DFB-Kader für die EM: Wer spielt für Deutschland?

DFB-Kader für die EM : Wer spielt für Deutschland?

Die Europameisterschaft beginnt am 11. Juni und bis dahin hat Bundestrainer Joachim Löw noch Zeit nachzudenken, wer im ersten Spiel gegen Frankreich ran darf. Wir haben uns den Kader angeschaut und geben Jogi auch ein paar Prognosen mit an die Hand.

Am 15. Juni beginnt für Deutschland die EM 2021 gegen Frankreich in München. Das Heimspiel dürfte den acht Bayern im deutschen Kader gelegen kommen. Daneben haben es noch 18 weitere Spieler in die deutsche Auswahl geschafft. Anders als üblich konnte der zum Sommer scheidende Bundestrainer Joachim Löw 26 statt 23 Spieler nominieren – der ganzen Situation um Corona geschuldet. Anders als zum Beispiel bei England, wo Nationaltrainer Gareth Southgate eine 33-köpfige Vorauswahl nominiert hatte, wird bei Deutschland kein Spieler mehr aus dem Aufgebot gestrichen. Zu den Spielen sind aber weiterhin nur 23 Spieler spielberechtigt – darunter alle drei Torhüter.

Unklar war noch, wann die deutschen Teilnehmer des Champions-League-Finales zum Team stoßen würden. İlkay Gündoğan, Timo Werner, Antonio Rüdiger und Kai Havertz dürften zwar durch eine Sonderregelung in Österreich ins Trainingslager nach Seefeld in Tirol reisen, doch in Deutschland bei den Test- und Gruppenspielen würde eine 14-tägige Quarantäne warten, die auch durch negative Tests nicht zu verkürzen ist. Das England-Quartett hatte sich durch ihre Vereinszugehörigkeit im Corona-Virusvariantengebiet Großbritannien aufgehalten. Das Gesundheitsministerium in Person von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) kündigte aber an, bereits an einer Ausnahmeregelung zu arbeiten. Diese Regelung würde alle EM-Teilnehmer betreffen, die in Deutschland spielen würden. Das England-Quartett, mit Ausnahme von Antonio Rüdiger, der bereits am 2. Juni im Traingslager eingetroffen war, reiste nach ein paar freien Tagen am 3. Juni nach Seefeld nach.

Die Mannschaft „Die Mannschaft“ wurde vor dem Turnier in Gruppe F gelost – zu Weltmeister Frankreich, Europameister Portugal und Ádám Szalais Ungarn. Nach dem Auftakt gegen den Weltmeister am 15. Juni geht es für die DFB-Elf am 19. Juni gegen Portugal und am 23. Juni gegen Ungarn. Deutschland spielt alle Gruppenspiele in der Münchener Allianz Arena. Übertragen wird die EM übrigens bei der ARD, dem ZDF und MagentaTV von der Telekom. Zehn Spiele zeigt das Bonner Telekommunikationsunternehmen exklusiv – zum Beispiel Frankreich gegen Portugal aus der deutschen Gruppe. Als Moderator hat sich die Telekom dabei auch nicht lumpen lassen: Der einzig wahre Johannes B. Kerner übernimmt den Job. Wer da keine Gänsehaut bekommt, hat den Fußball nie geliebt. Mehr zu den Besonderheiten der diesjährigen Übertragungen haben wir separat zusammengetragen.

Die Europameisterschaft findet dabei natürlich nicht nur in München statt, sondern wird in ganz Europa ausgetragen: Von Baku in Aserbaidschan über Sevilla in Spanien bis nach Kopenhagen in Dänemark. Eine Übersicht der EM-Stadien mit Daten und Fakten gibt es in der Bildergalerie zu sehen. Die passenden Songs, um wirklich den EM-Vibe zu fühlen, finden Sie zudem in unserer Klickstrecke. Dabei schauen wir auf die Songs der Europameisterschaften der letzten Jahre und haben Stücke wie „Don’t look bank in anger“ oder auch „Jeder für Jeden“ mit auf der Liste. Der aktuelle Turnier-Song von Martin Garrix, Bono und The Edge darf natürlich auch nicht fehlen.

Im weiteren Artikel stellen wir Ihnen die Spieler und Funktionäre der einzelnen Mannschaftsteile vor und wagen uns am Ende auch noch in die Rolle des Bundestrainers und geben Prognosen über die Aufstellungen ab. Am Ende können Sie Ihren Tipp abgeben, wie weit die DFB-Elf im Turnier kommt oder ob sie es gar wie die U21 macht und den Titel holt.

