Wenn's geht, bitte zeitig in die eigenen vier Wände ziehen!

Wenn's geht, bitte zeitig in die eigenen vier Wände ziehen!

Ich bin mit 19 Jahren von zu Hause ausgezogen, direkt nach dem Abi. Das war mir damals wichtig. Besonders weit bin ich allerdings zunächst nicht gekommen — 15 Kilometer trennten mein Kinderzimmer und meine erste eigene Butze. Das spielte aber keine Rolle: Ich war endlich wieder in einer größeren Stadt, war selbstständig und, das ist vielleicht das Wichtigste, ich habe gemerkt, dass es funktioniert.

Putzen, Wäsche, Rechnungen, Einkaufen, zwei Jobs (auch die erste eigene Wohnung finanziert sich nicht von selbst, stellte ich fest) und Uni — am Anfang hätten die Tage von mir aus 36 Stunden haben können. Manchmal dachte ich: „Und das soll jetzt die große Freiheit sein?!“.

Aber nach und nach wurde es besser, ich entspannter, routinierter. Und: Zu meiner elterlichen Waschmaschine bin ich nie zurückgekehrt. Auch wenn die geringe Entfernung verlockend und das Angebot „doch einfach ein bisschen Wäsche mitzubringen“ nur allzu bequem erschien, ich habe es lieber selbst gemacht — mit dem Starrsinn einer 19-Jährigen, die gerade versucht, erwachsen zu werden.

Die Erfahrungen, die ich vergleichsweise früh gesammelt habe, sind nichts Ungewöhnliches. Jeder zieht schließlich irgendwann von zu Hause aus. Dieser frühe Zeitpunkt war für mich aber genau richtig. Sicher gibt es Umstände und Situationen, in denen es einfach nicht geht, zeitig auszuziehen. Wenn es aber doch irgendwie geht, plädiere ich fürs Machen.

Übrigens: Ein weiterer positiver Effekt ist das deutlich entspanntere Verhältnis zu meinen Eltern. Das mag daran liegen, dass man sich nun mal ab und zu auf die Nerven geht, wenn man zusammenwohnt. Oder daran, dass sie mich durch den Auszug nach und nach als Erwachsene akzeptiert haben. Ich genieße die Besuche bei meinen Eltern und helfe dort mit, wo ich es als pubertierender Teenie als selbstverständlich genommen habe, dass Mama und Papa das machen. Ich lasse mich auch gern mal betüddeln. Anschließend freue ich mich aber auf meinen eigenen Haushalt, mit meinen Gewohnheiten und meinen Regeln.

(mec)
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