Düren: Wie wird sich die Stadt Düren weiter entwickeln?

Düren: Wie wird sich die Stadt Düren weiter entwickeln?

Die City der Stadt Düren hat sich in den vergangenen beiden Jahren sichtbar verändert. Kölnstraße und Kölntorplatz wurden 2016 neu gestaltet, 2017 folgte der Marktplatz. Und es geht weiter, dieses Jahr folgt unter anderem der Heuss-Park, 2019 der Rathausvorplatz. Dennoch gibt es mit Blick auf das Zentrum schon mal Misstöne wegen sozial auffälliger Gruppen. Die CDU fordert daher seit langem ein testweises Alkoholverbot.

Bürgermeister Paul Larue ist dafür, wenn es parallel sozialpädagogische Betreuung gibt. Im Interview mit unserem Redakteur Ingo Latotzki spricht der Christdemokrat auch über die derzeitige Diskussion, die Kita-Gebühren abzuschaffen und darüber, wie sich die Stadt weiter entwickeln könnte. Außerdem gibt Larue Auskunft über seine eigenen Pläne mit Blick auf die Kommunalwahl 2020.

Die Stadt Düren steht derzeit finanziell wieder deutlich besser da, als noch vor einigen Jahren. Sie mahnen dennoch einen sorgsamen Umgang mit dem Geld an. Ihre Partei, die CDU, hat gefordert, komplett auf Kita-Beiträge zu verzichten, das würde den Haushalt pro Jahr mit einer Million Euro belasten. Sind Sie auch dafür?

Paul Larue: Ja, das bin ich. Wir haben zwar in der Stadt Düren lange gesagt: Der Ausbau hat Vorrang vor Reduzierung oder Abschaffung von Kita-Beiträgen. Wir sind mit dem Ausbau noch nicht fertig, aber schon weit gekommen. Vor allem mit Blick auf die Plätze für unter Dreijährige werden wir noch weiter investieren. Aber wir befinden uns in einer Insellage. Der Kreis Düren hat vor Jahren schon die Freigabe der Elternbeiträge beschlossen. Das betrifft alle Städte und Gemeinden des Kreisgebiets, bis auf Düren, weil wir ein eigenes Jugendamt haben. Düren hat damit einen echten Standortnachteil. Der macht sich bemerkbar, weil wir ja gerade junge Familien motivieren wollen, zu uns nach Düren zu ziehen. In diesem Zusammenhang spielt auch der digitale Breitbandausbau eine große Rolle. Auch der ist wichtig, wenn sich Neubürger entschließen sollen, in unsere Stadt zu kommen.

Wenn sich die Haushaltslage wieder verschlechtert, zum Beispiel durch einen Rückgang der derzeit guten allgemeinen wirtschaftlichen Daten, könnte die eine Million dem Dürener Haushalt wehtun.

Larue: Der Verzicht auf Kita-Beiträge wäre in der Tat eine längerfristige Entscheidung. Es geht letztlich um Akzentsetzung. Man steht immer vor der Frage: Wo setzt man Schwerpunkte? Wir haben uns in der CDU entschlossen, so zu votieren. Im Moment sind wir im Stadium der Beratung. Ich hoffe, dass es am Ende der Haushaltsberatungen, wenn alle unterschiedlichen Akzentsetzungen der Parteien diskutiert sind, wieder zu einem Konsens und einer gemeinsamen Verabschiedung im Rat kommt.

Kostenlose Kita-Plätze können junge Familien anziehen, genau das möchte die Stadt, um für die Zukunft gerüstet zu sein. Das Programm „Gute Schule 2020“ weist in die gleiche Richtung, die Stadt kann 11,5 Millionen Euro ausgeben, die ihr vom Land geschenkt werden. Allein zwei Millionen sollen für die Digitalisierung ausgegeben werden. Was sollte mit diesem Geld geschehen?

Larue: Ich habe vor kurzer Zeit an einer Schulleiterrunde teilgenommen, die sich auch mit der Digitalisierung beschäftigt hat. Es macht ja keinen Sinn, dass sich die Verwaltung im Rathaus alleine überlegt, wie die Schulen digitalisiert werden sollen. Zurzeit läuft eine Bedarfserhebung. Die Schulen setzen zum Teil ganz unterschiedliche Akzente. Die einen schwören auf Whiteboards, also Tafeln, die mit einem Computer verbunden werden können, andere wollen einen Tablet-Schwerpunkt. In Begleitung durch eine Fachfirma werden nun schulscharfe Konzepte erarbeitet. Die Verwaltung wird dann aus den einzelnen Schulkonzepten eine Vorlage fertigen, über die die Politik beraten und abstimmen kann.

Die Stadt wird auch in diesem Jahr weiter umgestaltet. Marktplatz und Kölnstraße haben schon ein frisches Gesicht, als nächstes folgt der Kaiserplatz. Millionen werden verbaut. Und die Politik diskutiert über ein testweises Alkoholverbot in der City, damit Kunden nicht von Personen abgeschreckt werden, die offen Alkohol trinken. Was kann mit so einem Alkoholverbot erreicht werden?

