Junge Menschen glauben: Maike Sube und ihre Verbindung zur Kirche

Junge Menschen in der Kirche : Wenn der Glaube dich stets begleitet

Kirche und Religion werden oft eher älteren Mitmenschen zugeordnet, die jeden Sonntag in die Kirche gehen und vor dem Essen beten. Doch auch für junge Menschen spielt der Glaube noch eine Rolle in ihrem Leben. Wie das genau aussieht, erzählen Maike und Meret.

Freunde treffen, Verantwortung übernehmen, Gemeinschaftsgefühl erleben: Das sind die Eigenschaften, die Maike Sube der Kirche zuschreiben würde. Die junge Frau ist seit 20 Jahren in der katholischen Gemeinde St. Michael in Alsdorf-Begau engagiert und hat dort einen wichtigen Lebensinhalt gefunden, der sie schon seit Langem begleitet – und niemals losgelassen hat.

Mit sechs Jahren hat alles angefangen. Damals meldeten sie ihre Eltern zum Kinderchor an. Bereits in dieser Zeit freute sich Maike auf gemeinsame Aktivitäten wie Karnevalsfeiern und Wochenendfahrten. „Mir persönlich hat es immer sehr viel gebracht, mit anderen zusammen etwas zu machen“, erzählt die 26-Jährige. Als Einzelkind fand sie in der Kirche gleichaltrige Spielpartner, die sie zu Hause nicht hatte. 2001 folgte dann die Kinderkommunion, nach der Maike mit ihrer besten Freundin Messdienerin wurde. „Was mich immer da gehalten hat, waren die Aktivitäten und Ausflüge, aber vor allem meine Freunde“, betont sie.

In ihrer Jugendzeit habe auch sie ab und zu darüber nachgedacht, ob ihr das alles noch Spaß macht. „Wenn man 13 oder 14 ist, findet man es auch nicht mehr schön, im Sternsingerkleid durch die Straßen zu laufen“, sagt sie lachend. Doch bevor sie aufhören wollte, kam ein für sie entscheidender Faktor hinzu: „Wenn du diese zwei Jahre durchhältst, weißt du, dass du Betreuer werden kannst.“ Damit einher gingen erste Aufgaben, die ihr übertragen wurden. Mit der Zeit wurden diese immer mehr und größer, „die Verantwortung fand ich damals mit 15 ziemlich cool“, gibt sie zu.

Etwas später wurde sie dann Messdienersprecherin, übernahm die Leitung für das jährliche Pfingstzeltlager und die Organisation eben der Aktivitäten, die sie früher als Kind selbst so gern mochte. Das Ganze entwickelte sich zu einem „Hobby mit viel Verantwortung“, wie Maike es selbst nennt. Damit meint sie, dass sie gleichzeitig sehr viel Spaß an der Arbeit in der Kirche hat, abgesehen davon aber auch für andere Kinder und Jugendliche zuständig ist. Verglichen mit Maikes zweitem Hobby, dem Schwimmen, bedeutet das: „Beim Schwimmen hat keiner einen Nachteil, wenn ich nicht komme, aber wenn ich zur Messe nicht erscheine, hat das Auswirkungen auf andere.“

Diese anderen sind ein weiterer Grund für Maike, weshalb die Kirche ihr so viel bedeutet. „Ich habe das Gefühl, dass ich den Leuten etwas geben kann“, erklärt sie ihr Engagement. Gleichzeitig sei die Messdienergemeinschaft deutlich heterogener als zum Beispiel die Schulgemeinschaft. Man habe Kinder aus allen Gesellschaftsschichten in unterschiedlichen Altersklassen und mit verschiedensten Interessen in einer Gruppe. Die Arbeit mit diesen Kindern hat der 26-Jährigen außerdem noch etwas anderes gebracht: Sie hat Biologie und Mathematik auf Lehramt studiert, „so ein bisschen also mein Hobby zum Beruf gemacht“, berichtet sie. Auf den Ferienfahrten und in der Jugendarbeit habe sie ihren eigenen Stil im Umgang mit Kindern entwickeln können, auch wenn die Arbeit in der Schule natürlich in einem anderen Rahmen und in einer anderen Position stattfindet. „Aber ich habe das Wissen, dass ich darin aufgehe“, bekräftigt sie.

