Start der fünften Jahreszeit: Alaaf, leev Jecken! Das große Karnevals-ABC

Start der fünften Jahreszeit : Alaaf, leev Jecken! Das große Karnevals-ABC

Für viele Karnevalisten fängt Sonntag die schönste Zeit im Jahr an. Am 11. November starten Karnevalsjecke traditionell in die neue Session. Doch schon von Dorf zu Dorf können Bräuche unterschiedlich sein. Damit auch wirklich jeder weiß, womit er es in den nächsten knapp vier Monaten zu tun hat, helfen wir euch im Karnevals-ABC auf die Sprünge.

Man kann sich im Karnevalsjargon schon mal verlieren, wenn man nicht selbst durch und durch jeck ist. Das Ornat zum Beispiel hat nicht in jedem Ort die gleichen Vorgaben. Auch das Dreigestirn gibt es nicht überall. Und was ist eigentlich eine Quetschbügell? Gemeinsam mit Jakob und Renate Bündgen vom Karnevalsmuseum Eschweiler erklären wir die wichtigsten Begriffe von A bis Z.

A wie Alaaf

Alaaf ist eigentlich ein Freudenruf. Dieser kommt ursprünglich aus der Kölner Gegend und bedeutet so viel wie „nichts geht über“ oder „über alles hinaus“. Oche Alaaf würde demnach also heißen: Nichts geht über Aachen.

B wie Bütt

Wer in die Bütt geht, hält eine Rede. „Früher waren diese oft mehr auf den Ort bezogen, der dann durch den Kakao gezogen wurde“, erklärt Jakob Bündgen. Heutzutage seien Büttenreden oft allgemeiner gehalten. Ganz ursprünglich kommt der Ausdruck vom Baden in der Bütt, einer Holzwanne.

C wie Clown

Der Clown ist wohl DAS Karnevalssymbol schlechthin. Mit roter Pappnase, großen Schuhen und bunter Kleidung stellt er eine klassische Karnevalsfigur dar. Bekannt ist er außerdem für seine oft unbeholfenen, lustigen Aktionen.

D wie Dreigestirn

Ein Dreigestirn ist in manchen Orten die Form der Narrenherrschaft. Dazu gehören der Prinz, der Bauer und die Jungfrau, klassischerweise werden alle drei Ämter dabei von Männern bekleidet. In unserer Region ist das Dreigestirn eher selten, Stolberg-Vicht oder Lichtenbusch sind Beispiele für Orte, in denen es ein Dreigestirn geben kann.

E wie Elferrat

„Elf ist die jecke Zahl“, sagt Renate Bündgen. Der Elferrat wird demnach aus elf Personen gebildet, die während Sitzungen auf der Bühne Platz nehmen. „Dort sind sie die Unterstützung des Präsidenten“, erklärt die Expertin.

F wie Fastelovend

Dieses Wort besteht im Grunde aus zwei Teilen. Es war ursprünglich der Abend (lovend) vor der Fastenzeit (Faste), „davor durfte das arbeitende Volk noch einmal richtig feiern“, sagt Renate Bündgen.

G wie Garde

Die Garde ist oft der größte Teil eines Karnevalsvereins. Der Kommandant ist zuständig für die Garde, die in großen Gesellschaften oft noch in einzelne Korporalschaften unterteilt ist. Bei Auftritten sorgt sie für ein prächtiges Bühnenbild.

H wie Helau

„Helau ist zwar genau so ein Freudenruf wie Alaaf, wird in Eschweiler aber zum Glück nicht gerufen“, sagt Renate Bündgen lachend. Zu hören ist dieser Ausruf eher im niederrheinischen Gebiet wie zum Beispiel in Düsseldorf und Mönchengladbach sowie in Rheinhessen, also zum Beispiel in Mainz.

