Pia Stutzenstein: Schauspielerin neben Elyas M'Barek in "Fall Collini"

Schauspielerin Pia Stutzenstein : Auf der Bühne spürt sie die große Freiheit

Die gebürtige Aachenerin Pia Stutzenstein ist als Schauspielerin erfolgreich. Am Sonntag ist die 30-Jährige im Traumschiff zu sehen, außerdem flimmert sie in „Der Fall Collini“ zurzeit an der Seite von Elyas M’Barek über die Kinoleinwand. Im Interview spricht sie über den Reiz der Schauspielerei, die Dreharbeiten auf dem Schiff und ihre Zukunft in Berlin.

Pia, du bist hauptberuflich Schauspielerin. Wann hast du das erste Mal auf einer Bühne gestanden?

Pia: Mit drei oder vier, als wir im Cluburlaub für Familien waren. Dort gibt es abends immer Programme, wo die Kinder involviert werden, und da stand ich schon auf der Bühne und habe so eine Sterntalerin gespielt. Ich weiß es nicht mehr genau, weil ich da zu jung war, aber das war das erste Mal auf der Bühne.

Welcher Auftritt war denn der erste, an den du dich erinnern kannst?

Pia: Wir haben in der Schule „Andorra“ von Max Frisch aufgeführt. Ich habe einen Soldaten gespielt. Das war mein erstes Theaterstück, da war ich so 12 oder 13 Jahre alt.

War Schauspielerei schon immer dein Traumberuf oder wann kam der Wunsch, das wirklich zum Beruf zu machen?

Pia: Ja, das war schon immer mein Wunsch. Es war immer in meinem Kopf und ich habe immer gedacht, es ist ziemlich geil auf der Bühne zu stehen, das macht auf jeden Fall viel Spaß. Irgendwann habe ich Abitur gemacht und dann auch in Aachen am Theater 99 gespielt. Dann haben meine Eltern mich gefragt, ob ich nicht eine Ausbildung darin machen will. Und ich habe gedacht: Ja, warum eigentlich nicht?

Was macht für dich den Reiz an der Schauspielerei aus?

Pia: Wenn man auf der Bühne steht, speziell beim Theater, kann man machen, was man will. Also in diesem Raum auf der Bühne hast du die größte Freiheit, die du dir vorstellen kannst. Eine andere Person zu spielen oder jemanden zu spielen, der mich interessiert, das ist höchst befriedigend. Das sind Momente, in denen ich Schmetterlinge im Bauch habe, in denen mein Herz höher schlägt. Damals dachte ich, das will ich jeden Tag machen.

Es ist ja gerade am Anfang nicht immer ganz einfach. Gab es schon mal Zeiten, in denen du bereut hast, dich für den Beruf entschieden zu haben?

Pia: Nein, bereut habe ich das nie. Aber es ist oft super schwierig, weil man von Projekt zu Projekt arbeitet. Klar gibt es auch Schauspieler, die angestellt sind übers Jahr und bei einer Serie mitspielen. Aber wenn man von Projekt zu Projekt arbeitet, gibt es zwischen den Jobs meist eine Phase, in der man nicht weiß, was als nächstes kommt. Das kann anstrengend sein.

Eins deiner Projekte zurzeit ist das Traumschiff, das am Sonntag ausgestrahlt wird. Es gibt ja immer ein bisschen das Klischee der Alte-Leute-Serie. Wie hast du reagiert, als du die Rolle bekommen hast?

Pia (lacht): Natürlich hat das Traumschiff ein gewisses Klischee, aber davon lebt die Reihe und ist seit vielen Jahren ein absolutes Kult-Format, das auch von vielen jüngeren Zuschauern gerne gesehen wird. Und andere Kollegen haben mir erzählt, wie toll es ist, zu drehen und gleichzeitig zu reisen. Insofern musste ich nicht lange überlegen.

Also sind die Dreharbeiten schon ein bisschen wie Urlaub?

Pia: Auf jeden Fall, das kann man nicht anders sagen. Obwohl ich es eher Reisen nennen würde, denn es ist ja nicht nur Urlaub, sondern auch Arbeit. Dennoch, als ich mal eine Szene an der Reling hatte, die Kamera auf mich gerichtet stand und rechts von mir das Meer und die Sonne waren, da dachte ich: Ja, es gibt definitiv schlechtere Arbeitsplätze.

Du hast auch schon drei Kinofilme gedreht, was ist das für ein Gefühl, wenn der eigene Film auf der ganz großen Leinwand spielt?

Pia: Das ist natürlich großartig. Es muss für mich allerdings nicht immer nur die ganz große Leinwand sein. Aber klar ist das cool, dann im Kino zu sitzen und sich das nochmal und nochmal ansehen zu können, wenn man Lust hat.

Also bist du auch selbst in deinem Film gewesen?

Pia: Ja, bei der Premiere war ich jeweils im Kino. Dieses Jahr ist „Rate your Date“ rausgekommen, da war ich bei der Premiere im Kino, und jetzt „Der Fall Collini“, da war ich zweimal im Kino und gehe nächste Woche bei der Premiere in Köln nochmal ins Kino, weil meine ganze Familie dann kommt.

Stichwort Familie: Du bist ja gebürtige Aachenerin und in Schmidt aufgewachsen. Wie ist die Verbindung zur Heimat, wenn man das Großstadtleben in Köln gewohnt ist?

