Ein Besuch in der Buchhandlung: Hektik gegen Inspiration tauschen

Ein Besuch in der Buchhandlung : Hektik gegen Inspiration tauschen

Oft wird jungen Menschen vorgeworfen, sie würden ihre Zeit lieber im Internet und in Sozialen Netzwerken verbringen, als ein gutes Buch in die Hand zu nehmen. Und dann gibt es da auch noch das Lesen auf E-Book-Readern, was immer beliebter wird. Zeit, sich einmal in einer Buchhandlung umzuhören und bei denen nachzufragen, die das betrifft.

Die Menschen eilen die Straße entlang, auf den Bürgersteigen herrscht Gedränge, eine Gruppe von Touristen macht eine Führung durch die Innenstadt und lässt sich die Geschichte Aachens erklären. Es ist früh am Abend, der Regen sorgt für nasse Straßen. Sobald man aber durch die Eingangstüren der Buchhandlung schreitet, scheint es, als wäre die Zeit stehen geblieben. Als hätten Hektik und Eile des Alltags einfach vor der Tür gestoppt. Kunden schlendern durch die Gänge, sind in ihre Gedanken vertieft, blättern durch Bücher oder kramen zwischen Kalendern und Geschenkkarten.

„Ich gehe oft und gerne in Buchhandlungen und Bibliotheken. Man kann ganz in Ruhe durch die Bücher blättern und Neues entdecken“, sagt Jannis. Er ist 25 Jahre alt und Student. An diesem Tag sucht er ebenfalls etwas Neues, weiß aber noch nicht so recht, was. Er habe früher Fantasy-Bücher gelesen. Im Moment versuche er sich aber neu zu orientieren. „Ich habe gerne etwas Gedrucktes in der Hand. Auch wenn ich einen E-Book-Reader habe. Der ist aber nur dafür da, wenn ich auf Reisen gehe“, erzählt er. Im Internet bestelle er ausschließlich, wenn er genau wisse, was er brauche. „Oder ich lese dort Rezensionen, um herauszufinden, was andere Leute zu bestimmten Büchern sagen.“

Auch die 26-jährige Chiara hält nichts davon, Literatur im Internet zu kaufen. „Bücher würde ich tatsächlich nie online bestellen“, sagt sie. Das liege daran, dass sie einfach unglaublich gerne durch die Regale schlendere und sich inspirieren lasse. Man könne so viele neue Bücher und Dinge entdecken, das sei im Internet kaum möglich.

An diesem Tag ist Chiara in der Buchhandlung unterwegs, um ein Geburtstagsgeschenk für ihre Eltern zu besorgen. Aber sie kommt auch sonst oft hierher. Auch sie liest gerne das klassische Buch, statt elektronische Lesegeräte zu benutzen. „Ich habe einfach gerne etwas in der Hand. Und ich habe Bücher auch einfach gerne in meiner Wohnung im Regal stehen.“ Außerdem könne man sich in gedruckten Büchern besser Notizen machen oder Eselsohre in die Seiten knicken, um sich bestimmte Stellen zu markieren. Und was sie auch regelmäßig mit ihren Freunden macht, was mit einem E-Reader aber kaum möglich ist: Bücher verleihen.

Unbeschwertes Schmökern

Der Eindruck, dass die Kunden hier stöbern und natürlich unbeschwert lesen, bestätigt sich auch an diesem Tag. Ist es in der unteren Etage noch etwas lebendiger, sitzen in den anderen Geschossen zahlreiche Menschen in den Leseecken. Kinder, die in Bilderbüchern blättern, ein junger Mann, der mit Kopfhörern im Ohr liest, ein Rentner, der seinen Enkelkindern einen Adventskalender zeigt, zwei ältere Damen, die sich in der Abteilung der Kochbücher über eine gesunde Ernährung unterhalten. Ganz oben sitzt ein Jugendlicher mit einem älteren Mann, der ihm Nachhilfe gibt. „Man muss schon recht leise sein, aber das klappt sehr gut“, sagt er und wendet sich dann wieder seinem Taschenrechner und der mathematischen Formelsammlung zu.

Auch Katharina, 20 Jahre alt und Studentin in Aachen, geht gerne in Buchhandlungen. Heute sucht sie nichts Bestimmtes, sie schaut einfach nur mal durch, was es so Neues gibt. Zwar hat sie auch einen E-Book-Reader, liest aber lieber in gedruckter Form. Auch ihr Argument: „Ich habe gerne etwas in der Hand“, sagt sie. Manchmal suche sie auch im Internet nach neuen Büchern, aber am Ende geht sie doch immer wieder lieber direkt ins Geschäft. Chiara befürchtet indes, dass Kinder und Jugendliche heutzutage immer weniger lesen – in Zeiten von Spielekonsolen, Smartphones und Sozialen Medien. „Früher hatten wir sowas nicht, da haben wir eben gelesen“, sagt sie.

An diesem Tag ist auch Birgit mit ihrem neunjährigen Sohn in der Buchhandlung. Im Gegensatz zu Chiaras Befürchtungen gehört ihre Familie zu den „Viellesern“, sagt sie. „Wir lesen mit E-Book-Readern, weil wir einfach unfassbar viel lesen und so auch die Onleihe nutzen können“, erzählt sie.

Trotzdem gehe sie einfach unglaublich gerne mit ihren Kindern in Büchereien. „Es ist auch schön, wenn Kinder etwas in der Hand haben. Man sollte die eigene Liebe zu büchern weitergeben. Die vielen schönen Cover, die Geschichten dahinter – all das inspiriert einfach.“

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