Impulse zum Nachdenken erhalten

In ihrem Alltag begleiten sie ihre Erfahrungen in der Kirche ebenfalls. Maike betet zum Beispiel häufig, „allerdings nicht nach Stundenplan“, betont sie. Das bedeutet, dass sie sich von solchen Ritualen nicht einengen und kontrollieren lässt, sondern sie selbstbestimmt in ihren Tagesablauf einbindet. „Ich bete nicht unbedingt immer vor dem Essen, aber das erste, was ich immer mache, ist, mich für etwas Positives zu bedanken“, erläutert sie ihr Verständnis des Gebets und fügt hinzu: „Glaube und Religion sind für mich kein Regelwerk, sondern Orientierung.“

Die erhält sie in den Gottesdiensten, die sie meist als Messdiener miterlebt. „Sie geben mir Impulse zum Nachdenken, das hat mir geholfen, meine Art des Glaubens zu finden.“ Die Messe bildet vor allem für ältere Leute immer noch einen wichtigen Rahmen, jüngere Leute hingegen kommen eher weniger. Das Schwierige an der Konstellation sei, dass der Glaube von beiden Seiten ganz anders praktiziert werde, erklärt Maike. Deshalb versuche man schon mit neuen Angeboten auf die Jugend zuzugehen, beispielsweise veranstalte man Mitternachtsgottesdienste und biete viele musikalische Angebote an.

„Vor 30 Jahren waren wir etwa 110 Messdiener, aktuell sind wir 16 in Begau“, erzählt Maike. Das steht stellvertretend für den Trend, der sich eigentlich in jeder Gemeinde abzeichnet. Immer weniger Menschen besuchen den Gottesdienst, immer weniger werden Messdiener oder engagieren sich anderweitig in der Kirche. „Ich denke nicht, dass der Glaube an sich ein Problem hat, aber die Organisation schon.“ Einen Lösungsansatz sieht sie darin, vor allem den Gottesdienst interaktiver zu gestalten und die Besucher mehr einzubeziehen. „Es muss keine Powerpoint Präsentation sein, aber man sollte mit den Leuten in den Dialog kommen und nicht nur die klassische Predigt von oben halten.“

Allgemein wünscht sich die 26-Jährige, dass die Menschen der Kirche eine Chance geben. „Ich finde es sehr schade, wenn Leute nur an Weihnachten in die Kirche gehen und den Gottesdienst als Unterhaltungsveranstaltung einordnen.“ Man müsse aktiv selbst etwas investieren, um die Botschaft der Messen zu verstehen und für sich zu interpretieren.

Für ein Leben mit Gott entschieden

Meret Gschwendtner ist zwar noch etwas jünger, für sie spielt Glaube trotzdem bereits eine wichtige Rolle. Die evangelische Schülerin ist regelmäßig im Ökumenischen Gemeindezentrum Stolberg-Frankental zu Gast. „Das ist stark durch meine Familie vorgeprägt, wir sind schon ein christlicher Haushalt“, erzählt die 14-Jährige. Vor jedem Essen wird gebetet, auch sonst stehen biblische Gesprächsthemen häufiger auf dem Programm. Mit der Zeit hat Meret ihren eigenen Umgang mit Religion entwickelt. „Für mich selbst bete ich eher nicht, aber ich denke schon, dass da oben jemand ist, der auf uns aufpasst“, sagt sie.

Die Verbindung zur Kirche besteht bei ihr schon lange. „Mit acht Tagen war ich das erste Mal im Kindergottesdienst“, berichtet sie. Ihre Oma ist seit mehreren Jahrzehnten in der Frauenhilfe engagiert, auch ihre Mutter hilft zum Beispiel bei Kindergottesdiensten. Immer wieder beteiligt sich daran auch Meret, die dann beim Waffelbacken unterstützt oder im Kindergottesdienst Geschichten aus der Bibel erklärt. Das größte Projekt war eine Theateraufführung des Stückes „An der Arche um 8“, das sie gemeinsam mit dem Stolberger Pfarrer Axel Neudorf und weiteren Jugendlichen auf die Beine gestellt hat.

