Städteregion: Wenn psychisch Kranke und Süchtige ein Zuhause suchen

Städteregion: Wenn psychisch Kranke und Süchtige ein Zuhause suchen

Eine Wohnung zu finden, ist nicht gerade einfach. Bezahlbare Wohnungen sind auch in der Städteregion knapp. Derzeit steht hier wie anderswo vor allem die Wohnungsnot von Studenten im Fokus, nicht zuletzt wegen des erwarteten Ansturms junger Leute gleich zweier Jahrgänge auf die Universitäten. Da bleiben andere Gruppen, die ebenfalls dringend auf preiswerte Wohnungen angewiesen sind, auf der Strecke. Dies gilt insbesondere für psychisch Kranke und Suchtkranke.

„Unsere Leute haben auf dem Wohnungsmarkt keine Chance. Erst recht nicht in Konkurrenz zu Studenten“, sagt Alexandra Brandt von der Suchthilfe in der Städteregion in Trägerschaft des Diakonischen Werkes im Kirchenkreis Aachen. Sie und ihre Kolleginnen aus über 50 Trägern des ambulanten betreuten Wohnens, die in einem Netzwerk zusammenarbeiten, werben bei Vermietern um mehr Offenheit ihren Klienten gegenüber und bei der Politik um mehr Anstrengungen bei der Schaffung von preiswertem Wohnraum generell.

Zu klein oder ungeeignet

Wie viele psychisch Kranke oder Suchtkranke in der Städteregion eine Wohnung brauchen, wissen auch die Expertinnen nicht. „Das Problem ist: Wir können erst betreuen, wenn eine Wohnung vorhanden ist“, sagt Brandt. Sie spricht von „ein paar hundert“, Petra Fröhlig-Berwanger von „Wir. Wirkungskreis ambulant betreutes Wohnen“ in Aachen geht von „einer vierstelligen Zahl“ aus.

Jedenfalls dann, wenn man diejenigen einbezieht, die zwar eine Unterkunft haben, die aber entweder viel zu klein, in miserablem Zustand oder von der Infrastruktur, etwa Anbindung an Bus oder Bahn, ungeeignet ist, ergänzt Eva Offermann vom Verein „Komo“. Da es städteregionsweit nur wenige Vermieter gebe, die Wohnungen zur Verfügung stellen, entwickelten sich regelrechte Ghettos, beklagt Bernadette Tabornino von „Betreutes Wohnen Nordeifel“, und das sei weder für die betroffenen Menschen noch für die jeweilige Kommune gut.

Bei der Suche nach einer angemessenen Wohnung stoßen psychisch Kranke und Suchtkranke auf viele Vorurteile, wissen die Fachfrauen. „Oft endet ein Bewerbungsgespräch schon beim ersten Anruf, wenn unsere Klienten sagen, dass sie von Hartz-IV-Leistungen leben“, sagt Brandt.

Manch einer sehe sich mit Äußerungen wie „Was, Sie haben noch nie gearbeitet?!“ oder andere Bemerkungen über ihr Leben konfrontiert. Ihre Klienten entsprächen meist nicht „den hohen Ansprüchen der Gesellschaft“, sagt Brandt. „Und da beißt sich die Katze in den Schwanz: Wir wollen den Menschen helfen, zurück in die Gesellschaft zu finden, mit individuellen Hilfeplänen. Aber ohne Wohnung gibt es keine Hilfe“, sagt Sabine Janitzek von „Komo“.

Zurückgezogen, unauffällig

Bedenken von Vermietern, mit ihren Klienten holten sie sich nur Ärger ins Haus, halten die Fachfrauen entgegen, dass viele der von ihnen Betreuten sehr zurückgezogen und unauffällig leben und überhaupt nicht dem Klischee des ungepflegten Junkies oder Alkoholikers entsprechen, der sein ganzes Geld für Drogen braucht, keine Miete zahlt und zwielichtige Freunde anschleppt.

Für sie spreche auch, dass sie an sich arbeiten und versuchen, mit Unterstützung der Profis ihre Probleme zu lösen. Außerdem, sagt Eva Offermann: „Jeder kann sich zum Problem für einen Vermieter entwickeln, sei es durch Arbeitslosigkeit oder Krankheit. Und auch ein Student als Mieter kann unangenehm sein.“

Da seien diejenigen, die das ambulant betreute Wohnen unterstützen, durchaus im Vorteil, sagt Janitzek. Denn: „Wir stehen bei Problemen als Ansprechpartner zur Verfügung.“