I wie Insignien

Insignien sind die Herrschaftszeichen des Prinzen oder jeweiligen Narrenherrschers. Das Wort stammt vom lateinischen insigne, was so viel bedeutet wie Abzeichen oder Kennzeichen. Damit ist nach außen hin sichtbar, dass es sich um die wichtigste Person im Karneval handelt. Insignien können von Stadt zu Stadt unterschiedlich sein. Fast immer gehört der Stadtschlüssel dazu, den der Bürgermeister für die Zeit der Regentschaft abtritt. Auch die Prinzenmütze, der Prinzenstern, eine Urkunde, ein Zepter und die Prinzenkette können Insignien sein.

J wie Jeck

Jeck ist DIE Beschreibung der karnevalszeit. Es kann für alles Mögliche stehen. Zuallererst werden von Renate Bündgen die Synonyme fröhlich und ausgelassen genannt. Aber auch Bezeichnungen wie verrückt oder lustig beschreiben das Wort gut. Diese Eigenschaften können dabei sowohl auf Menschen als auch auf die Stimmung zutreffen.

K wie Kamelle

Kamelle kennen die meisten wohl vom Rosenmontagszug oder anderen Umzügen. Die vielen Süßigkeiten, die geschmissen werden, sind mittlerweile nicht mehr alles. Auch Sachgegenstände wie Flipflops oder Taschentücher finden ihren Weg ins närrische Volk. „Dabei ist die Kamelle eigentlich aus ärmeren Zeiten entstanden, um dem Volk etwas zukommen zu lassen“, erzählt Bündgen.

L wie Lappenclown

Auch der Lappenclown ist ein klassisches Karnevalssymbol. „Dieser ist ebenfalls in einer Zeit entstanden, in der die Menschen wenig zur Verfügung hatten, sie haben Stoffreste genommen und daraus ein Kostüm gebastelt“, sagt Bündgen. Meist ist er noch im Kölner Karneval zu finden.

M wie Mettbrötchen

Klassische Nahrungsmittel zu Karneval gibt es einige. Definitiv nicht fehlen darf das Mettbrötchen – oft mit einer Menge Zwiebeln verfeinert. „Das gehört einfach dazu“, findet Jakob Bündgen, „ich kann mir keine Sitzung ohne vorstellen.“ Das durchaus fettige Essen soll den Alkohol vernichten, der während der Karnevalszeit oft in nicht allzu geringer Menge zu sich genommen wird.

N wie Narrenkappe

Die Narrenkappe ist aus der Kostümierung entstanden, wie Renate Bündgen berichtet. „Diverse Vereine haben ihre Farben festgelegt und die Kappen dementsprechend gestaltet.“ Der Narr als solcher habe auch immer eine Mütze oder einen Hut auf, daran haben sich die Vereine orientiert. Oft gibt es besondere Kappen für einzelne Gruppen. Dazu können zum Beispiel der Elferrat oder Ehrenmitglieder zählen.

O wie Ornat

Als Ornat bezeichnet man das Prinzenkostüm, das der Narrenherrscher während der Session bei jedem Auftritt trägt. In Eschweiler zum Beispiel ist es abgestimmt auf die jeweiligen Vereinsfarben wohingegen es in Stolberg immer das gleiche Ornat gibt. Nie fehlen darf allerdings das Wappen der jeweiligen Stadt. Ein weiteres Wort mit O ist im Übrigen der Orden, den der Prinz als Dankeschön und Auszeichnung an seine Gefolgschaft verteilt.

P wie Puffele

Sicherlich einleuchtend gewesen wäre hier der Prinz, doch dieser steht über allem und ist weit bekannt. Weniger bekannt sind die Puffele, die ebenfalls den Hunger der feierwütigen Meute stillen. Auch bekannt als Berliner sind sie ebenfalls Fettgebäck, das den Alkohol bindet.

Q wie Quetschbügell

Quetschbügell – ein anderes Wort für Ziehharmonika. „Das ist aus der Hausmusik entstanden, man kann damit herrliche Walzer oder Schunkelmusik spielen“, schwärmt Renate Bündgen. Auch Straßenmusiker verwenden das Instrument häufig.

