Newcomer-Band „Gemini“: Stawag Award Gewinner im Tonstudio

Newcomer-Band „Gemini“ : Nachdenken ist ausdrücklich erwünscht

Sie wollen unkonventionell sein, nicht unbedingt jedem gefallen und genießen einfach ihre Musik. Mit diesem Erfolgskonzept gewannen Gemini den Stawag Music Award. Jetzt arbeiten sie an der Aufnahme ihrer Songs und einem Musikvideo. Wir haben die Newcomer getroffen.

Einmal mit den eigenen Songs auf der ganz großen Bühne stehen. Welcher Musiker träumt nicht davon? Die fünf Studenten von „Gemini“ durften die Luft der großen Bühne jetzt schon einige Male schnuppern. Beim „Stawag Music Award“ setzten sie sich vergangenes Jahr gegen andere Newcomer aus der Region durch und durften nicht nur beim Finale während des Aachener „September Specials“ auf dem Marktplatz vor großem Publikum auftreten, sondern gewannen außerdem Zeit in einem professionellen Tonstudio mitsamt Videodreh.

Um ihren Gewinn einzulösen, trafen sich Thomas Decker (Guitar, Background Vocals), Lorenz Schmidt (Drums), Fabian Reinold (Vocals, Brass), Paul-Luca Bonke (Keys) und Lea Schirp (Bass) nun mit Frank Stumvoll von „Freshart Music Productions“ im Tonstudio am alten Schlachthof. Ihre Songs auch professionell aufzunehmen ist für die fünf das nächste große Ziel. „Wir haben eine Menge Musik auf Lager“, sagt Keyboarder Paul-Luca. „Unser Live-Programm ist jetzt schon eineinhalb Stunden lang.“ „Nur aufgenommen haben wir sie noch nicht“, fügt Drummer Lorenz hinzu. „Wir wollen auf jeden Fall mehr Songs produzieren und veröffentlichen und das, was wir live können, in eine EP verpacken.“

Die Band hat während des Studiums zusammengefunden, kennt sich aber teilweise bereits aus der Schulzeit. Seit 2016 spielen sie in der aktuellen Konstellation zusammen. Angefangen haben sie ganz klassisch in einem Mietshauskeller in Aachen. Ihre Demos hat die Band bisher nur im Tonstudio ihrer alten Schule aufgenommen, dementsprechend freuen sich die Musiker über die Möglichkeit, jetzt sogar ein professionelles Video zu drehen. Welcher Song es sein soll, haben sie aber noch nicht entschieden. Die Auswahl ist jedenfalls groß.

Seit dem Erfolg beim „Stawag Music Award“ waren Gemini viel unterwegs. So spielten sie zum Beispiel in Aachen im „Franz“ vor vollem Haus oder im „Schlüsselloch“ und gastierten außerdem auf vielen Bühnen in der Region. Im Juni werden die Newcomer auch beim Kimiko Festival Aachen spielen. „Insgesamt haben wir hier und da auf uns aufmerksam gemacht“, sagt Paul-Luca. „Außerdem sind wir noch mal besonders produktiv geworden und haben seit dem Finale viele neue Songs geschrieben.“

Diese entstehen bei der Band als echte Teamarbeit. „Meistens kommt jemand mit einer Idee zur Probe und dann bauen wir zusammen darauf auf“, erklärt Bassistin Lea und Paul-Luca fügt hinzu: „Fabian schreibt dann die Texte. Die sind immer sehr komplex und tiefgängig.“

Frontmann Fabian Reinold ist der literarische Kopf der Band. Während die anderen vier Maschinenbau und Informatik studieren, hat er sein Physikstudium gegen Politikwissenschaften getauscht, ist also jetzt der Geisteswissenschaftler der Gruppe. Er erklärt, wie neue Texte entstehen: „Wir starten immer mit der Musik. Während die anderen spielen, setze ich mich daneben und schreibe die ersten Sätze auf. Das sind meistens erst einmal die Bilder, die mir zur Atmosphäre der Musik in den Kopf kommen.“

Notiert werden diese Ideen dann immer und überall, ob auf dem Smartphone oder analog. Langsam entstehen so die ersten Zeilen und eine Geschichte. „Früher habe ich immer über Sachen geschrieben, die mir gerade emotional sehr nahe waren“, sagt Fabian. „Inzwischen erzähle ich aber auch gerne Geschichten, die gar nichts mit mir persönlich zu tun haben.“ Inspiration dafür nimmt er zum Beispiel aus der Literatur. So verpackt er einen Song über Verlust und das Loslassen zum Beispiel in Motiven von H. P. Lovecrafts „Cthulhu-Mythos“. Sogar eine politikwissenschaftliche Theorie hat schon den Weg in einen Songtext gefunden.

Dass die Uni bei all den Bandterminen nicht zu kurz kommt, ist für die fünf Studenten nicht immer leicht. „Das Zeitmanagement ist das wichtigste“, sagt Paul-Luca. „Wir alle machen uns weit im ­Voraus ausführliche Terminpläne. Zum Glück haben wir alle meistens keine Anwesenheitspflicht und können uns das Lernen dann so einplanen, wie es passt.“ Spontane Termine haben in diesem durchgetakteten Zeitplan allerdings keinen Platz. „Aber das kriegen wir alles hin“, sagt Lorenz. „Es macht schließlich Spaß.“

Musik als wichtige Ausdrucksform und Belohnung

Denn auf der Bühne ist der ganze Aufwand dann schnell vergessen. „Die Arbeit ist eigentlich das Drumherum und die ganze Organisation“, sagt Lorenz. „Auf die Bühne zu gehen, egal ob groß oder klein, ist dann gewissermaßen die Belohnung. Aber so oder so ist die Motivation immer da.“

Die Musik nimmt einen großen Teil der Freizeit der jungen Künstler ein, ist aber auch eine wichtige Ausdrucksform. „Für mich ist Musik ganz wichtig um Dinge rauszulassen, aber auch zu verarbeiten“, erklärt Lea. „Außerdem finde ich es faszinierend, mich von verschiedenen Formen der Kunst inspirieren zu lassen und aus diesen Eindrücken etwas Eigenes zu machen.“

Jeder der fünf Band-Mitglieder bringt seinen eigenen Stil und unterschiedliche Einflüsse bei Gemini ein. In diesen Mix der Stilrichtungen fließen unter anderem Electronic, Soul, Psychodelic, Blues, Klassik und Hard Rock ein und ergeben zusammen den individuellen Sound der Band. Unkonventionell wollen die jungen Künstler sein und musizieren deshalb auch nach dem Prinzip „es ist nicht unbedingt für jeden etwas dabei, aber für jeden eine Überraschung“.

Der Name Gemini bezieht sich übrigens auf die Technik-Affinität der fünf Studenten, denn das war auch der Name eines Raumfahrprogramms der USA. Keine Frage also, dass die fünf auch weiter nach den Sternen greifen werden.

Facebook: @gemini.ac.official

Website: www.gemini-ac.de

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