeutet für dich ein „Gänsehaut-Effekt“?

Magdalena: Ich denke, dass dieser Effekt nicht genau zu erklären ist. Es überkommt einen, wenn sich der Körper und der Geist einfach komplett auf die Musik einlassen, wenn Gefühle total zugelassen werden und Musik erklingt, die einen innerlich berührt. Man lässt dann seine Gefühle, nicht seine Gedanken, schweifen und wird körperlich so ergriffen, dass es einem kalt über den Rücken läuft und man eine Gänsehaut bekommt, einem ganz wohlig und warm wird, man zu Tränen gerührt ist und sogar wirklich ganz feuchte Augen bekommt und weint, je nach dem, welche Emotion ausgelöst wird.

(cap)
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