Meret Gschwendtner engagiert sich in der evangelischen Gemeinde in Stolberg, am meisten im Ökumenischen Gemeindezentrum Frankental. Foto: ZVA/Caroline Niehus

Überhaupt hat sie seit ihrer Konfirmation mehr in der Kirche mitgemacht. „Da war der Punkt, an dem ich darüber nachgedacht habe, ob ich ein Leben mit Gott führen möchte oder nicht“, erklärt sie, „ich habe mich für Gott entschieden.“ Davor habe es auch mal eine Phase gegeben, in der sie sich nicht wirklich für Glaube und Religion interessiert habe. Die abendlichen Gebete im Kreise der Familie habe sie zwar weiter mitgemacht, sich aber kaum mehr an religiösen Gesprächen beteiligt.

Doch diese Zeiten sind vorbei. Gottesdienste besucht sie zwar nicht mehr wöchentlich, wie sie es früher getan hat. „Ich gehe aber immer noch gerne in die Kirche, man hat dort eine Verbundenheit zu Gott und auch zu verstorbenen Leuten“, findet die 14-Jährige. Genau greifen und beschreiben kann sie dieses Gefühl nicht, es sei „etwas Übersinnliches“.

Abgesehen von den Gottesdiensten ist Meret regelmäßig im Ökumenischen Gemeindezentrum Frankental anzutreffen. Zu Anlässen wie dem Weltgebetstag engagiert sie sich dort. „Zu solchen Anlässen kommt man mit Menschen ins Gespräch, mit denen man sonst nichts zu tun hat, aber dort sind sie einem gleich“, sagt sie.

In ihrem Alltag beeinflusst Meret der Glaube nicht immer. In der Woche habe sie ihre Hobbys Ballett und Schwimmen, am Wochenende sei sie dann schon mal in der Kirche oder helfe. „Hauptberuflich bin ich aber immer noch Schülerin“, lacht sie und fügt hinzu:  „Man hat den Glauben immer im Hinterkopf, aber er ist nicht immer präsent.“ In ihrem Freundeskreis ist der Bezug zu Gott und der Kirche schon da, allerdings gebe es auch Leute, die sich komplett davon distanziert haben. „Ich versuche dann zu erklären, warum ich daran glaube und möchte, dass sie das verstehen“, erzählt sie. Jemanden überzeugen will sie nicht, denn es sei freigestellt, ob man an Gott glaube oder nicht. „Das sollte jeder für sich selbst entscheiden“, findet Meret.

Die Zukunft der Kirche sieht sie nicht in Gefahr. „Man merkt schon, dass sich deutlich weniger Leute engagieren, aber diejenigen, die bleiben, geben einem Hoffnung für die Zukunft“, sagt sie. Ein Problem sehe sie aber in der Einstellung, dass man etwas schon immer so gemacht habe. „Man sollte manchmal auch auf Wünsche eingehen, die vielleicht Altes verändern, dafür aber eventuell neue Türen öffnen“, betont sie. Man müsse Kompromisse finden. Wichtig ist ihr die allgemeine Haltung gegenüber der Kirche: „Man darf jetzt nicht sagen, dass die Kirche keine Zukunft hat und deshalb alles sinnlos ist, stattdessen sollte man kleine Kinder für die Kirche begeistern und ihnen zeigen, dass es nicht nur stumpfes Rumsitzen ist.“

Damit dieses Ziel umgesetzt werden kann, haben Meret, Pfarrer Neudorf und der Rest des Teams bereits das nächste Theaterprojekt geplant. Dieses Mal soll kein Stück nachgespielt, sondern ein neues selbst ausgedacht werden. Die Treffen werden zeitgemäß über Whatsapp vereinbart. „So ist es nicht immer geregelt, aber dafür entspannt, weil wir uns dann treffen, wenn es jedem passt“, sagt Meret und freut sich bereits auf die neue Aufgabe.

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