"The Last Sketch": Aachener Edgar Huebert mit Animationsfilm zu Trauer

Projekt von FH-Student : Animationsfilm beschäftigt sich mit sensiblem Thema Trauer

Edgar Huebert ist Masterstudent an der FH Aachen und produziert für seine Abschlussarbeit einen Animationsfilm zum Thema Trauer. Damit kamen aber nicht nur technische Herausforderungen auf ihn zu, sondern vor allem auch emotionale.

„Trauer ist keine Krankheit, aber sie bleibt immer bei einem.“ Das hat Edgar Huebert festgestellt, als er sich mit diesem Thema auseinandergesetzt hat. Er hat sich auch Fragen gestellt wie: „Bin ich ein schlechter Mensch, wenn ich nicht weine?“ und „Was, wenn die Nachricht eines Todes nichts in mir auslöst?“ Huebert studiert Produkt- und Kommunikationsdesign an der Fachhochschule Aachen und arbeitet zurzeit an seiner Masterarbeit: einem Animationsfilm zum Thema Trauer.

Die Idee dazu kam dem 27-Jährigen erst recht spät. Ursprünglich geplant war ein Film über einen Storyboarder – also einen Menschen, der Skizzen für ein Drehbuch zeichnet. „Darüber gibt es noch keine Filme und die Denkweise in Bildern fand ich spannend“, erzählt Huebert. Doch nach und nach habe sich die Geschichte weiterentwickelt.

Edgar Huebert hat einen Animationsfilm zum Thema Trauer gedreht. Dazu benutzten die Schauspieler eine Helmkamera. Die Szenen wurden im Storyboard vorbereitet. Foto: ZVA/Caroline Niehus

Etwa neun Monate hat Huebert an der Story gearbeitet, nach vier Monaten hat er das Thema Trauer integriert. „Ich habe über dieses Gefühl nachgedacht, was ich auf der Leinwand sehen möchte, und darum dann die Geschichte erzählt.“ So sei er schon auf das Innere des Menschen fokussiert.

Herausgekommen ist „The Last Sketch“ – eine Geschichte über ein Ehepaar, dessen Kind im Sterben liegt. Das Element des Storyboarders ist insofern geblieben, als dass der Hauptcharakter Teo Zeichnen als Bewältigungsstrategie nutzt. „Er will die besonderen Momente mit seinem Kind festhalten und zeichnet alles auf, was ihm in Erinnerung bleiben soll“, erklärt Huebert. Unterschwellig geht es also schon um Bilder und die Wirkung, die diese haben.

Die Verarbeitung der Trauer läuft bei den Eltern im Film sehr unterschiedlich ab. Denn im Vorfeld hat Huebert mit einer Trauerbegleiterin gesprochen, die selbst zwei Kinder verloren hat. Sie hat ihm bestätigt, was er vorher schon geahnt hatte: „Es gibt eigentlich kein richtig, aber jeder will unbedingt das Richtige machen.“ Auch Vorwürfe spielen deshalb eine große Rolle. Der gesamte Komplex sei also ein sehr sensibles Thema.

Emotionaler Dreh und Gänsehaut am Set

Das hat Huebert auch bei den Dreharbeiten für seinen Film gemerkt. „Es war ein sehr emotionaler Dreh, ich hatte oft Gänsehaut am Set“, berichtet er. Allerdings war der Zeitplan auch sehr knapp bemessen, weshalb nicht viel Zeit für Fehler blieb. An drei Tagen sind Anfang Juli 14 Szenen mit 250 Einstellungen entstanden – jeweils 13 Stunden pro Tag. Mit fünf Kameras wurden die Referenzbilder aufgenommen, die der Motion-Capture-Anzug geliefert hat. Dabei hatte Huebert vorher noch nie mit der Technologie gearbeitet. „Es war Pionierarbeit, die Anzüge kannte keiner von uns“, betont er.

Das sei ein Stressfaktor gewesen, Probleme habe man schnell lösen müssen. Trotz aller Arbeit hat sich der 27-Jährige aber für einen Animationsfilm entschieden – auch wenn der möglichst realistische Darstellungen zeigen soll. „Der Grund für die Animation ist, dass ich in diesem Film selbst eine Welt kreieren kann, die es in der realen Umwelt nicht gibt“, erläutert Huebert. So könne er zum Beispiel eine passende Stadt aufbauen, Fokuspunkte setzen und mit Farben spielen.

Eine weitere Idee ist die Unterscheidung zwischen den Stilen. Solange die Hauptcharaktere in ihrem Alltag unterwegs sind, arbeitet Huebert mit einem realen Darstellungsstil. Sobald sich Teo aber erinnert, wird diese wie eine Zeichnung gesketcht dargestellt.

Hueberts Vorliebe für Animationsfilme hat ihren Ursprung übrigens schon in seinem Jugendalter. „Es ist tatsächlich Star Wars“, gibt er zu. „Als ich 14 war, habe ich mit After Effects schon versucht, Lichtschwerter zu animieren. Das war der Anfang.“ So hat er über Umwege dann letztlich zum Designstudium gefunden. „Erst wollte ich Ingenieur werden und die Welt retten, aber dann habe ich mich doch für Design entschieden“, erzählt er lachend.

Trauer kann man nicht überwinden

Bis Dezember will Huebert den Trailer fertigstellen. Ende des kommenden Sommers soll dann der gesamte Film stehen. „Zumindest in meinem Kopf ist der auch schon fertig“, sagt Huebert. Spätestens will er bis Ende nächsten Jahres fertig sein, da er sich dann mit seinem Werk für wichtige Festivals bewerben will.

Rund 23 Minuten wird der Film dauern. „Es wird aber keine klassische Drei-Akt-Struktur, wie man das häufig sieht“, verrät Huebert. Es solle vor allem viel um Gefühle und den Umgang mit Trauer gehen. Das habe er bei seinem Projekt nämlich auch gelernt: Trauer überwindet oder bewältigt man nicht, man lernt nur, mit ihr zu leben.

Deshalb hat sich Huebert für das Ende auch etwas Angemessenes einfallen lassen: „In meinem Film wird nichts aufgeklärt. Das letzte, was dem Zuschauer im Kopf bleiben soll, ist das Gefühl von Verständnis.“

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