Kreis Heinsberg: Wenn Behinderte ins Krankenhaus müssen

Kreis Heinsberg: Wenn Behinderte ins Krankenhaus müssen

„Menschen mit Behinderung im Krankenhaus” lautete das Thema einer Diskussionsveranstaltung, zu der die Kreisgruppe Heinsberg des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes im Rahmen ihrer Mitgliederversammlung in einen Konferenzraum der Lebenshilfe in Oberbruch eingeladen hatte.

Man habe das Thema von einer Veranstaltung des Landschaftsverbandes mitgebracht und sich überlegt, beispielhaft gemeinsam mit Mitarbeitern des Heinsberger Krankenhauses zu beleuchten, wie sich die aktuelle Situation im Kreis darstelle, betonte Geschäftsführerin Corinna Beck nach der Begrüßung durch die Vorsitzende Marianne Bückers.

Willkommen hieß sie als Diskussionsteilnehmer Willy van Kann, betroffener Vater und Vorsitzender der Lebenshilfe, Oberarzt Dr. Rudolf Wintrich-Lagny und Pflegedienstleiter Hans-Josef Jöris aus dem Heinsberger Krankenhaus sowie Marie-Luise Karzell, die als Internistin in den Gangelter Einrichtungen tätig ist.

Das Thema sei zwar eher ein Randthema, aber wichtig für die betroffenen Menschen, führte Beck in die Diskussion ein. Schon für Menschen ohne Behinderung sei die neue Situation im Krankenhaus beängstigend und verursache Stress. Für behinderte Menschen sei es noch um ein Vielfaches schwieriger, sich in der neuen Situation zurechtzufinden.

Als Vater schilderte van Kann die Problematik am Beispiel seines mittlerweile verstorbenen Sohnes, der sich weder durch Sprache noch durch Gesten selbst äußern konnte. Er habe bei Klinikaufenthalten mit seinem Kind „mehr oder weniger Einfühlungsvermögen” erfahren, betonte er. Oft habe seine Erfahrung nicht interessiert, da er ja nur Laie gewesen sei. Umgekehrt hätten er und seine Frau aber einen großen Teil der Pflege selbst übernehmen müssen.

Von den Wohnstättenleitern der Lebenshilfe wusste er zu berichten, dass es in einigen wenigen Kliniken eine gute Akzeptanz gebe, in den meisten der Betreuer aber nicht gehört werde. „Es wird mehr über die behinderten Menschen als mit ihnen geredet.” Umgekehrt werde dann zu viel Selbstständigkeit bei ihnen vorausgesetzt. „Mehr Personal und mehr qualifiziertes Personal für behinderte Menschen im Krankenhaus”, lautete seine Forderung.

Behinderte Menschen würden im Heinsberger Krankenhaus nach bestem Wissen und Gewissen betreut, betonte Wintrich-Lagny. Angehörige und Betreuer würden schon bei der Aufnahme immer einbezogen. Wichtig sei, dass in dem neuen Abrechnungssystem, das sich an Pauschalen orientiere, behinderte Menschen besser dargestellt würden, forderte er. In den Niederlanden gebe es bereits Lehrstühle für Medizin für behinderte Menschen, blickte er über die Grenze. „Wir lernen hier nur durch unser Tun und vererben es an unsere jungen Kollegen”, erklärte er.

Sie schicke die Bewohner der Gangelter Einrichtungen oft schon mit Diagnose und Laborergebnissen ins Krankenhaus und hole sie möglichst schnell in ihre gewohnte Umgebung zurück, berichtete Karzell aus ihrer Erfahrung in den Gangelter Einrichtungen.

Pflegedienstleiter Jöris fand viel Lob für die Betreuungskräfte der Behinderteneinrichtungen in der Region. Betreuer würden bei Bedarf im Heinsberger Krankenhaus selbstverständlich mit aufgenommen, betonte er. Als Anregung nahm er aus der Veranstaltung mit, die Betreuung behinderter Menschen künftig in die internen Fortbildungsmaßnahmen für die Pflegekräfte zu integrieren.

„Ihre Behandlung sollte Ausbildungsinhalt werden”, ergänzte Wintrich-Lagny im Hinblick auf das Medizinstudium. Dafür könne man andere Inhalte wie die Medizinstatistik durchaus streichen.

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