Horror: Wenn das WG-Leben zum Abenteuer wird

Neue Serie zum „Abenteuer Wohnen“ : „Was das WG-Leben angeht, bin ich relativ schmerzfrei“

Aachen Das Semester hat begonnen und noch immer suchen viele junge Menschen eine Wohnung oder ein WG-Zimmer. Gar nicht so leicht. Manchmal hat man richtig Pech mit der Wahl des neuen Zuhauses. Fatih hat uns seine persönliche Horrorgeschichte erzählt.

Fatih muss ausziehen. Er lebt mit neun anderen Studenten in einer Wohnung, die eigentlich für sechs Personen gedacht ist. Seit dem Abi teilt er sich mit einem Freund ein Jahr lang ein Zimmer in der überfüllten WG. Die Leute sind nett, die Miete billig. Damit Hausmeister, Vermieter und Nachbarn nicht merken, dass zu viele Leute dort wohnen, verteilen sie den Müll in den Tonnen der Nachbarn. Der Schwindel fliegt auf. Fatih und seine Mitbewohner müssen raus.

Das war Ende 2014. Der heute 24-Jährige erinnert sich noch gut an diese Zeit. Aber vor allem an das, was danach kam. Denn in seinem nächsten WG-Zimmer wartet eine weitere Herausforderung hinter einem Schrank.

Fatih, der seinen vollen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, studiert an der RWTH Wirtschaftsingenieurwesen mit Fachrichtung Maschinenbau. Zurzeit lebt er aus dem Rucksack, übernachtet bei Freunden. Denn bald steht seine Masterarbeit an. Ob er dafür in Aachen bleibt, ist unklar. Ein neues Zimmer fest zu mieten, lohne sich zurzeit nicht, erklärt der gebürtige Oberhausener.

Nachdem er sein erstes Jahr in Aachen gemeistert hatte und aus der Zehner-WG heraus musste, ist er in eine Wohnung mit drei Mitbewohnern gezogen. Er konnte ein paar Möbel übernehmen. Darunter auch einen Schrank, der, wie sich herausstellen sollte, eine Wand voller Schimmel versteckte. „Der Schimmel ging bestimmt zwei Meter an der Wand hoch und 50, 60 Zentimeter in die Breite“,  sagt Fatih. Ekelig, ungesund und „ein Romantikkiller.“

 „Ich habe es mit Schimmelentferner und Lüften probiert, aber es hat nichts genützt“, sagt Fatih. „Ich habe dem Vermieter Bescheid gesagt. Der wollte sich darum kümmern, aber es kam und kam nichts.“ Mit seinem Mitbewohner hat er die Sache dann selbst in die Hand genommen und wollte die Wand auf eigene Kosten neu verputzen. „Wir haben die Tapeten entfernt und den Putz mit dem Hammer heruntergehauen.“ Den Lärmbeschwerden der Nachbarn weichen sie aus, machen weiter.

„Irgendwann haben wir mit großer Wucht in die Wand geschlagen und plötzlich war ein großes Loch drin. Dabei haben wir auch die Leitung für die Klingelanlage getroffen“, erzählt der 24-Jährige. Die Folge: Die restlichen Wohnungen des Mehrfamilienhauses, Fatih schätzt etwa zehn betroffene Parteien, hatten über mehrere Tage hinweg keine funktionierende Klingel. „Wir haben uns dann mit den Nachbarn aufgeregt, damit es nicht auffällt, dass wir schuld sind.“

Schließlich wurde die Klingelanlage repariert, die Leitungen neu verkabelt. „Wer genau das gemacht hat, weiß ich nicht. Aber keiner hat gemerkt, dass der Schaden bei mir im Zimmer war.“ Die Studenten haben die Wand neu verputzt und tapeziert. Der Schimmel war beseitigt, aber das Klingelproblem blieb. „Irgendwas war an der Anlage falsch verschaltet. Wenn jemand bei den Nachbarn geklingelt hat, dann klingelte es häufig auch in der WG.“ Wohl fühlte Fatih sich trotzdem und hat fast zwei Jahre dort gewohnt. „Ich würde immer wieder in Wohngemeinschaften ziehen. Was das WG-Leben angeht, bin ich relativ schmerzfrei.“

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