Trainer

Joachim Löw

Er wird als einer der besten und erfolgreichsten Bundestrainer in die Geschichte eingehen, und doch hat Jogi Löw bei den Fans einen schweren Stand. Das fing spätestens nach der WM 2018 an, als man bereits nach der Gruppenphase die Koffer packen musste, und hatte seinen Höhepunkt nach der Aussortierung von Nationalmannschafts-Größen wie Jerome Boateng, Mats Hummels oder auch Thomas Müller.

Gegen Ende seiner 15-jährigen Amtszeit scheint es so, als würde Löw Kredit von den Fans zurückbekommen. Ihm wird dabei nicht nur die Art und Weise seines Rücktritts hoch angerechnet. Er hat mit den Comebacks von Hummels und Müller auch bewiesen, dass er seine Fehler eingesehen hat und korrigieren möchte – als Fehler wurden seine Entscheidungen zumindest in der Öffentlichkeit aufgefasst. Auch wenn das für einen scheidenden Bundestrainer, der den Umbruch eben nicht mehr vollziehen muss, eine relativ einfache Entscheidung gewesen sein muss. Er konnte den Fans und Kritikern nach dem Mund reden.

Löw begann seine Karriere in Freiburg und ist dem Breisgau auch bis heute noch eng verbunden. Der 61-Jährige hatte seine besten Zeiten als Trainer des VfB Stuttgarts von 1996 bis 1998, bei Fenerbahce Istanbul von 1998 bis 1999 und bei Austria Wien von 2003 bis 2004. Nach der Station in Wien wurde Löw Co-Trainer unter Jürgen Klinsmann bei der Nationalmannschaft und soll auch dort schon die meisten taktischen Entscheidungen übernommen haben – ein überaus schlecht gehütetes Geheimnis.

Was bleibt am Ende seine Karriere als Bundestrainer? Seine Ruhe, seine mitunter eigenwilligen Entscheidungen und auch seine Offenheit für neue Entwicklungen im Fußball. Ob er bereits nach dem WM-Sieg 2014 hätte aufhören soll, kann nur Jogi Löw selbst beantworten.

306 Spiele als Trainer, 170 Siege, 67 Remis, 69 Niederlagen

Marcus Sorg

Seit 2013 ist der gebürtige Ulmer Marcus Sorg für den DFB tätig. Zunächst als U19-Trainer, seit 2016 als Co-Trainer der A-Nationalmannschaft. Für diese Aufgabe empfiehlt er sich unter anderem mit der Erfahrung als Cheftrainer bei einem Bundesligaklub. 2011 übernahm der gelernte Diplom-Ingenieur den Posten beim SC Freiburg. Nach seiner Beurlaubung im Dezember 2011 trainierte er die U17-Mannschaft des FC Bayern. Als Spieler blieb der heute 55-Jährige Mittelmaß. Für den SSV Ulm lief er insgesamt 27 Mal in der 2. Bundesliga auf, für mehr hat es nie gereicht.

213 Spiele als Trainer, 91 Siege, 55 Unentschieden, 67 Niederlagen

Andreas Köpke

Wenn jemand weiß, wie man mit der Deutschen Nationalmannschaft die Europameisterschaft gewinnt, dann ist es Andreas Köpke. Der Torwarttrainer, der seit Oktober 2004 in Amt und Würden steht, war beim bislang letzten Kontinentalerfolg 1996 in England Stammkeeper der DFB-Elf.

Am 30. Juni 1996 kam es im Londoner Wembley Stadion zum Aufeinandertreffen der deutschen Auswahl und der Tschechischen Nationalmannschaft. Nach intensiven 90 Minuten ging es mit einem 1:1 in die Verlängerung. Patrick Berger hatte Tschechien in der 59. Minute per Elfmeter in Führung geschossen. Oliver Bierhoff, heute Direktor Nationalmannschaften und Akademie, glich für Deutschland in der 73. Minute aus. Und erneut Bierhoff war es, der in 95. Minute das Golden Goal erzielte und Deutschland den dritten EM-Titel nach 1972 und 1980 sicherte.

Köpke, der bereits beim Gewinn der Weltmeisterschaft 1990 als dritter Torwart dabei war, war 1996 die Nummer Eins im Kasten der Deutschen. Während des Turniers hielt er zwei Elfmeter. Im Gruppenspiel gegen Italien sicherte er so das 0:0 und das Weiterkommen seiner Mannschaft, zeitgleich schickte er damit die Squadra Azzurra, immerhin amtierender Vizeweltmeister, nach Hause. Im Halbfinale trafen die Deutschen auf den Gastgeber und mussten ins Elfmeterschießen. Köpke hielt den Schuss von Gareth Southgate, England schied aus, Deutschland kam ins Finale, der Rest ist Fußballgeschichte.

