Aachen: 1 lustige Seite vong Humor her

Aachen: 1 lustige Seite vong Humor her

„Willy Nachdenklich“ - so nennt sich der Macher der Facebook-Seite „Nachdenkliche Sprüche mit Bilder“. Mehr als 360.000 Abonnenten folgen seinen typischen Posts in „Vong“-Sprache. Hinter dem Pseudonym steckt der 34-jährige Großhandelskaufmann Sebastian Zawrei aus Amberg. WirHier hat mit ihm über seinen plötzlichen Erfolg und Zukunftspläne für das neue Jahr gesprochen.

Die Facebook-Seite „Nachdenkliche Sprüche mit Bilder“ von Kunstfigur „Willy Nachdenklich“, eigentlich Sebastian Zawrel, ist zum Erfolg geworden. Dort postet der 34-Jährige regelmäßig Bilder mit Sprüchen in „Vong“-Sprache: eine Schreibweise geprägt von Rechtschreib- und Grammatikfehlern.

Charakteristisch dabei ist Zawrels Kreation „vong ... her“, bei der er seine Phrasen um eine weitere Information ergänzt. Kostprobe gefällig? „Der Novenber ist die Depresson der Natuhr vong Wetter her.“ Eine Weitere Wortschöpfung, die Zwarel bekannt gemacht ist „I bims“ — das steht für „ich bins“ und wurde kürzlich zum Jugendwort des Jahres gewählt.

Was hältst du davon, dass „I bims“ das Jugendwort des Jahres geworden ist?

Zawrel: Schon krass, wie das gelaufen ist, aber man darf auch nicht zu viel reininterpretieren. Ein bisschen geht der Erfolg zwar auf meine Kappe, aber der eigentliche Erfinder von „I bims“ ist der Künstler Moneyboy. Er hat das schon vor mir in seinen Posts benutzt.

Wie verankert ist die „Vong“-Sprache in deinem eigenen Sprachgebrauch? Sagst du „I bims“ statt „Ich bins“, wenn du dich am Telefon meldest?

Zawrei: Im alltäglichen Sprachgebrauch bin ich sehr unberührt von der „Vong“-Sprache. Da spreche ich ganz normal, außer natürlich bei den Lesungen.

Und wie sieht es beim Schreiben aus? Wie gut beherrschst du die Rechtschreibung tatsächlich?

Zawrel: Ganz gut, würde ich sagen. Ich habe die Mittlere Reife in Deutsch mit einer Zwei abgeschlossen.

Es ist ein regelrechter Hype um deine Seite entstanden, mittlerweile gibst du sogar Lesungen und hast ein Buch herausgebracht. Wie kam es dazu?

Zawrel: Anfänglich habe ich nur die Seite gemacht und dafür dreimal die Woche etwas zu einem Thementag, beispielsweise dem „Energydienstag“ oder „Powerfreitag“ gepostet. Dann habe ich eine Lesung in „Vong“-Sprache gegeben. Ab dann ging alles schnell: Das Video von der Lesung war auf Youtube zu sehen, innerhalb eines halben Jahres ist die Tour gestartet und mein Buch rausgekommen.

Ein schnelles Tempo: Schaffst du es immer noch alleine, deine Facebook-Seite zu betreiben?

Zawrel: Ja, das mache ich komplett alleine. So viel Zeit beansprucht das Gestalten der Bilder gar nicht. Viele denken, dass die Seite viel mehr Arbeit macht, als es tatsächlich der Fall ist. Fünf Bilder sind etwa eine halbe Stunde Arbeit, das erledige ich dann nebenbei, ich bin noch Vollzeit berufstätig.

Du scheinst mit über 360.000 Abonnenten den Nerv der Zeit getroffen zu haben. Wie erklärst du dir den Erfolg?

Zawrel: Für mich ist das immer noch unerklärlich. Aber ich denke, meine Bilder und Sprüche sind einigermaßen witzig. Die Seite hat dann einfach eine Eigendynamik bekommen: Die richtigen Leute haben sie geteilt, darunter auch Prominente wie Jan Böhmermann oder Elyas M’Barek. Das hat Reichweite generiert. Ich habe den Erfolg nicht geplant, das alles ist aus einem Jux heraus entstanden. Das ist vielleicht auch das Erfolgsgeheimnis.

Bei Lesungen trägst du eine Maske. Möchtest du lieber unerkannt bleiben?

Zawrel: In den Anfängen war es noch so, dass meine Identität anonym war. Keiner wusste, ob die Seite von einem Mann oder einer Frau betrieben wird. Als ich meine erste Lesung gegeben habe, war gerade Faschingszeit. Meine typische Nasenbrille habe ich kurz vorher spontan in einem Ein-Euro-Shop entdeckt und gedacht: „Die ist so blöd, die passt super.“ Das ist bis jetzt so geblieben.

Über was lachst du privat?

Zawrel: Ich finde Helge Schneider super lustig. Ihm folge ich, seit ich zehn oder elf Jahre alt bin. Schneider macht ja auch mal Geschichten mit völligem Nonsens, davon habe ich mich inspirieren lassen.

Was ist das beste Bild, das du jemals gepostet hast?

Zawrel: Es gibt 2500 Bilder, da eins rauszusuchen ist richtig schwierig. Auf paar Geschichten bin ich aber auf jeden Fall stolz. Eigentlich mach ich mir keine Gedanken, sondern fange einfach an zu schreiben und dann kommen coole Sachen raus.

Wie reagieren Freunde und Familie auf deine Comedy-Karriere? Sind sie stolz oder genervt von der „Vong“-Sprache?

Zawrel: Die finden das alle super. Mein Papa ist ganz engagiert und hat mir auch schon Ideen für Sprüche geschickt. Während der Olympischen Spiele hat er etwa vorgeschlagen, ein Bild mit der Aufschrift zu kreieren, dass ein Reiter mit einer gewissen Anzahl von Stürzen Gold im „Blessurreiten“ geholt hat.

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