Aachen: Raus aus dem Hörsaal ins eigene Start-up

Aachen : Raus aus dem Hörsaal ins eigene Start-up

Per App Essen bestellen — das ist seit Lieferando und Co. nichts Neues mehr. Aber was, wenn man es auch im Café vom Platz aus und nicht nur zu Hause könnte? Ihr Handy haben die meisten Leute immer dabei. Also könnte man doch eine solche App entwickeln Die Gäste müssen nicht auf den Kellner warten und können zusätzlich noch Bonuspunkte sammeln.

Das dachten sich die beiden RWTH-Studenten Nikolas Chapoupis und Jan Hesters. Sie entwickelten die App „Ordersome“. Inspiriert dazu wurde der 25-jährige Chapoupis in Schweden. „Dort bezahlen die Menschen fast nur bargeldlos“, sagt Chapoupis. Außerdem gebe es dort zahlreiche Apps, über die man in Cafés Bonuspunkte sammle. In einigen Resataurants kann man schon digital bestellen. Im Restaurant Ozaki in Aachen ordern die Gäste ihr Essen über iPads, die auf den Tischen bereit liegen. Laut Ozaki optimiere das die Arbeitsprozesse und mache vieles einfacher.

„Also haben wir angefangen, diese Ideen miteinander zu verknüpfen“, sagt Chapoupis. Eigentlich studiert er Maschinenbau, der 24-jährige Hesters Physik. Für ihr Start-up haben sie sich eine Auszeit vom Hörsaal genommen.

Öffnet man die App, bekommt man derzeit zehn Aachener Lokale aufgelistet. In acht Lokalen kann man Bonuspunkte sammeln. Für beispielsweise fünf bestellte Kaffees gibt es den sechsten umsonst. Zwei Lokale werden nur das Bestellsystem anbieten, ein Café macht beides. Um eine Bestellung aufzugeben, muss vor Ort ein Barcode eingescannt werden. Die Bestellung bekommt der Kellner dann auf sein Handy, er hat also das Gegenstück zur App installiert.

Das Bonussystem kostet die Gastronomen nichts. Viele Menschen sind von zentimeterdicken Stapeln von Bonuskarten im Portemonnaie genervt. Das Digitale sei sicher eine gute Alternative. Für das Bestellsystem zahlen die Gastronomen eine monatliche Gebühr. „Wichtig ist, dass man schnell bedient wird“, sagt Chapoupis.

In einem Café gab es schon Veranstaltungen, bei denen die App getestet wurde. Das ganze Prinzip klappe gut, wie eine Kellnerin mitteilt. In anderen Lokalen werde das Bonussystem allerdings noch nicht so gut wahrgenommen und genutzt. „Die Leute müssen erstmal damit warm werden“, sagt ein Inhaber.

Das Programmieren der App war nicht einfach. „Ich musste mir alles selbst beibringen. Das hat ein halbes Jahr gedauert“, sagt Hesters, der nicht nur mit Chapoupis Gründer ist, sondern auch zum vierköpfigen Programmierteam gehört. Ihn reizten vor allem die technischen Herausforderungen und die Idee, etwas zu entwickeln, was von Tausenden Menschen im Alltag genutzt wird. Mittlerweile haben die beiden Gründer ein Team von acht Leuten.

„Wir sind unglaublich dankbar, so ein tolles Team zu haben. Einige kümmern sich um Marketing und Design, andere fotografieren oder bloggen“, sagt Chapoupis. Das ganze Team engagiere sich in seiner Freizeit mit Elan für das Projekt. Chapoupis bezeichnet sich selbst als „Mädchen für alles“. Ihn reize auch besonders der Prozess, das Unternehmen aufzubauen.

Den Kellnern werde durch das Bestellsystem viel Lauferei erspart. „Auch für den Gast geht es schneller“, erklärt Chapoupis. Die App ersetzt nicht die Angestellten, aber bestimmte Arbeitsprozesse. Irgendwer müsse das Bestellte ja auch an den Tisch bringen. Das Zwischenmenschliche reduziert sich trotzdem — weniger Kommunikation zwischen Bedienung und Gast.

Hesters und Chapoupis investieren viel Arbeit und Zeit in ihr Projekt. Durch die drei Lokale, die das Bestellsystem nutzen, machen sie erste Umsätze, aber keine großen Gewinne. Trotzdem wollen sie weiter machen. Ihr größter Traum sei es, die Größenordnung von Lieferheld und Co. zu erreichen. „Die Wahrscheinlichkeit, so etwas zu schaffen, ist klein, trotzdem versuchen wir es“, sagt Chapoupis. „Wir haben auch schlaflose Nächte. Aber es lohnt sich.“

In Zukunft soll mit „Ordersome“ auch das mobile Bezahlen in den Lokalen möglich sein. Dann also ohne Bargeld und nur mit dem Handy.

Das Bestellen per App in Cafés und Restaurants ist allerdings keine Neuheit in Deutschland. In einigen Städten gibt es schon Apps, die so etwas anbieten. „Die Konkurrenz ist groß. Aber das ist gut so“, sagt Chapoupis.