Segelregatta: Auf in unbekannte Gewässer

Segelregatta : Auf in unbekannte Gewässer

Am Sonntag heißt es „Leinen los!“. Dann startet eine Crew von Aachener Seglern bei der Cowes Week in England – der größten Kurzstreckenregatta der Welt. Wo genau es lang geht, erfahren die 13 Studenten erst kurz bevor der Startschuss fällt.

„Das ist das Lustige an dieser Regatta“, sagt Thomas Steimann. „Bevor es losgeht, weiß man nicht mal, in welche Richtung man startet.“ Auf dem Solent, dem Strom zwischen der Isle of Wight und dem Südzipfel Englands, legt die Regattaleitung Tonnen mit GPS-Kennung aus. Die Daten werden im Vorfeld an die Regattateilnehmer weitergegeben. „Erst wenige Minuten vor dem Rennstart wird dann per Funk durchgegeben, welchen Weg man zwischen den Tonnen hindurch nehmen muss“, erklärt Thomas. Der 24-Jährige war im vergangenen Jahr bei der Regatta im englischen Cowes dabei. Dieses Jahr geht das Studium vor: zwei Klausuren fallen in die Regatta-Woche, eine ist kurz darauf.

Der Akademische Seglerverein (ASV) der RWTH hat es aber trotz Klausurenphase geschafft, eine Crew zusammenzustellen. Acht Studenten und fünf Studentinnen sind am Freitag nach England aufgebrochen – per Bus. Und das Schiff? „Die Aquis Grana IV haben mehrere Teams bis nach England gesegelt“, erklärt Crewmitglied Patrizia Pauls. Heute hat die Crew dann Zeit, auf dem Solent ein bisschen zu trainieren. „Die meisten Crews, die an solchen Regatten teilnehmen, sind Profis“, sagt Andreas Nies. „Im besten Fall funktioniert man dann wie ein gut eingespieltes Orchester.“ Für die Hochschulcrew sei es um einiges anspruchsvoller, so reibungslos zusammenzuarbeiten, weil sich das Team bei jeder Regatta aus anderen Mitgliedern zusammensetzt – der Verein zählt rund 70 Aktive.

Dabei sind in diesem Jahr einige sehr erfahrene Segler wie Andreas, der vor elf Jahren im ASV mit dem Sport begann, und Neulinge wie Patrizia, für die die Cowes Week die erste Regatta ist. „Genau darin besteht die Stärke des Vereins“, sagt Andreas: „neue Leute ans Segeln heranbringen.“ Gefragt sind alle, bei Manövern hat jeder seine feste Position. Arbeitet das Team nicht gut zusammen, verliert es Zeit oder kann sich im schlimmsten Fall in Gefahr bringen. Die Mischung der Crew habe noch einen weiteren Vorteil: Weil auch Anfänger dabei sind, werde sehr klar kommuniziert – davon profitieren alle.

Sie sind Teil der Crew bei der Regatta in Cowes (v. l.): Andreas Nies, Patrizia Pauls und Valerie Pfannschmidt. Foto: Zva/Kristina Toussaint/Kristina Toussaint

Trainiert werden kann an diesem Samstag allerdings nur, wenn der Wind nicht zu stark ist. Von dem hängt ohnehin die gesamte Regatta ab: Von Tag zu Tag beobachtet die Regattaleitung die Wetterverhältnisse und legt dann fest, welche Strecken am jeweiligen Renntag gefahren werden. Möglich sind mehrere Kurzstrecken von etwa einer Stunde sowie längere Rennen, die vier oder fünf Stunden dauern können. Jede Strecke wird so angelegt, dass viele Manöver gegen den Wind gefahren werden müssen. Weil man aber nicht direkt entgegen der Windrichtung, sondern nur in einem bestimmten Winkel „schräg“ dem Wind entgegensegeln kann, erfordern die Strecken viel Manövrierarbeit. „Die Rennen sind so ausgelegt, dass die Crew gewinnt, die ihr Schiff am besten kennt und am besten kontrollieren kann“, sagt Andreas.

Rund 1000 Schiffe sind während der Cowes Week rund um die Isle of Wight unterwegs. Alle starten auf denselben Strecken. Damit die verschieden großen und schnellen Boote die gleichen Chancen haben, werden sie vermessen und ihre Eckdaten am Ende mit ihrer Rennzeit verrechnet. Die Starts werden in Gruppen gestaffelt. Die Aquis Grana IV startet in der schnellsten Gruppe. „Für einen Verein haben wir ein besonders schnelles Schiff“, sagt Andreas. Das habe man der Vereinsstruktur zu verdanken, erklärt Max Seidelmann, der Erste Vorsitzende. Insgesamt zähle der Verein rund 500 Mitglieder, weil viele ehemals Aktive den ASV nach ihrer Studienzeit weiter fördern. Neben dem Seeschiff, der Aquis Grana IV, stehen dem Verein so auch elf Jollen zur Verfügung, mit denen auf dem Rursee trainiert werden kann und auf denen Mitglieder ebenso wie Externe in Kursen das Segeln lernen können.

In Cowes sind nicht nur Tausende Menschen auf dem Wasser, sondern auch an Land. „Volksfest-Atmosphäre“ herrsche da, erzählt Thomas. Die will die Crew abends aufsaugen, bevor es zurück aufs Schiff geht. Geschlafen wird nämlich unter Deck, in Kojen, die sich von den Seitenwänden herunterklappen lassen. Eine Tür gibt es nur vor einem Raum: dem Klo. „Das wird auf jeden Fall kuschelig“, sagt Patrizia. Essen wird auf einem Gasherd zubereitet, der im Wellengang mitschwingen kann. Wie es auf der Aquis Grana IV genau aussieht und wie der ASV sich bei der Regatta schlägt, das zeigen wir im Laufe der Woche in unserer Instagram-Story: @west_eck

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