Irene Bartolome forscht mit Ergebnissen des HALO Flugzeugs

In luftigen Höhen : Die Macht der Eiswolken verstehen

Die 25-jährige Irene Bartolome zerteilt in ihrer Doktorarbeit im Forschungszentrum Jülich Wolken in ihre kleinsten Teile. Sie versucht dabei herauszufinden, welche Wirkung diese auf das Klima auf der Erde haben. Hilfe bekommt sie vom Forschungsflugzeug HALO.

Sie erscheinen wie zarte, riesige Federn, die sich leicht ausgefranst über den Himmel strecken. Und bisher bleiben die Zirruswolken, auch Eiswolken genannt, ein großes Geheimnis. Denn es ist noch nicht vollständig geklärt, welchen Einfluss sie zum Beispiel  auf das Klima auf der Erde eigentlich haben.

Die 25-jährige Wissenschaftlerin Irene Bartolome arbeitet am Forschungszentrum Jülich. Sie versucht, der Lösung dieses Rätsels mit ihrer Doktorarbeit näher zu kommen.

Seit zwei Jahren arbeitet die aus Madrid stammende junge Frau am Institut für Energie- und Klimaforschung im Bereich Stratosphäre und schaut ins Innere der Zirruswolken.

Möglich wird das mit den Daten, die das Forschungsflugzeug HALO sammelt. HALO steht für „High Altitude and Long Range Research Aircraft“ und ermöglicht es den Forschern, pro Flug für etwa zehn Stunden in einer Höhe von bis zu 15 Kilometern Daten zu sammeln. Zirruswolken befinden sich meist  etwa acht bis zwölf Kilometer über dem Erdboden.

Mit HALO gelangen die Wissenschaftler unter anderem auch in die Tropopause – der Bereich, der für Irene besonders spannend ist. Es ist der Abschnitt zwischen Troposphäre, in der sich das Wetter entwickelt, und Stratosphäre, die weitestgehend wolkenlos ist. Manche Zirruswolken, die in der Troposphäre entstehen, breiten sich bis in die Tropopause aus.

Das Spezialgebiet von Irene Bartolome: die Zirruswolken. Foto: Irene Bartolome

Im sogenannten Belly-Pod, einer windabweisenden Verkleidung unterhalb des Flugzeugrumpfes, sitzt das Instrument, das für Irenes Forschung am wichtigsten ist: die GLORIA (Gimballed Limb Observer for Radiance Imaging of the Atmosphere). Das ist ein Fernerkundungsinstrument, das eine Wärmebildkamera beinhaltet.

Die Bilder dieser Kamera geben Irene die nötigen Informationen, die sie für ihre Wolken-Forschung braucht.  Zum Beispiel da­rüber, wie viel Ozon, Kohlenstoffdioxid oder Wasserdampf gerade an einer bestimmten Stelle in der Atmosphäre ist.

Das Forschungszentrum beteiligt sich etwa alle anderthalb Jahre an einer neuen Kampagne des Flugzeugs. 2017 war Irene Teil einer HALO-Kampagne und begleitete das Team des Forschungsflugzeugs nach Irland.

Im Flugzeug selbst sitzt sie dabei aber nicht. An Bord sind zum Beispiel Techniker, Forscher und zwei Piloten. Irene selbst überwacht vom Boden aus die Flüge. Um auch die Welt außerhalb des Wissenschaftskreises über diese Forschungen zu informieren, eröffnete das Forschungszentrum Jülich den Blog „Climate research“, in dem auch Irene während ihrer Zeit in Irland von ihren Erfahrungen berichtete.

Nach der zweimonatigen Kampagne und insgesamt 16 Flügen kehrte Irene mit einer Menge Material nach Jülich zurück und machte sich an die Auswertung.

„Wolken sind etwas sehr Schönes. Alle können sie sehen, aber richtig hinschauen tun die wenigsten“, sagt sie. Von klein auf haben sie Wolken fasziniert. In Spanien studierte sie Physik und schloss einen Master in Meteorologie an. In ihrer Masterarbeit beschäftigte sie sich noch mit den Wolken eine Etage tiefer, dem Nebel. Da ihre Schwester in Spanien Deutsch lernte, schloss sich Irene ihr an, ohne zu wissen, dass sie bald darauf wirklich in Deutschland leben würde. „Anfangs konnte ich nur ganz einfache, kurze Sätze sagen, aber ich habe viel dazugelernt in den letzten beiden Jahren.“ Ihre Kollegin Cornelia Strube hilft ihr dabei, mit ihr spricht sie im Büro nur Deutsch. Die Sprachbarriere spielt bei ihrer Forschung allerdings keine Rolle, denn die läuft größtenteils auf Englisch.

Stationiert ist das HALO zurzeit in Oberpfaffenhofen in Bayern. Hier werden gerade die Vorbereitungen für die nächste Kampagne in Argentinien getroffen. Diese etwa drei Millionen teure Mission wird zweigeteilt sein, die erste Phase findet im September, die zweite im November statt. Finanziert wird die Kampagne zu etwa gleichen Teilen von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt und den Helmholtz-Instituten in Jülich und Karlsruhe.

Irene wird in diesem Jahr im November in Argentinien ankommen und kann jüngeren Kollegen und Kolleginnen bei der Vorbereitung helfen. Vom Forschungszentrum werden 20 Personen zum Rio Grande starten, insgesamt sind sogar 124 Mitwirkende dabei.

Wer die neue Kampagne verfolgen will oder wissen möchte, was Irene und ihr Team 2017 machten, als sie von einen Hurrikan überrascht wurden, findet mehr Infos unter

https://blogs.fz-juelich.de/climateresearch/

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