R wie Rosenmontag

„Rosenmontag ist der Superfeiertag für alle Karnevalisten“, behauptet Bündgen. An diesem Tag gehen die Rosenmontagszüge durch die Ortschaften. „Das ist für jeden Uniformierten und Zuschauer das Highlight“, findet sie. Eschweiler hat übrigens einen der größten Rosenmontagszüge Deutschlands. Gemessen an der reinen Größe ist er der drittgrößte. Rechnet man allerdings in Relation zur Einwohnerzahl, handelt es sich klar um den größten, wie Jakob Bündgen schmunzelnd hinzufügt.

S wie Session

Die Session beschreibt den Zeitraum der fünften Jahreszeit. Sie beginnt traditionell am 11.11.. Das offizielle Ende findet sie am Aschermittwoch, an dem dann die Fastenzeit beginnt. Zwischendurch gibt es eine kurze Ruhephase um die Karnevalstage herum, ehe dann mit der Prinzenproklamation, die in den meisten Städten im Januar stattfindet, die heiße Phase eingeläutet wird.

T wie Trömmelche

„Denn wenn et Trömmelche jeht...“ Diesen Liedtext kennt wohl jeder Karnevalist. Das Trömmelche ist wie die Quetschbügell ein Musikinstrument, das vor allem in der Marschmusik seinen Einsatz findet. „Die Musik gehört einfach dazu“, findet Jakob Bündgen.

U wie Uniform

Die klassische Uniform ist bei uns in der Umgebung meist an das preußische Vorbild angelehnt. Sie ist in den Vereinsfarben gehalten, die in der Satzung festgeschrieben sind. Der Kommandant ist zuständig für ein ordentliches und einheitliches Erscheinungsbild.

V wie Veilchendienstag

„Veilchendienstag ist unter Karnevalisten nicht so hoch bewertet“, weiß Bündgen. Oft gibt es vereinsinterne Veranstaltungen zum Ausklang der Session. Abends wartet allerdings noch der letzte Höhepunkt auf den Prinzen: die Auskleidung. „Dort muss er alles wieder abgeben, dann fließen die Tränen“, erzählt er.

W wie Weiberfastnacht

Weiberfastnacht oder auch Fettdonnerstag oder Altweiberball: Dieser Tag ist ebenfalls ein klassischer Straßenkarnevalstag. „Früher gab es auch noch viele Züge mit Frauen, die unkenntlich verkleidet waren“, erinnert sich Renate Bündgen.

X wie Xanthippe

Dieser Begriff geht auch eher auf den Kölschen Karneval zurück, er meint das weibliche Wesen, das nach der Herrensitzung zu Hause auf den Partner wartet – also meist die Ehefrau. Xanthippe war die Frau des Philosophen Sokrates, die als Inbegriff des zänkischen Weibes in die Literatur eingegangen ist.

Y wie Y-Kutsche

Die Y-Kutsche meint ein Gefährt im Rosenmontagszug, das die sogenannten billigen Plätze bietet. Es handelt sich um einen Zweispänner und wurde meist von den Menschen besetzt, die aus Sicht der Karnevalsgesellschaft zu wenig für Wagen und Kamelle gespendet hatten. Die großzügigen Spender saßen dagegen in einem Vierspänner.

Z wie Zeremonienmeister

Der Zeremonienmeister ist in den unterschiedlichen Dörfern unterschiedlich besetzt. In den Vereinen gibt es ihn fast überall, dort macht er den Auftretenden bei Sitzungen den Weg frei. Er führt die Gruppen rein und wieder raus und „ist eigentlich der Mann, der an dem Abend die meiste Arbeit hat“, sagt Bündgen lachend. In Eschweiler kommt dem Zeremonienmeister eine besondere Aufgabe zu: Er ist an der Seite des Prinzen und macht ihm den Weg frei.

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