Zwischen 1990 und 1998 absolvierte Köpke 59 Länderspiele. Seit 2004 gibt er sein Wissen und seine Erfahrung als Torwarttrainer an die DFB-Keeper weiter. Höhepunkt seiner bisherigen Trainerkarriere: der Gewinn der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien.

228 Spiele als Torwart-Trainer

Tor

Manuel Neuer

Immer noch eine Bank und einer der besten – wenn nicht sogar der beste – Torhüter der Welt. Mit 35 Jahren beweist “Manu” Konstanz auf ganz hohem Niveau und strahlt nicht nur auf dem Platz eine enorme Ruhe aus. Vor allem als Führungsspieler wird er nach seinem Karriereende, wann auch immer das sein wird, vermisst werden. Im Hier und Jetzt wird er aber nicht vermisst und ist die unangefochtene Nummer 1.

Unvergessen bleibt sein Auftritt im WM-Achtelfinale 2014 gegen Algerien. Neuer hat in diesem Spiel ein für alle mal das moderne Torwartspiel geprägt. Ob er bei dieser EM so auch noch aus dem Tor rauskommen würde geschweige denn könnte, bleibt abzuwarten.

Neuer geht in sein sechstes großes Turnier und seine dritte Europameisterschaft. Mit 98 Spielen im Nationaldress ist er unter den Top-3 der erfahrensten Nationalspieler im aktuellen Kader – knapp hinter Thomas Müller (100) und Toni Kroos (101).

Länderspiele: 99, Tore: 0

Bernd Leno

Ein Stammplatz im DFB-Team wird Bernd Leno wohl für immer verwehrt bleiben. So erging es vielen Torhütern vor ihm, so wird es vielen Torhütern nach ihm ergehen. Am fünfmaligen Welttorhüter Manuel Neuer gibt es kein Vorbeikommen. Besonders bitter für Leno: In der deutschen Torwart-Hierarchie steht er nicht einmal auf Platz zwei. Immerhin könnte sich das zumindest im Rahmen der Europameisterschaft ändern. Schließlich fällt Marc-André ter Stegen verletzungsbedingt aus. Wer Neuers Stellvertreter sein wird, ob Trapp oder Leno, ist noch nicht entschieden, sagt das Trainerteam. Ob überhaupt eine klare Nummer zwei gekürt wird, ist demnach noch Teil der Überlegungen. Leno empfiehlt sich mit internationaler Erfahrung.

Mit dem FC Arsenal, bei dem er seit seinem Wechsel 2018 sukzessive zum Führungsspieler gereift ist, erreichte er in dieser Spielzeit das Halbfinale der Europa League. Der englische Fußball mit seiner Härte habe ihn zu einem besseren Torwart geformt, sagt der 29-Jährige. Dabei hatte er mit Bayer Leverkusen bereits auf hohem Niveau gespielt, und zwar so gut, dass die Londoner 25 Millionen Euro für ihn bezahlten, um ihn in die Premier League zu locken. Vor seinem Engagement bei der Werkself schnürte der gebürtige Bietigheimer die Schuhe für den VfB Stuttgart. Seit der U17 ist Leno Dauergast beim DFB, auf sein Debüt bei der A-Auswahl 2016 folgten wegen Neuer, ter Stegen und Co. jedoch nur sieben weitere Spiele.

Länderspiele: 8, Tore: 0

Kevin Trapp

Die gute alte Torwartschule von Kaiserslautern hat schon viele deutsche Keeper hervorgebracht. Da wären zum Beispiel Tim Wiese oder Roman Weidenfeller zu nennen. Oder Florian Fromlowitz und Tobias Sippel. Sie alle haben das Torwartdasein von Gerry Ehrmann gelernt. Gleiches gilt auch für Kevin Trapp.

In der Jugend für Brotdorf, Bachem und Mettlach aktiv, wechselte der 1,89 Meter große Torwart 2005 nach Kaiserslautern und durchlief das Training von Ehrmann. Im März 2011 feierte er gegen Freiburg sein Bundesliga-Debüt. 2012 folgte der Wechsel nach Frankfurt. Bei der Eintracht verdrängte er den langjährigen Stammtorwart Oka Nikolov und war bis zu seinem Wechsel 2015 nach Paris die Nummer Eins bei den Hessen. Zwischen 2015 und 2019 stand er dann beim französischen Hauptstadtklub unter Vertrag, so richtig glücklich wurde er dort allerdings nicht – trotz 13 gewonnener Titel. 2018 ging es zunächst leihweise wieder nach Frankfurt zurück, seit dem Sommer 2019 ist er wieder fester Bestandteil der SGE.

