Interview mit Jonas Meyer von Das Lumpenpack

Interview mit Jonas Meyer : Das Lumpenpack-Rezept

Ihre Texte sind meist sarkastisch, häufig provokant, aber immer mit einer ordentlichen Portion Humor garniert. Das Lumpenpack tourt zurzeit durch die Lande und wird immer größer. Inzwischen hat die Band ihr drittes Album „die Zukunft wird groß“ im Gepäck. Wir Hier hat mit Jonas Meyer vom Lumpenpack über ihre Musik und Entwicklung gesprochen.

Jonas, eure Texte beschreiben die komischen Wahrheiten vor allem des Alltags. Wie absurd Rock-Pop-Cover-Band-Auftritte sind, warum sich Dorfkinder wie Könige verhalten, und implizit stellt ihr die Daseinsberechtigung von Heilpraktikern infrage. Erntet ihr von den „Betroffenen“ eurer Songs viel Kritik?

Jonas Meyer: Es passiert nicht oft, dass sich die Leute von unseren Texten auf die Füße getreten fühlen. Wir beide sind ja nie böse, verurteilen nicht und meinen es erst recht nicht immer ernst. Wir wollen uns einfach über bestimmte Themen lustig machen dürfen, aber machen das nicht ausschließlich auf Kosten anderer.

Wie schafft ihr es mittlerweile, trotz Tourleben, Terminen und Studiosessions den Alltag und den Bezug zum „echten Leben“ zu bewahren, der eure Lieder ja so erfolgreich macht?

Jonas: Ich glaube, früher ist es uns leichter gefallen, alltägliche Kleinigkeiten zu beschreiben und mitzukriegen. Wir hatten lange ein typisches Studentenleben. Inzwischen haben wir einen Berufsalltag, den eher wenige teilen. Da passiert es schnell, dass man andere Sachen für viel wichtiger hält als eigentlich in der Gesellschaft abgebildet – man wird zum eigenen Nischenprodukt. Zwischen den Tourphasen haben wir viel Freizeit und brauchen die auch, um diesen Alltag mitzukriegen.

Wie realitätsnah sind eure Texte noch?

Jonas: Wir singen über Sachen, die uns aufgefallen sind und die wir selbst erfahren. Gerade haben wir zum Beispiel einen Song über tanzende Mütter geschrieben. Das lag uns schon lange am Herzen, weil  unsere Mütter seit unserer Kindheit zu jedem Zeitpunkt die Chance ergriffen haben, auf Schulveranstaltungen zu tanzen.

Eure Lieder stammen aus eurer eigenen Feder. Wie läuft das ab, wenn ihr Songs schreibt?

Jonas: Wir fahren oft drei Tage in eine traurige Ferienregion, mieten ein tristes Ferienhaus, wo es nicht einmal WLAN gibt, und basteln dann an Songs. Meistens ist es so, dass wir dem anderen Ideen oder auch Textfetzen zuschmeißen. Manchmal macht es dann schon im Gespräch „Peng“, und sofort fangen wir mit dem Brainstorming an. So werfen wir uns gegenseitig die Bälle zu. 90 Prozent der Songs sind so entstanden.

Vor etwa eineinhalb Jahren habt ihr einmal gesagt, dass ihr keine politischen Texte macht. Hat sich das in der letzten Zeit geändert?

Jonas: Wir haben uns lange nie so politisch geäußert, hatten aber immer eine Haltung. Früher war es uns ein bisschen unangenehm, auf der Bühne eine Meinung zu präsentieren, die eh 99 Prozent des Publikums teilt. Das fanden wir auch lange beim deutschen Kabarett schwierig. Aber in unseren Songs schwingt schon immer mit, was wir gesellschaftlich und politisch verurteilen.

Jonas Meyer (links) und Max Kennel stehen seit mehr als sechs Jahren zusammen auf der Bühne und singen gemeinsam über die Absurditäten, die das Leben mit sich bringt. Foto: Fabian Stürtz

Wie zum Beispiel beim Song „Eva P.“, in dem ihr ein Date mit der fiktiven Tochter der ehemaligen AfD-Politikerin Frauke Petry beschreibt.

Jonas: Das ist wohl unser plakativ politischster Song. Die aktuelle Zeit verlangt das. Es ist absolut nicht mehr möglich und nicht cool, sich da nicht öffentlich zu äußern. Wir haben auch inzwischen eine Reichweite, die man jetzt nutzen kann, um Leute zu erreichen. Es gibt im Moment keine Entschuldigung, sich nicht politisch zu äußern. Wir tun das aber sicherlich in den Shows offensiver als in den Songs, die wir veröffentlichen.

Apropos Shows: Zum Lumpenpack gehören die Konfettikanonen wie das Amen in der Kirche. Gefühlt wird bei jedem dritten Song im Konzert eine Kanone gezündet. „Hassen“ euch die Veranstalter mittlerweile ein bisschen dafür?

Jonas: Doch, schon (lacht). Früher haben wir noch geholfen, alles wegzumachen, und wir hatten jetzt auch auf Tour am Anfang einen Laubbläser dabei. Aber mit größer werdenden Konzerten verpufft ja der Effekt, wenn man nicht noch mehr Konfetti bringt. Und inzwischen ist es so viel Konfetti, dass selbst ich manchmal denke: Leute, es tut mir wirklich leid. Aber es ist auch schon ein bisschen geil. Die Veranstalter wissen das im Vorfeld natürlich. Ich glaube aber, wenn wir ihnen die Möglichkeit geben würden, dann würden sie uns schon gerne mit dem Besen durch die Halle jagen.

Gibt es für dich einen besten Moment bei einem Konzertabend?

Jonas: Es gibt immer den Moment vor dem Konzert, da geht das Licht aus und wir kommen als Hauptact auf die Bühne. Da kriegt man immer schon mit, wie die Stimmung im Raum ist. Es ist ein geiles Gefühl, wenn man sich so in den Applaus der Leute reinfallen lassen kann und merkt: Die haben jetzt richtig Bock auf das, was passiert.