Pia: Die Erinnerung daran ist super schön, aber das einzige, was ich hier noch mache, wenn ich im Sommer in Nordrhein-Westfalen bin, ist, zum Rursee zu fahren. Es ist super schön, da einfach mal schwimmen zu gehen. Wir haben früher direkt am Rursee gewohnt und da kenne ich mich aus. Sonst gehe ich meine Mutter und meine Oma in Aachen besuchen, aber das war es.

Mit dem „Traumschiff“ fuhr Pia Stutzenstein durch den indischen Ozean. Foto: dpa/Dietmar Hasenpusch

Du bist auf dem Land aufgewachsen, aber lebst jetzt in der Großstadt. Bist du insgesamt eher Stadt- oder Landkind?

Pia: Als ich damals nach Köln gezogen bin und wirklich vom Land her kam, dachte ich, ich brauche meine Ruhe. Hier kann ich ja nicht mal das Fenster öffnen, ohne dass mich andere Leute sehen. Das war schon echt anstrengend. Und es ist super viel Krach, während auf dem Land alles ruhig ist. Es war schon eine harte Umstellung, aber ich wohne jetzt schon seit über zehn Jahren in Köln und irgendwann gewöhnt man sich dran.

Wie ist denn hier dein Tagesablauf?

Pia: Das ist schwierig zu sagen, weil ich echt wenig zu Hause bin. Ich bin viel unterwegs, da gibt es nicht den einen Tagesablauf.

Wenn du so viel zu tun hast, bleibt da überhaupt noch Zeit, um mal ein bisschen runterzukommen und abszuschalten?

Pia: Ich mache viel Sport, das gibt mir dann ein Gefühl von Abschalten. Ich meditiere auch gerne und versuche dadurch, mich ein wenig runterzubringen, wenn ich merke, dass es vorher viel Stress war. Im Februar zum Beispiel war ich super viel unterwegs und bin dann im Bett im Hotel aufgewacht und wusste erstmal nicht, wo ich bin. Das ist schon anstrengend.

Was sind deine Hobbys, wenn du Zeit hast?

Pia: Ich fahre sehr gerne Skateboard und gehe ins Fitnessstudio. Ich spiele aber auch gerne Squash und Tennis. Eigentlich probiere ich alles, wenn Freunde mich fragen, ob ich irgendwohin mitkommen möchte. Ich habe zum Beispiel auch sechs Jahre lang Fußball gespielt. Irgendwie mag ich einfach Sport und mag es auch, viele verschiedene Dinge zu beherrschen.

Also schlummern in dir auch verschiedene Charaktere, wie in der Schauspielerei?

Pia: Ja, absolut! Und ganz ehrlich: Das ist auch echt gut. Denn oft werde ich angefragt für irgendwelche Rollen und es geht darum, ob ich beispielweise reiten oder surfen kann. Da ist es schon gut, wenn man immer offen für neue Dinge ist.

Musstest du dich denn für Rollen schon mal verändern oder neue Dinge lernen?

Pia: Bei „Der Fall Collini“ habe ich eine Punkerin gespielt, habe Piercings in Lippe und Ohren bekommen, Tattoos gekriegt, die haben mir einen Undercut geschnitten – also ich habe mich wirklich physisch verändert. Beim Traumschiff habe ich Bachata tanzen gelernt, das ist ein ziemlich enger Tanz.

Was steht nach diesen beiden Projekten in Zukunft noch an?

Pia: Ich ziehe Anfang Mai nach Berlin. Dort versuche ich, Fuß zu fassen. Ich drehe in der Nähe von Berlin eine Serie im Mai, „Die Kanzlei“ im ZDF.

Du hast ja schon mit mehreren bekannten Schauspielern zusammengearbeitet. Gibt es ein schauspielerisches Vorbild?

Pia: Das ist hart. Ja, es gibt super viele, die ich richtig gut finde. Heiner Lauterbach war immer ein Vorbild. Es war toll, mit ihm zu spielen. Ich finde, Emily Blunt ist eine krasse Schauspielerin. Die kann singen, ist super smart, super sexy. Johnny Depp ist ein toller Schauspieler. Aber je älter man wird, desto mehr Erfahrung und Wissen hat man. Da gehen Vorbilder ein bisschen verloren.

Was war die krasseste Persönlichkeit, die du bisher kennengelernt hast?

Pia: Harald Schmidt. Der ist super, wirklich! Der spielt seit sieben Jahren beim Traumschiff mit, das wusste ich gar nicht. Und das Lustige ist, dass ich ja aus Schmidt komme, und dann bin ich abends zu ihm an die Bar gegangen und meinte zu ihm: Hör mal Harald, weißt du eigentlich, dass ich aus Schmidt komme? Und er wusste das! Als ich ihn dann gefragt habe, woher, meinte er nur: Ich hab dich gestalkt. (lacht) Der ist super eloquent, schlau und auch lustig.

Was hast du dir schauspielerisch noch vorgenommen?

Pia: Ich würde super gerne beispielsweise bei Netflix in einer Serie mitspielen. Gerade die Original-Produktionen dort sind großartig. Aber eigentlich freue ich mich auf alles, was hoffentlich kommt und möchte vor allem arbeiten.

Bei welchem Theaterstück, Film oder Serie würdest du gerne mitspielen?

Pia: Stranger Things und Game of Thrones. Allerdings bin ich auch der größte Herr der Ringe Fan. Am liebsten hätte ich Legolas oder eine Elbin gespielt.