Rom: Wenn das Pantheon gegen den Schuhladen verliert...

Rom : Wenn das Pantheon gegen den Schuhladen verliert...

Der Tag danach beginnt für die Aachener an einem uralten, geschichtsträchtigen Ort. An solchen steht man in Rom zwar ständig, aber der Campo Santo Teutonico hat in privilegierter Lage unmittelbar neben dem Petersdom schon einige spezielle Noten.

An der Fassade des Hauptgebäudes sehen die Besucher ein Majolikabild, das Karl den Großen zeigt mit der Inschrift „Carolus Magnus me fundavit” (Karl der Große hat mich gegründet). Was will der Aachener mehr? Der kleine verwunschene, atmosphärenreiche Friedhof mit Grabstätten berühmter Toter nimmt die deutschen Gäste gefangen. Und Rektor des hiesigen Priesterkollegs ist seit 29 Jahren der Aachener Priester Professor Erwin Gatz.

Der gebürtige Burtscheider (darauf legt er Wert) ist ein intimer Kenner der Heiligen Stadt und ihrer Kirchenschätze und ein ebenso sympathischer wie temperamentvoller Erzähler, der die beziehungsreiche Geschichte und die lebendige Gegenwart dieses Ortes erläutert. Dem Aachener Bischof macht Gatz Komplimente. Wahrscheinlich habe es die Stadt Dr. Heinrich Mussinghoff zu verdanken, dass der Papst den Karlspreis angenommen habe. „Und er ist einer der ganz wenigen deutschen Bischöfe, die Italienisch sprechen.”

In der Aachener Delegation hat man verschiedene Möglichkeiten abzuwägen... Der Papst, der Karlspreis, der Campo - nach all dem Erhabenen gehen die Sinne nun doch wieder etwas mehr zum Profanen. Zu viel Feierlichkeit in Folge hält selbst der stärkste Öcher nicht aus. Karlspreisdirektoriumsmitglied Georg Helg will Oberbürgermeister Dr. Jürgen Linden zwar zum Besuch des Pantheon überreden, aber der will erst mal Schuhe kaufen. „Das macht man nun mal am besten in Rom.”

Alemannia-Vize Tim Hammer singt beim Abgang aus dem Campo Santo aus Gründen, die ihm selbst nicht ganz ersichtlich sind, das schöne Lied von der Mathilde: „... doch ihre Bluse, die war zerknüllt”. Hammer geht sowieso sehr viel erleichterter als am Vortag über vatikanischen Boden. Da hatte er noch eine Kiste Printen die Treppen zur Sala Clementina heraufschleppen müssen.

Viele Aachener fühlen sich dann aber doch noch vom Petersdom angezogen. Hammer und Frau Beatrix stellen sich auf jene runde Porphyrplatte direkt hinter dem Haupteingang, auf der der Legende nach Karl der Große im Jahre 800 vom Papst zum Kaiser gekrönt worden ist.

Etwas Unmut gibt es unter mitreisenden Ratsmitgliedern, weil sie am Freitag Morgen um 8 Uhr im Rathaus zur Sondersitzung wegen des Gewoge-Beschlusses antreten sollen. Großbäcker Johannes Schumacher muss Donnerstagmittag schon wieder zurück, weil er abends zur Stadtpuppenbühne will. „Gestern der Papst und heute das Schängche, das ist mal ein richtiges Kontrastprogramm”, schwärmt er beim Frühstück. Nicht nur er und die Ratsmitglieder - die meisten Teilnehmer an der Karlspreisfeier verlassen Rom und die vatikanische Pracht und Größe an diesem Tag wieder. Petersdom adé! Das Gigantische, das Majestätische bleibt zurück. Und am Sonntag macht es sich der Öcher Rom-Besucher in seinem Dom mal wieder so richtig gemütlich.