Der Geilenkirchener Bjarne Reinhardt möchte Baseball-Profi werden

Baseball : Der amerikanische Traum

Baseball begeistert die gesamte Familie Reinhardt

Für Bjarne Reinhardt gibt es nur ein Ziel: Der Geilenkirchener möchte einmal in der Baseball-Liga MLB spielen. Der 15-Jährige ist sehr talentiert und bekommt die volle Unterstützung von seiner sportbegeisterten Familie. Doch die Chance ist gering.

Bjarne Reinhardt blieb fast gar nichts anderes übrig, als Baseball zu spielen. Denn die Reinhardts sind eine echte Baseball-Familie. Vater Holger, Mutter Nadine, die Brüder Torben (20) und Magnus (17) – alle sind sie dem Sport verfallen, der in Amerika so beliebt ist. Ein typischer Nachmittag sieht für den 15-jährigen Bjarne so aus: Vater Holger steht auf dem Feld der Trainings- und Spielstätte des ARX Parkstad Limburg und gibt seinem Sohn und dessen Mitspielern Anweisungen. „Schneller den Ball zurückspielen“, hallt es über die Wiese. Bjarne spielt auf der Position des Pitchers, er wirft den Ball. Der 15-Jährige kann das schneller und besser als andere in seinem Alter, sagt Mutter Nadine. Bjarne ist seinen Altersgenossen ein Stück voraus. Mit Limburg spielt er zurzeit in der zweithöchsten Jugendklasse in den Niederlanden, er tritt längst mit und gegen Ältere an. Bjarne ist das größte Talent in der Familie, daran zweifelt keiner. Er sagt, dass es sein „großer Traum ist, einmal in der nordamerikanischen Baseball-Liga MLB zu spielen“. Seine Familie unterstützt ihn dabei so gut es geht.

 Angefangen hat alles auf der Nato Air Base in Geilenkirchen. Nadine Reinhardts Vater, ein Sportlehrer, lernte dort den in den USA populären Sport lieben und teilte seine Leidenschaft mit der Tochter. Und Nadine, die einst selbst in der Bundesliga spielte, gab sie weiter. Zuerst an Holger, den sie kennenlernte, als sie 13 war. Und der Nachwuchs des Polizisten und der Steuerfachangestellten stand dann fast zwangsläufig „von Tag eins an mit auf dem Baseball-Platz“, erinnert sich Nadine. Und fügt hinzu, dass auch die fünf- und dreijährigen Kinder ihrer Schwester, die ebenfalls hochklassig gespielt hat, bereits angefangen haben, den Schläger zu schwingen. „Pitcher“, „Catcher“, „Shortstop“ – was bei anderen Familien zu fragenden Gesichtern führen würde, gehört bei den Reinhardts zum Alltagsvokabular, wenn sich die drei Brüder über ihre Positionen auf dem Spielfeld unterhalten.

Bjarnes Talent hat ihn begehrt gemacht. „Wir haben in zwei Wochen Länderpokal, ich muss den Bjarne unbedingt dabei haben“, sagte ein Auswahltrainer zu Nadine Reinhardt 2018; einen Tag, nachdem ihr Sohn zu einem Auswahltraining der U 15-Nationalmannschaft eingetroffen war. Auch die Niederländer waren an Bjarne interessiert, doch nachdem deutsche Scouts ihn bei einem Jugendturnier in Köln gesehen und ihn eingeladen hatten, fiel die Entscheidung zugunsten der deutschen U 15-Nationalmannschaft. Mit dem Auswahlteam ist der Geilenkirchener häufig auf Reisen; über Ostern ging es für ein Trainingslager in die Dominikanische Republik. Im Juli steht die U 15-Europameisterschaft in Italien an, wo das deutsche Team als Titelverteidiger antritt. Die Konkurrenz ist mit dem Gastgeber und den Niederlanden zwar stark. Doch „ohne Medaille geht es nicht nach Hause“, sagt Holger Reinhardt. Bjarne nickt dabei.

