Tiny Houses in Titz: Wenn Weniger vielleicht auch Mehr ist

Tiny Houses in Titz : Wenn Weniger vielleicht auch Mehr ist

„Tiny Houses für das Tiny Living“: Bernard Michaelis will in Titz-Hompesch Baugrundstücke für Mini-Häuser anbieten. Das Baurecht macht das jedoch nicht leicht.

„Darf’s ein bisschen mehr sein?“, fragt der Metzger. Meistens ist die Antwort des Kunden „Ja“. Bernard Michaelis sagt das auch, aber seine Frage lautet: „Darf es etwas weniger sein?“ Und das, obwohl er etwas verkaufen will. Er steht vor einem rund 2000 Quadratmeter großen Grundstück in Titz-Hompesch. „Wenn es parzelliert und erschlossen ist, sollen sie hier stehen können, aber bis dahin ist noch ein Stück Weg zu gehen.“

Auf Rädern montiert

Erschließung und Bebauung von Grundstücken? Eigentlich doch kein Problem, aber bei der Idee, die Bernard Michaelis in die Tat umsetzen will, wohl doch. Er hat nämlich vor, hier die Voraussetzungen für „Tiny Houses für das Tiny Living“ zu schaffen.

Auf den ersten Blick scheint es eine Idee zu sein, die mal wieder verenglischt werden muss, damit das Marketing funktioniert. In diesem Fall aber ist der Hintergrund tatsächlich ein englischer, oder besser gesagt, ein Trend, der in den USA schon längst bekannt ist: Es geht um kleine, um nicht zu sagen, sehr kleine Häuser mit einer Wohnfläche von etwa 25 Quadratmetern. Die sind auf Rädern montiert und können von einem etwas kräftigeren Pkw leicht von A nach B gezogen werden.

Nein, jetzt nicht an unsere niederländischen Nachbarn und ihre Wohnwagen denken, die im Sommer über die Straßen rollen und auf Campingplätzen für einige Wochen Halt machen. „Das hat mit den Tiny Houses unserer Machart und mit dem, wie sie genutzt werden sollen, nichts zu tun“, führt Bernard Michaelis aus.

Mini-Haus an Mini-Haus – ist das irgendwann Realität? Foto: Bernard Michaelis

„Der Ansatz ist vielmehr ein ökologischer und ökonomischer zugleich. Wohnraum wird immer knapper, unbezahlbarer auf jeden Fall. Denn in den großen Ballungsräumen werden oft genug Baugrundstücke angeboten, deren Finanzierung für durchschnittlich verdienende Interessenten jeden Rahmen sprengt.“

Aus diesem Grund wären Tiny Houses eine Option. Auf jeden Fall für bestimmte Zielgruppen, nämlich diejenigen, die sich in ihrem Wohnumfeld einschränken und sich keine sehr teuren größeren Häuser leisten wollen. Zu dieser Klientel könnten ältere Ehepaare zählen, Singles oder auch einfach diejenigen, die ein einfacheres Leben mit weniger Besitz ins Auge gefasst haben.

Bernard Michaelis, mit seiner Firma in normalen Zeiten im Eventmanagement tätig, ist jetzt dabei, den Prototypen eines Tiny Houses zu konstruieren und auch zu bauen. Vorstellen muss man sich das als ein Häuschen in Holzkonstruktion mit einer Maximalbreite von 2,5 Meter und einer Länge von ungefähr 9 Metern. Die Dächer sind aus Metall, Zink- oder Alublech. Fenster müssen mit einer Spezialverglasung versehen sein. Der Grund dafür liegt – wie die Breite des Hauses – in den Vorgaben, die die Straßenverkehrsordnung macht.

Montiert wird das Haus auf einem Unterbau von zwei bis drei Achsen. Selbstverständlich ist alles so ausgerichtet, dass die Häuser, wie jedes andere Einfamilienhaus auch, genehmigungsfähig sind. Wem die doch sehr geringe Quadratmeterzahl zu gering ist, könnte auch zwei der kleinen Häuschen aneinander koppeln.

Ja, dann los, sollte man meinen. „So einfach ist es dann doch nicht, jedenfalls nicht hier in Deutschland“, stellt Michaelis fest. „Das Problem liegt schlicht und ergreifend im Baurecht, das mit der Mobilität der Tiny Houses nicht in Einklang steht.“ Denn das, so führt er aus, schreibt vor, dass Häuser auf erschlossenen Grundstücken stehen müssen, und zwar, um in ihnen dauerhaft zu wohnen.

Das sei natürlich bei jedem Ein- oder Mehrfamilienhaus der Fall. Bei den Tiny Houses sind es also die Räder, die eigentlich für Bewegung, in diesem speziellen Fall aber für Stillstand sorgen. „Es ist deshalb wichtig, einen eindringlichen Appell an Politiker und Planer zu richten, das momentan gültige Baurecht den geänderten Bedürfnissen anzupassen. Ich sehe für viele Menschen einen immensen Bedarf an Wohnraum, auch wenn dieser bei den Tiny Houses klein ausfällt.“ Aber genau die Beschränkung auf Wesentliches statt auf „immer mehr und immer größer“ sei ein Potenzial, das bislang von denen, die mehr Wohnraum schaffen wollen, übersehen wird.

„Gäbe es die Möglichkeit, mit Tiny Houses auf überschaubaren Grundstücken und im finanziell machbarem Rahmen zu leben, was ja ,Tiny Living’ letztlich bedeutet,“ zeigt sich Bernard Michaelis überzeugt, dann wäre auch eine Nachfrage da. Denn vielfach sei Weniger mehr – anders als beim Metzger.