Für die Nationalmannschaft streifte er bislang fünfmal das Trikot mit dem Bundesadler über. Im Juni 2017 feierte er sein Debüt beim 1:1 gegen Dänemark. Es folgten drei weitere Einsätze in Testspielen. Sein erstes und bislang einziges Pflichtspiel absolvierte er im Rahmen der Nations League im September 2020 beim 1:1 gegen Spanien.

Viele Pflichtspielminuten wird er bei der Europameisterschaft sicher nicht sammeln, im besten Fall aber läuft es für ihn wie beim Confed Cup 2017, den Deutschland gewann – Trapp blieb dabei jedoch ohne Einsatz.

Länderspiele: 5, Tore: 0

Abwehr

Matthias Ginter

Der 27-Jährige ist bei seinem Verein Borussia Mönchengladbach eine absolute Bank. Nur zwei andere Feldspieler in der Bundesliga, Manuel Friedrich (Union Berlin) und Nationalmannschafts-Kollege Christian Günter (SC Freiburg), haben in dieser Saison auch die 34 Spiele über die vollen 90 Minuten absolviert. Und dabei spielt der gebürtige Freiburger auch noch richtig gut.

Für Ginter könnte es das erste große Turnier sein, bei dem er auch auf dem Platz steht – auch wenn mit Mats Hummels ein Konkurrent in den Kader zurückkehrt. Bei der WM 2014 war er nur Ersatzmann, genau wie bei der WM 2018. Zur EM 2016 wurde er nicht in den Kader der Nationalmannschaft berufen. Warum sollte es aber dieser EM klappen? Seit dem Confed-Cup sammelte er fleißig Einsätze, bekam auch in der EM- und WM-Qualifikation viele Einsatzzeiten und hat so schon insgesamt 37 Länderspiele angehäuft.

Die Frage ist: Auf welcher Position wird er aufgestellt? Als Rechtsverteidiger in einer Viererkette, als rechter Mann in einer Dreierkette oder gar als zweiter Innenverteidiger? Die Chancen, dass er bei der EM spielt, stehen jedenfalls nicht schlecht.

Länderspiele: 39, Tore: 2

Robin Gosens

Im Laufe seiner Jahre als Bundestrainer wurde Joachim Löw immer wieder vorgeworfen, dass er Spieler außerhalb der Bundesliga – mit wenigen Ausnahmen – kaum wahrnehme. Und wenn doch, dann waren sie zuvor in der Bundesliga aktiv. Ein Gegenbeispiel für diese These ist Robin Gosens.

Der Linksverteidiger von Atalanta Bergamo unterzeichnete 2013 seinen ersten Profivertrag bei Vitesse Arnheim, wo zu dieser Zeit Peter Bosz Trainer war. Gosens, Sohn eines niederländischen Vaters und einer deutschen Mutter, wurde zunächst in die zweite niederländische Liga ausgeliehen und konnte von Beginn an beim FC Dordrecht überzeugen. 2015 ging es zum Erstligisten Heracles Almelo ehe es ihn 2017 in die Serie A zu Atalanta Bergamo zog. Seitdem überzeugt der 26-Jährige mit konstanten Leistungen und konnte in der Europa und Champions League für Aufsehen sorgen.

Auf der linken Abwehrseite tut sich die Deutsche Nationalmannschaft seit jeher schwer und so war es nur konsequent von Löw, Gosens im September 2020 im DFB-Dress debütieren zu lassen. Auch die Niederlande hatten Interesse am Linksverteidiger bekundet, doch er lehnte ab – obwohl er seit der Jugend bis zu seinem Wechsel nach Bergamo stets in den Niederlanden aktiv war. Bislang stehen fünf Länderspieleinsätze in seiner Vita. Bei der Europameisterschaft könnte der ein oder andere hinzukommen.

Länderspiele: 6, Tore: 0

Christian Günter

Ist er das Pflaster auf der beim DFB naturgemäß unterbesetzten Problemzone Linksverteidiger? Christian Günter verpasste mit dem SC Freiburg seit März 2019 nicht eine Bundesliga-Minute. Der Dauerbrenner und Kapitän zeigte besonders in dieser Spielzeit, wie wichtig er mit seiner Geschwindigkeit und seinen Flankenläufen ist. In das Konzept seines Trainers und Namensvetters Streich passt der 28-Jährige perfekt. Günter wurde beim SC Freiburg ausgebildet und ist seit der Saison 2012/13 fester Bestandteil im Profikader. Bei der deutschen Nationalmannschaft, für die er kurz vor der WM 2014 einmal auf dem Platz stehen durfte, sieht das anders aus. Für einen Stammplatz ist er wohl nicht vorgesehen.

Länderspiele: 2, Tore: 0

Marcel Halstenberg