Aachen: Gültig auch bei der WM: Acht kuriose Fußball-Regeln

Aachen: Gültig auch bei der WM: Acht kuriose Fußball-Regeln

Statistik und Historie von der Fußball-Weltmeisterschaft sind beim Rudelgucken so gar nicht euer Ding? Und trotzdem wollt ihr mal zeigen, dass ihr so richtig Ahnung habt? Dann haben wir hier fünf Regelfakten für euch, mit denen auch ihr beim nächsten WM-Spiel glänzen könnt.

Portugal macht es, und trotzdem sollten sich die anderen Teams kein Beispiel daran nehmen. Und nein, es geht weder um irgendwelche verfehlten Interviews oder fiesen Fouls auf dem Platz. Es geht um einen Torjubel. Denn während Ronaldo mit seinen Teamkollegen den Platz für einen Torjubel Richtung Fans verlässt, bleibt jeweils einer der Spieler brav auf dem Rasen stehen. Der Grund sei eine FIFA-Regel, die besage, dass wenn alle Spieler den Platz verlassen, der Gegner anstoßen und auch auf den alleingelassenen Torhüter stürmen darf.

Quatsch, sagt die FIFA. Das hat auch Panama gegen England gemerkt, das einen Torjubel des Gegners außerhalb des Felds ausnutzen wollte. Aber auch wenn es die „Phantom-Regel“ nicht gibt, hat das Regelwerk im Fußball einige kuriose Punkte anzubieten. Wir Hier stellt acht von ihnen vor:

1. Darf der Schiri ein Tor schießen?

Eigentore kommen vor allem während dieser Weltmeisterschaft ziemlich häufig vor, aber ein Tor vom Schiedsrichter gab es zum Glück noch nicht. Dabei würde ein Treffer des Unparteiischen tatsächlich zählen. Laut Regelwerk ist dieser nämlich nur Luft, deswegen würde ein Treffer ganz normal gewertet werden — das gilt übrigens auch für seine Assistenten.

2. Ball im Tor, aber trotzdem nur Eckball

Nicht zählen hingegen würde solch ein kurioses Tor: Sollte ein Team einen direkten Freistoß außerhalb des eigenen Strafraums zurück zum eigenen Torwart spielen, der Schlussmann aber nicht aufpassen oder gar am Ball vorbeitreten, wird nicht auf Tor entschieden. Auch wenn das Spielgerät im Tor landet, besagt die Regel: Aus einem Vorteil darf nie ein unmittelbarer Nachteil bestehen. Die richtige Entscheidung wäre daher Eckball — aber aufgepasst: Sollte der Keeper den Ball vorher berühren, darf der Gegner jubeln. Das gleiche gilt übrigens auch für Einwürfe.

3. Das Tor vermauern bringt nicht immer was

Noch hat es zwar keine Mannschaft in einem offiziellen Spiel versucht, aber rein theoretisch wäre es möglich: Um ein Tor zu verhindern, könnten sich alle Spieler als Mauer auf die Torlinie stellen. Ob das wirklich sinnvoll wäre, fragen sich bestimmt gerade alle Fans von Schalke 04. Die haben in einer ähnlichen Situation nämlich sehr schlechte Erfahrungen gemacht: Am letzten Spieltag der Saison 2001 darf der FC Bayern keinen Punkt beim Hamburger SV holen, dann ist S04 Deutscher Meister.

Es ist die vierte Minute der Nachspielzeit und der FCB hat einen direkten Freistoß zehn Meter vor dem gegnerischen Tor. Fast alle HSV-Spieler stellen sich auf die Torlinie, trotzdem netzt Patrick Anderson direkt zum 1:1 ein. Bayern ist Meister, Schalke weint. Vielleicht ein Trauma-Ereignis für die ganze Fußballwelt, doch lieber immer eine klassische Mauer zu stellen.

4. Rote Karte und trotzdem zu elft

Es ist zwar ein seltener Fall, kam aber trotzdem schon einige Male vor: Sollte ein Spieler tatsächlich vor Spielbeginn eine Rote Karte bekommen, darf der gesperrte Spieler durch einen anderen von der Bank ersetzt werden. Kein Team muss also in Unterzahl beginnen. Können sie aber — Kreisliga-Teams nach der nächsten Mannschaftsparty aufgepasst: Denn es müssen nicht unbedingt elf Spieler einer Mannschaft auf dem Platz stehen. Sieben Spieler pro Team reichen bereits, dann kann der Schiedsrichter anpfeifen. Einziges Problem: Sollte einer von ihnen die Rote Karte gezeigt bekommen, wird das Spiel abgepfiffen. Denn dann wird die Begegnung abgebrochen und mit 0:3 gewertet.

5. Flitzer als Sieggarant für enge Partien

Flitzer gibt es trotz intensiver Fanbewachung immer wieder. In Brasiliens vierter Liga sorgte einer von ihnen nicht mit seiner Freizügigkeit für Furore, sondern mit einer ungewöhnlichen Situation: Denn kurz bevor der Ball ins Tor flog, sprang er zwischen die Pfosten und parierte den Schuss vor der Linie. Doch was passiert dann? Kann ein Schiedsrichter ein Tor geben, dass eigentlich ja faktisch noch gar keins war? Ist der Flitzer auch nur Luft? Nein und Nein. Das Regelwerk sagt: Sollte ein Unbeteiligter den Schuss vor dem Tor klären, gibt es Schiedsrichterball und im Sinne des Fairplays dann auch ein Tor.

6. Ein Elfmeter kann auch zu eine Torvorlage werden

Ein Elfmeter ist eigentlich mit die beste Position für einen Spieler, um ein Tor zu schießen. Mann gegen Mann gegen den Torhüter. Ein fester und/oder präziser Schuss reicht, um jubeln zu können. Und trotzdem sieht das Regelwerk auch eine ganz verrückte Elfmeter-Variante vor. Und zwar darf der Schütze den Ball auch zu einem Mitspieler passen. Das gilt allerdings nur, wenn der Ball nach vorne gespielt wird. Heißt: Der Schütze muss einen Pass in den vorderen Raum spielen, sein Mitspieler im richtigen Zeitpunkt in den Strafraum laufen und den Ball einnetzen. Klingt kompliziert, ist aber auch schon in höheren Spielklassen vorgekommen. So auch bei einem 6:1-Sieg des spanischen Erstligisten FC Barcelona gegen Celtic Vigo. Messi passte seinen Elfmeter zu Suarez, der den überrumpelten Torhüter auf dem falschen Fuß erwischte und einnetzte. Aber aufgepasst: Der Trick klappt nicht immer.

7. Ein Elfmeter wie beim American Football

Diese Regel gilt zwar nicht für die Weltmeisterschaft, ist dafür aber umso kurioser. Denn auf den Färöer-Inseln in Dänemark darf ein Mitspieler bei einem Elfmeter den Ball festhalten. Grund ist der starke Wind, der oftmals dort herrscht. Damit der Ball nicht vom Elfmeterpunkt weggeweht wird und etliche Anläufe gestartet werden müssen, wurde diese Regel ins Leben gerufen. Hoffentlich wissen die Dänen bei der WM, dass in Russland die Hand besser wegbleiben sollte.

8. Ein Schiri kann nicht nur Spieler vom Platz schicken

Im Gruppenspiel gegen Schweden schickte der Schiri den deutschen Innenverteidiger Jerome Boateng mit Gelb-Rot vom Platz. Aber nicht nur Spieler müssen sich fürchten: Auch Trainer können vom Spiel ausgeschlossen werden, sogar seine Assistenten kann er bei Fehlverhalten verwarnen und vom Dienst entlassen.