Interview mit Marina Yakubova von Drehimpuls Aachen

Nachgefragt bei einer Poledance-Trainerin : „Es braucht nur gute Laune, Mut und Motivation“

Marina Yakubova Moergel ist Leiterin der Tanz- und Akrobatikschule Aachen. Im WirHier-Interview spricht sie über die Besonderheiten der Sportart Poledance.

Marina, was ist das Besondere an der Sportart Poledance?

Marina Yakubova: Poledance ist sehr vielfältig und kombiniert Kraft, Beweglichkeit, Koordination und Eleganz. Der Sport ist auch eine große Community mit familiärer Atmosphäre. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes ein schöner Ort zum Abhängen.

Aber es braucht schon gewisse Talente dafür, oder?

Marina: Ein großes Nein! Ob alt oder jung, dick oder dünn, sportlich oder unsportlich: Jeder kann mit Poledance anfangen. Es braucht nur gute Laune, Mut und Motivation.

Dabei sieht der Sport ziemlich anstrengend und komplex aus. Wie oft sollte man denn trainieren?

Marina: Zwei Mal die Woche ist ein guter Takt, um relativ schnell Fortschritte zu machen. Dazu empfehle ich zusätzlich einen Flexi- und einen Kraftkurs, wenn man keine anderen Sportarten nebenbei macht, um an der Kraft oder der Flexibilität zu arbeiten.

Kannst du da auch Beispiele nennen?

Marina: Eine Frau ist zu uns gekommen und war komplette Anfängerin. Sie hatte aber unglaublichen Kampfgeist und ist mittlerweile eine unserer besten Trainerinnen. Eine weitere Teilnehmerin ist über 50 und in unseren Kursen für Fortgeschrittene aktiv. Sie nenne ich immer als Beispiel, wenn jemand sagt, dass er mit 30 wohl zu alt für diesen Sport ist.

Auch der Spaß kommt beim Poledance nicht zu kurz. Foto: ZVA/Lars Voßen

Wie sehen die Kurse bei euch aus?

Marina: Zu 90 Prozent kommen Menschen ohne jegliche Erfahrung zu uns. Unsere Kurse sind dementsprechend so strukturiert, dass auch Anfänger direkt loslegen und mithalten können. Wir bieten auch jeden Samstag ab 11 Uhr eine Probestunde an.

Wie sieht das Geschlechterverhältnis beim Poledance aus?

Marina: Es sind noch überwiegend Frauen, die den Sport betreiben.

Woran liegt das?

Marina: Ich glaube, viele Männer trauen sich einfach nicht. Weil sie im Hinterkopf bei Poledance immer noch an etwas Verruchtes denken. Und ich glaube es ist die Angst, im Vergleich zu Frauen oder Kindern alt auszusehen. (lacht)

Vorurteile sind noch ein Problem?

Marina: Im Bewusstsein vieler hat es Poledance noch nicht aus den Clubs heraus geschafft. Frauen in knapper Bekleidung an der Stange sind natürlich in einer Weise erotisch. Man darf es trotzdem nicht mit Lapdance oder Striptease verwechseln. Beim Poledance steht die Ästhetik im Vordergrund, nicht die Erotik. Einige stutzen, wenn sie hören, dass wir auch Kurse für Kinder anbieten. Die haben dann eine falsche Vorstellung von Poledance. Ich würde mir wünschen, dass sich mehr Menschen trauen, diese Sportart auszuprobieren.

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