Kommentiert: Thema Familienalltag im Netz zeigen

Pro und Kontra : Kontra: Es ist okay, den Familienalltag im Netz zu zeigen

Marie Eckert fürchtet, dass es unangenehm für diejenigen werden kann, deren Leben von Anfang an auf Instagram und Co. stattgefunden hat.

Irgendwann kommt sie ganz bestimmt, die Zeit der Fotoalben auf Familienfeiern. Vorzugsweise im Teenageralter. In einer Zeit, in der viele Heranwachsende sowieso grundsätzlich alles erst einmal „doof und peinlich“ finden, ist das keine schöne Sache.  Nur wenige 15-Jährige wollen naturgemäß ihr zweijähriges Ich dabei betrachten, wie es nur mit Windel bekleidet mit den Händen Nudeln mit Tomatensoße isst, der Körper entsprechend von oben bis unten rot eingefärbt.

Wer nun schon beim Lesen ein unangenehmes Schaudern verspürt hat, der möge doch kurz an die Generationen denken, die von Anfang an mit Sozialen Netzwerken aufwachsen. Und zwar vom absoluten Anfang an. Vom ersten Ultraschallbild („Wir sind so stolz und glücklich“) über den ersten Geburtstag („Unser kleiner Engel wird ein Jahr alt“) bis über die eine oder andere peinliche Nudeln-und-Tomatensoße-Situation („So klein und schon so hungrig“) – sowas und mehr dokumentiert manches Elternpaar auf Instagram, Facebook & Co. Selbstverständlich, ohne das Kind um Erlaubnis zu fragen – wie auch.

Was für meine Generation eine unangenehme Kaffeestunde im engsten Familienkreis war, ist heute eine Entblößung im ganzen Internet. Und während die Fotoalben danach erst mal wieder im Regal verschwinden, vergisst das Internet ja bekanntlich nie. Allein vom Datenschutzaspekt ist das Hochladen von solch privaten Bildern höchst bedenklich. Für die Menschen auf den Bildern, die nicht einmal entscheiden konnten, ob sie damit im Netz landen möchten, ist es unangenehm. Schlimm genug, wenn Teenager später selbst Fotos hochladen, die besser unter Verschluss geblieben wären. Das macht es aber nicht weniger schlimm, den Nachwuchs im Netz zu vermarkten. Dann doch lieber das Retro-Fotoalbum. Außerdem: Einen verantwortungsvollen Umgang mit Sozialen Medien zu erlernen, kann ungleich erschwert werden, wenn es von Kindesbeinen an völlig normal ist, dass das ganze Leben auf Instagram stattfindet.

Mehr von Aachener Nachrichten