Kreis Heinsberg: Wenn alte Kleider gute Zwecke erfüllen

Kreis Heinsberg: Wenn alte Kleider gute Zwecke erfüllen

Zum Auftakt der Vollversammlung vom Katholikenrat der Region Heinsberg im Vereinsheim „Alte Schule” in Heinsberg-Eschweiler hatte sich die Birgdener Gruppe der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) mit Gertrud Grotthaus zum Thema „Altkleiderverwertung in der Region” etwas Besonderes einfallen lassen. In kurzen Szenen zeigten sie den Mitgliedern und Gästen „die Welt hinter dem Kleiderständer”.

Thematisiert wurden dabei der Lebensalltag der Straßensammlungen in Birgden, der Alltag einer Näherin in einer Fabrik in einem Niedriglohnland, die Arbeit auf dem Baumwollfeld, das Konsumverhalten der modernen Frau und ein Wochenmarkt in Ghana.

Komplexe Produktionskette

Die Anwesenden erfuhren, dass die KAB bereits seit 30 Jahren ihre Kleidersammlungen durchführt, jeder Mensch im Jahr elf bis 15 Kilogramm Kleidung braucht und dass in Deutschland in jedem Jahr 900.000 Tonnen Altkleider gesammelt werden. Aufgezeigt wurde, unter welchen Arbeitsbedingungen Textilien hergestellt werden, wie komplex und undurchschaubar die Produktionskette ist, die viele Länder durchläuft und bei der Pestizide und Chemikalien eingesetzt werden.

Die Akteure verdeutlichten aber auch, dass für viele Menschen Secondhand-Kleidung die einzige Möglichkeit ist, Textilien günstig zu kaufen, sowie dass es sinnvoller wäre, beim Einkauf von Textilien auf Qualität statt auf Quantität zu achten. Schließlich stellte Gertrud Grotthaus noch die Kinderkleidertauschbörse der KAB-Gruppe Birgden vor, bei der kleinere Kinderkleidung gegen größere Größen getauscht werden kann.

„Diesem gelungenen Einstieg”, wie Vorsitzender Lutz Braunöhler kommentierte, folgte eine Information von Geschäftsführer Ralf Zanders zur St.-Martins-Kleidersammlung, die bereits seit 1970 in der Region Heinsberg realisiert wird mit dem Ziel, überörtliche und internationale Projekte zu fördern. In den ersten 20 bis 25 Jahren gingen 80 bis 90 Prozent der Erlöse in Projekte von Miserior, Missio und Kinderhilfswerk sowie Dritte-Welt-Projekte.

Mitte der 90er-Jahre wurde der regionale Schwerpunkt auf die Arbeitslosenarbeit gelegt, Mittel wurden an die Caritas-Werkstatt vergeben. Seit 2005 wird die Sammlung in formaler Trägerschaft des Katholikenrates, stellvertretend für alle Pfarreien der Region, federführend vom Büro der Regionaldekane für die Regionen Mönchengladbach und Heinsberg organisiert. Seit 2007 erfolgt die Mittelverteilung für unterschiedliche Projekte im Rahmen einer Abendveranstaltung.

Von Menschen für Menschen

Bärbel Windelen, Gemeindesozialarbeiterin des regionalen Caritasverbandes, berichtete von den Kleiderkammern als Angebot von Menschen für Menschen. Diese seien schon immer da gewesen und hätten heute ganz unterschiedliche Träger wie Pfarren, Verbände, Amos, KAB, Rotes Kreuz, Arbeiterwohlfahrt und private Initiativen, erklärte sie. Der Caritasverband begleite die dort ehrenamtlich Tätigen und spreche regelmäßig seinen Dank für diese wertvolle Arbeit aus.

Johannes Eschweiler stellte anschließend den Amos-Shop vor, der vor fünf Jahren in Oberbruch eröffnet wurde und täglich von 10 bis 17 geöffnet hat. Das Angebot an gebrauchten Kleidungen werde von Spendern und Klienten gut angenommen, so Eschweiler. Zudem erhielten mit öffentlicher Förderung Langzeitarbeitslose eine Beschäftigung mit dem Ziel, beruflich wieder Fuß zu fassen. Gegen eine Spende von zwei bis fünf Euro könne jeder Kleidung erwerben. Vor einem halben Jahr habe man zudem einen Amos-Shop in Hilfarth eröffnet, der jedoch noch nicht auf eine so gute Resonanz stoße.