Limburg-Meister, Aufstieg in die zweithöchste Jugendklasse, U 15-Nationalspieler: Bjarne kann bereits in jungen Jahren beachtliche Erfolge vorweisen. Geht es nach dem 15-Jährigen, soll es noch höher hinausgehen. Am liebsten in die MLB; dorthin, wo alle Baseball-Spieler hinwollen. Dort spielt bereits Max Kepler. Der gebürtige Berliner gehört seit 2016 fest zum Kader der Minnesota Twins, nachdem er mit 16 Jahren seinen ersten Vertrag unterzeichnet und das Farmsystem des Klubs durchlaufen hatte. Erst vor Kurzem wurde bekanntgegeben, dass die Twins ihren Schlagmann mit einem neuen Fünfjahresvertrag ausgestattet haben, der mit insgesamt 35 Millionen Dollar (30,9 Millionen Euro) dotiert ist und ihm „vor allem Sicherheit“ verleiht, wie Kepler sagt. Ein in den USA guter, aber nicht außergewöhnlicher Kontrakt. In Europa unvorstellbar. Nicht in den Niederlanden, wo Baseball zwar ein Volkssport ist und „in jedem Dorf ein Baseballplatz“ steht, wie Nadine Reinhardt sagt. Und schon gar nicht in Deutschland, wo die Sportart neben Fußball, Handball, Eishockey, Basketball und Tennis nur ein Schattendasein fristet.

Ein komplexes Spiel

„Beim Fußball bekommen bereits Kinder Geld, die geradeaus laufen können. Spitzensportler im Baseball bekommen nichts“, klagt Holger Reinhardt. Wenn überhaupt, würden zumeist US-Spieler, die es nicht in die MLB geschafft haben, in den Niederlanden über Sponsoren oder staatliche Hilfe finanziert und ihnen subventionierte Wohnungen oder Autos zur Verfügung gestellt. Kein Wunder also, dass das Ziel der meisten europäischen Baseball-Spieler außerhalb des Kontinents liegt. Unter anderem in Japan und Australien. Und eben in den USA. Das ist auch Bjarnes großer Traum. Dafür trainiert der 15-Jährige zwei Mal die Woche in Limburg und zu Hause „jeden Tag so oft es geht“, wie er selbst sagt. Beim Mannschaftstraining stehen taktische Dinge im Vordergrund. Dafür werden immer wieder Angriffe wiederholt. „Es geht um das Verständnis dieses komplexen Spiels“, sagt Bjarne. Als Pitcher muss er das Spiel lesen und den Gegner beobachten. „Er sieht bei anderen, was sie falsch machen“, sagt Mutter Nadine. In den eigenen vier Wänden steht, wann immer Zeit dafür ist, vor allem Krafttraining für die Schulter- und Bauchmuskulatur im Vordergrund.

Wer als Teenager so viel Zeit in sein Hobby investiert, meint es meist ernst. Bjarnes Ehrgeiz ist groß, einmal in der MLB mit den oder gegen die Boston Red Sox, seinem Lieblingsteam, zu spielen. Und dafür bekommt er die volle Rückendeckung von seinen Eltern, die es ihm ermöglichen, ab Sommer auf ein Sportinternat in Paderborn zu gehen, wo er auf einer Schule sein Abitur machen soll. Falls es mit der Profikarriere nicht klappt, könnte er sich auch vorstellen, auf dem Internat später selbst als Lehrer zu unterrichten. Denn die Chance, es tatsächlich in die USA zu schaffen, ist gering. Das wissen alle in der Familie. Trotzdem glauben die Reinhardts daran. „Man weiß ja nie. Wenn man es nicht probiert, kann man es nicht wissen“, sagt Bjarnes Mutter Nadine. An mangelnder Baseball-Leidenschaft der Familie wird es definitiv nicht scheitern.

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