Poetry Slam „Slammer&Propheten“ in der Dreifaltigkeitskirche in Aachen

„Slammer&Propheten“ in der Dreifaltigkeitskirche : Poetry-Slam zum ersten Mal mit Gebärdendolmetschern

Der Dichterwettstreit „Slammer&Propheten“ feiert mit seiner dritten Veranstaltung in der Dreifaltigkeitskirche eine Premiere: Zum ersten Mal werden die Texte Gehörlosen zugänglich gemacht.

Wenn sechs Poeten in der Kirche vor der Slam-Gemeinde ihre selbstgeschriebenen Texte nacheinander vortragen, wird neben ihnen ein Dolmetscher stehen, der das gesprochene Wort für Gehörlose simultan in Gebärden übersetzt – eine Neuheit.

Veranstaltet wird der Slam am 12. April von der evangelischen Jungen Kirche Aachen (Juki) und der VHS. Für Wiebke Eilts, Pädagogische Mitarbeiterin der VHS und unter anderem für den Bereich Gebärdensprache zuständig, ist dieser Slam besonders wichtig. „Es geht darum, dass Menschen zusammenkommen, sich austauschen. Das Thema Teilhabe ist uns sehr wichtig.“

Die Dreifaltigkeitskirche (3F) als Location sei dafür besonders geeignet, findet Pia Schneider, Jugendreferentin der JuKi. „Der Sinn der Kirche ist auch, für Menschen Zugänge zu schaffen, neue Perspektiven aufzuzeigen. Gerade Sprache ist so schön und kann viel ausdrücken. Für mich wird der Slam dann noch kirchlicher.“

Zwei professionelle Dolmetscher werden an dem Abend die gesprochenen Wörter sichtbar und für Gehörlose verständlich machen. Die Texte haben sie ein paar Wochen vorab bekommen, um zu üben, die Stimmung des Textes zu verinnerlichen und Abläufe der Gesten einzustudieren. Die Texte mit den sprachlichen und klanglichen Eigenheiten können nicht eins zu eins übersetzt werden, weiß Roman von Berg. Er ist Geschäftsführer von Tridimo, einer Agentur für Gebärdendolmetscher in Köln, die einen der Dolmetscher an dem Abend stellt. „Wir schauen eher auf den Inhalt und überlegen dann, welche Bewegungen dazu passen und am besten aussehen. Die Gebärden sollen ineinander fließen Es muss schön für das Auge sein. Das ist die Gebärdenpoesie.“

Bei diesem Poetry-Slam soll vor allem jungen Autoren Raum gegeben werden. Oscar Malinowski und Eric Jansen, die Moderatoren des regulären Aachener Slams „satznachvorn.“, führen auch in der 3F durch den Abend. Drei Runden (Vorrunde, Halbfinale und Finale) wird geslammt. Wer weiterkommt, entscheidet das Publikum. Denn jeder bekommt zu Beginn vier Schokoaldentaler, jeder Teilnehmer hat eine kleine Box mit seinem Foto drauf. Wer in den Runden die meisten Taler bekommt, ist weiter. Ein Prozedere, das den Ablasshandel der katholischen Kirche aufs Korn nehmen soll. Wer das Finale gewinnt, entscheidet eigentlich der lauteste Finalapplaus. „Gehörlose applaudieren ja, indem sie mit den Händen in der Luft wedeln. Das wird also diesmal anders sein als gewohnt“, sagt Moderator Malinwoski, der sich auf den Slam in der Kirche freut. Aber die Location und geistliche Atmosphäre wird nichts an den unterhaltend spitzen Moderationen ändern. „Wir werden nach wie vor, so ‚böse’ sein. Wie immer“, sagt er mit einem Augenzwinkern.

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