Larue: Erfahrungen aus anderen Städten, etwa in Duisburg, zeigen, dass eine verbesserte Aufenthaltsqualität in der Innenstadt zu erwarten ist. Das subjektive, aber auch das objektive Sicherheitsempfinden in einer Stadt werden dadurch gestärkt. Es gibt nach wie vor unschöne Entwicklungen, ein Beispiel ist das Urinieren rund ums Rathaus und die Dreistigkeit, mit der auch andere Fäkalien ausgeschieden werden. Man nimmt das völlig konsterniert und ratlos zur Kenntnis. Wenn man etwas sagt, wird man auch noch übel beschimpft. Wir müssen Grenzen aufzeigen. Ich bin der Letzte, der mit Flamme und Schwert gegen bestimmte Gruppen vorgehen will. Aber gemeinschaftliches Leben funktioniert nur, wenn sich alle an grundlegende Spielregeln halten. Ist das nicht so, muss man auch schon mal repressiv vorgehen. Ein Alkoholverbot wäre ein Versuch. Das gilt natürlich nicht für die Gastronomie. Gleichzeitig dürfen wir die betreffenden Gruppen, die sich ja dann wahrscheinlich andere Aufenthaltsorte suchen, nicht allein lassen. Ihnen könnten wir durch aufsuchende Sozialarbeit Hilfe anbieten.

Düren hat seit Jahren eine hohe Quote an Menschen, die von staatlichen Leistungen leben, jedes 3. Kind wächst in Armut auf. Damit steigen die Sozialausgaben der Stadt. Gibt es Anzeichen, dass sich dieser Trend umkehrt?

Larue: Nein, leider nicht. Das Paradoxe ist: Wir haben auf der einen Seite einen zunehmenden Fachkräftemangel, auf der anderen Seite einen bestimmten Prozentsatz von Menschen, die wenig oder gar nicht qualifiziert und langzeitarbeitslos sind. Weder die Angebote unserer Volkshochschule, Schulabschlüsse nachzuholen, oder die Bemühungen anderer Träger greifen bei manchen Gruppen. Wir müssen uns noch intensiver Gedanken machen, wie wir ihnen berufliche Chancen und damit Lebensperspektiven bieten können.

Muss man davon ausgehen, dass die Zahl der Hilfeempfänger noch steigen wird, weil viele Betroffene die Anonymität der größeren Stadt Düren suchen?

Larue: Davon ist auszugehen. Wir leben in einem Flächenkreis mit einem eindeutigen urbanen Zentrum. Und das ist die Stadt Düren. Bei 15 Gemeinden im Kreis lebt ein Drittel der Menschen in Düren. Wenn ein Gebiet so geprägt ist, ziehen viele Hilfeempfänger eine größere Stadt mit ihren Angeboten und ihrer Anonymität der ländlichen Struktur vor.

Sie sind seit mehr als 18 Jahren Bürgermeister. Zu der Zeit hatten nur wenige Privathaushalte einen Internetzugang, es gab noch längst keine Smartphones. Stellen Sie sich vor, wir wären nochmals 18 Jahre weiter. Wie stellen Sie sich Düren dann vor?

Larue: Das ist sehr schwer. Ich bin skeptisch, ob man einen so langen Zeitraum seriös einschätzen kann. Ich habe Wunschvorstellungen und Ahnungen, aber wer will schon sagen, was in knapp zwei Jahrzehnten ist? Vor Jahren, als darüber diskutiert wurde, wie das Leben rund um den Restsee Inden nach dem Ende des Tagebaus aussehen könnte, haben die Experten Szenarien entwickelt, die zum Beispiel Aussagen trafen, wie die Menschen ihre Freizeit in mehr als 30 Jahren verbringen. Wer will heute ernsthaft wissen, wie sich die Gesellschaft in drei Jahrzehnten verändert?

Dann schauen wir nicht ganz so weit in die Zukunft. 2020 ist die nächste Kommunalwahl. Sie haben vor einem Jahr gesagt, Sie wüssten noch nicht, ob Sie wieder antreten. Falls nicht: Wen würden Sie als Nachfolger aus Reihen der CDU vorschlagen?

Larue: Das ist nicht meine erste Aufgabe, darüber nachzudenken, zumal nicht zu einem Zeitpunkt, wo ich nicht weiß, ob ich noch einmal antrete. Ich habe mir für den 1. Oktober 2019 einen Pressetermin eingetragen. Wenn ich dann bei guter Gesundheit bin, werde ich nach reiflicher Überlegung mit meiner Frau erklären, wohin die Reise geht. Das ist offen. Deshalb wäre es leichtfertig, heute schon über eine Nachfolge zu spekulieren. Das sollte gut überlegt sein. Ich habe ja nicht nur für mich und meine Familie eine Verantwortung, sondern nach all der Zeit auch für die Stadt. Deshalb kann ich nicht leichtfertig von Bord gehen, es sei denn, ich würde abgewählt, schließlich leben wir Gott sei Dank in einer Demokratie. Ich muss mich natürlich auch fragen, ob ich diesen 7-Tage-Job gesundheitlich weitere fünf Jahre durchhalten würde und ob die Familie, besonders meine Frau, den Weg weitergehen will. Sie macht meinen Beruf ja ein Stück mit. Dazu brauche ich nur ihren Terminkalender und viele ehrenamtliche Tätigkeiten, die ein Stück weit von ihr erwartet werden, anzuschauen.

Sie wählen den 1. Oktober 2019, weil Sie dann 20 Jahre Dürener Bürgermeister sind. Wenn man Sie beobachtet, hat man den Eindruck, das Amt würde Ihnen immer noch Freude bereiten.

Larue: Das stimmt. Trotz aller Belastungen macht es Spaß. Freude und Zufriedenheit überwiegen. Wichtig ist mir auch die Verbundenheit mit vielen Menschen in Düren. Auf der anderen Seite: Jeder ist ersetzbar. Man darf nicht an einem Amt kleben und den Leuten den Eindruck vermitteln, man selber sei der Einzige, der dieses Amt bekleiden kann. Insgesamt aber wird es eine sehr schwere Entscheidung, weil es eben so schön ist.

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