Körperkunst: Arschgeweih? Nein, danke!

Körperkunst : Arschgeweih? Nein, danke!

Eigentlich braucht es nur ein Beispiel, um den größten Nachteil von Tattoos zu beschreiben: das Arschgeweih. Was vor 15 Jahren der allerletzte Schrei war, zieht heute nur noch verstörte Blicke auf sich.

Wer sich damals nicht schon denken konnte, dass solche Trends sehr kurzlebig sind, läuft bis heute mit dem Tattoo am unteren Rücken herum.Eine Stelle, die sich vielleicht im Alltag noch gut verstecken lässt, aber sich spätestens beim nächsten Sommerurlaub am Strand wieder in voller Breite der Öffentlichkeit präsentiert. Auch, wenn das Arschgeweih oft als Jugendsünde abgetan wird, heißt das nicht, dass zunehmendes Alter automatisch vor einer falschen Tattoo-Entscheidung bewahrt. Menschen und ihre Interessen ändern sich ständig — sich dann den Schriftzug der Band tätowieren zu lassen, die einem mit 25 gefällt, ist mit Blick auf die Zukunft weniger klug.

Aber wenn alle Stricke reißen, dann kann immer noch der Laser den Schaden beheben? Auch das gestaltet sich meist schwieriger, als angenommen. Der Freund, der sich mit 20 eine halbnackte Frau auf den Oberarm hat tätowieren lassen, fand das mit 30 nicht mehr so ansprechend.

Die Prozedur, das Werk von seinem Arm zu entfernen, war nicht nur so kostenspielig, dass der nächste Urlaub gestrichen werden musste, sondern auch sehr zeitaufwendig. Neben mehreren Stunden im Tattoostudio verbrachte er außerdem die heißen und schönen Tage in seinem Zimmer, da die Haut so empfindlich war, dass sie erst mal kein Sonnenlicht sehen durfte. Und am Ende war zwar die Frau von seinem Arm verschwunden, die Konturen des Tattoos sind aber bis heute sichtbar.

Und dann bleibt da zu guter Letzt noch der Schmerz. Die Logik, sich bewusst oft mehrere Stunden solchen Schmerzen auszusetzen, um dann auf ewig an ein Motiv gebunden zu sein, erschließt sich wahrscheinlich nur wahren Tattoo-Liebhabern.

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