Burg Soers: Nach der Arbeit zurück ins Mittelalter

Burg Soers : Nach der Arbeit zurück ins Mittelalter

In Vereinen Mitglied zu sein oder sich zu engagieren, ist nichts Ungewöhnliches. Wenn das Vereinsleben aus Schaukämpfen, Rittergewandungen und einfachem Lagerleben besteht, ist das aber schon außergewöhnlich. Ein Einblick in die Faszination Mittelalter.

Wenn Thorsten Heiliger durch ein Burgtor läuft, dann lässt er den Alltag draußen. Er ist dann wie in einer anderen Welt, der Stress fällt ab. Anderswelt nennt er das. Welches Burgtor, das spielt dabei kaum eine Rolle, meistens ist es aber das der Burg Soers.

Zumindest seit einigen Jahren. In der Mittelalterszene ist Thorsten Heiliger dagegen schon deutlich länger aktiv. Die ersten Fantasy- oder Mittelaltermärkte hat er schon „recht früh“ besucht, sagt er, mit 13 oder 14. Heute ist er 36 Jahre alt. Mit seiner damaligen Clique ist Heiliger über die Märkte gelaufen, ist zum ersten Mal ins Mittelalter eingetaucht und hat dann, so erzählt er heute, gemerkt: „Das macht Spaß.“

Foto: zva/Marie Eckert

Ein paar Jahre dann war Thorsten Heiliger auf den Märkten auf den Burgen der Region nur Besucher, dann stellten er und seine Gruppe ein Lager auf die Beine. „Am Anfang mit eher spärlichen Mitteln, später sind wir dann anspruchsvoller geworden“, sagt er. Zelte, Schilde, Gewandung, Schwerter, Bögen: An die 3000 Euro hat Heiliger alles in allem in sein Hobby investiert, schätzt er. „Andere geben ihr Geld für Autos aus, ich eben hierfür.“

Dem Alltag entfliehen, gleichgesinnte Menschen treffen, beim Hobby abschalten. Wenn Thorsten Heiliger über seine Leidenschaft redet, braucht es etwas, bis man versteht, warum es ausgerechnet das Mittelalter sein muss und nicht der Kegelclub von nebenan. „Ich schlüpfe in eine andere Rolle“, sagt er. „Du nimmst dir Schwert und Bogen und bist ein anderer Mensch – du läufst dann nicht mehr durch die Gegend, sondern du schreitest.“ Und: „Solche Feste auf den Burgen sind vergleichbar mit Urlaub.“

Mit 30 Jahren in den Bann gezogen

Patrick Maniurka teilt Heilgers Ansichten, Einschätzungen, sogar seine Leidenschaft fürs Mittelalter. Allerdings ist er noch ein Neuling: Erst an Ostern dieses Jahres hat seine Freundin ihn mit auf die Burg Soers genommen. „Das Interesse daran war schon immer da bei mir“, sagt er. Besonders fasziniert habe ihn, wie die Menschen gelebt haben. „Spartanisch, und trotzdem haben sie viel erreicht.“

Foto: zva/Marie Eckert

Gepackt hat es ihn aber erst jetzt, mit 30 Jahren. In Windeseile hat er sich eine Ausrüstung zusammengestellt, hat Schaukämpfen mit dem Schwert und Bogenschießen gelernt, ist der Ritterschaft Burgwache zur Burg Soers beigetreten. Im September ist er zum ersten Mal im Ritterlager auf der Burg Soers dabei.

Für Thorsten Heiliger gehört das Lagerleben längst zum „normalen“ Leben mit Job und Alltag dazu. Er versucht, „vier, fünf, sechs Lager im Jahr“ mitzumachen – plus die beiden auf der Burg Soers. Denn natürlich ist er auch Mitglied in der Ritterschaft, engagiert sich im Verein. Und lagert auf den Burgfesten. Das Schönste daran, sagt Heiliger, sei der Zusammenhalt in der Gruppe. „Man merkt nicht, wie die Zeit dabei vergeht.“ Zusammen bauen die Hobby-Ritter ihre Zelte auf, in denen sie am Wochenende leben, richten sie ein, mit mittelalterlichen Hochbetten mit Fellen drüber. Alles selbst gemacht natürlich. Dann gibt‘s oft ein Grillfeuer – stilecht mit Feuersteinen entzündet. Nebenbei wollen sie den Besuchern das Mittelalter näher bringen, mit Schaukämpfen, Handwerk, Musik und Kochen etwa. Und natürlich mit der eigenen Gewandung. „Eigentlich leben wir da alle nur unseren Kindheitstraum aus, ein Ritter zu sein“, sagt Heiliger und lacht. Um die 20 Mitglieder der Ritterschaft Burgwache lagern auf den traditionellen Märkten.

An Menschen, die sie für ihr Hobby belächeln, stören sich die beiden nicht. „Ich gehe auch schon mal in Gewandung einkaufen, wenn wir irgendetwas Wichtiges auf einem Markt vergessen haben“, sagt Heiliger. Ohnehin habe er die Erfahrung gemacht, dass zumindest das Publikum auf den Märkten aufgeschlossen ist, sich gern durch die Ritterlager herumführen lässt.

Die beiden leben und lieben ihr Hobby eben. Wenn man Thorsten Heiliger fragt, gibt es jedenfalls nur zwei Möglichkeiten: „Entweder, du läufst ganz schnell oder du bleibst für immer.“ Er spricht aus Erfahrung.

Weitere Infos gibt es hier.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Ritter aus Leidenschaft

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