Hitze, Dürre und Borkenkäfer: Warum es dem Wald schlecht geht

Hitze, Dürre und Borkenkäfer : Warum es dem Wald schlecht geht

Wandertour mit unseren Lesern durch den Wald: Forstdirektor Olaf Jansen erklärt, warum es dem Wald nicht gut geht.

Eins wird sehr schnell deutlich, wenn man mit Forstdirektor Roland Jansen vom Forstamt Rureifel-Jülicher Börde durch den Hürtgenwald läuft: Dem Wald geht es nicht gut. Hitze, Dürre und der Borkenkäfer haben ihm zu schaffen gemacht. Aber welche Konsequenzen hat das? Und wie reagieren die Förster auf die veränderten klimatischen Bedingungen? Antworten auf diese und viele andere Fragen haben 15 Leser unserer Zeitung bei einer Aboplus-Führung mit Jansen bekommen.

Treffpunkt ist das Brandenburger Tor in der Nähe von Kleinhau, gleich am Waldrand. Warum dieses Tor dort steht, weiß Jansen. Warum es Brandenburger Tor heißt, „weiß leider niemand so genau“, sagt der Forstdirektor. Dort, wo auf dem Gebiet der Gemeinde Hürtgenwald heute vereinzelt Bauernhöfe stehen, war früher auch Wald. „Nach dem Krieg hat man dort gerodet, um Vertriebenen die Möglichkeit zu geben, Landwirtschaft zu betreiben. Um Wald und Landwirtschaft zu trennen und um zu verhindern, dass Wild auf die Felder und Äcker läuft, wurden damals Zäune und das Brandenburger Tor gebaut.“

Dass im Hürtgenwald heute überwiegend Fichten und Kiefern stehen, ist auch eine Folge des Krieges. „Große Teile des Hürtgenwaldes waren nach dem Krieg zerstört. Unsere Vorfahren haben ihn wieder aufgeforstet. Aber es war damals eben nur wenig Pflanzgut verfügbar. Vorher, also im 19. Jahrhundert, gab es in unserer Region überwiegend Laubwälder.“

Wald. Foto: ZVA/Sandra Kinkel

Beim Spaziergang mit Jansen fällt eins sofort auf: Überall liegen gefällte Baumstämme in großen Stapeln. „Das sind Fichten“, erklärt der Forstdirektor, „die noch 20 Jahre wachsen sollten. Aber wir mussten sie fällen. Wir haben in der Forstwirtschaft im Augenblick mit Einbrüchen zu kämpfen, die ich nicht für möglich gehalten hätte.“ Dabei, und das ist Jansen besonders wichtig, hätten die Förster in den vergangenen Jahren nicht geschlafen. „Im Gegenteil“, betont der Experte, „wir versuchen schon seit Jahren mit anderen Baumarten auf die veränderten klimatischen Bedingungen zu reagieren und setzen auch auf Naturverjüngung des Waldes, das heißt wir lassen das nachwachsen, was die Natur uns schenkt. Außerdem pflanzen wir zum Beispiel Douglasien, die weniger anfällig für den Borkenkäfer und sturmresistent sind. Aber es dauert, bis die Bäume groß sind. Und es ist einfach die unglaublich große Menge an Bäumen, die wir fällen müssen, die uns sehr zu schaffen macht.“ Schuld an der Misere ist der Borkenkäfer. Und der hatte aufgrund der großen Hitze und Trockenheit die Chance, sich dermaßen auszubreiten. Jansen: „Wir hatten im vergangenen drei bis vier Borkenkäfer-Populationen in unseren Wäldern. Damit werden wir noch drei Jahre zu kämpfen haben. Es fühlt sich manchmal an, wie ein Wettlauf – und am Ende ist der Borkenkäfer immer schneller.“

Der Borkenkäfer ist zwei bis drei Millimeter groß, aber sehr aktiv. Bei sehr großer Hitze und Dürre muss eine Fichte ähnlich wie der Mensch viel schwitzen. Das schwächt den Baum, er kann weniger Harz bilden, das er aber dringend bräuchte, um sich gegen den Borkenkäfer zu werden. Ein Baum, der voller Borkenkäfer ist, wir nicht mehr mit Wasser und Nährstoffen versorgt, verliert seine Rinde, trocknet aus und stirbt ab. Die befallenen Bäume müssen gefällt und möglichst schnell aus dem Wald abtransportiert werden. „Wir bekommen“, erklärt Jansen, „für den Festmeter Holz nicht mehr 90 Euro wie früher, sondern nur noch 40 Euro.“ Teile der Stämme gehen nach China, weil der deutsche Markt derzeit übersättigt ist. „Und es kann sein“, sagt Jansen, „dass sie als MDF-Platten zurück in die deutschen Baumärkte kommen.“

Forstdirektor Olaf Jansen (unten rechts) erklärt 15 Lesern unserer Zeitung bei einer Wanderung durch den Hürtgenwald, warum der Borkenkäfer so viel Schaden anrichten kann und wie die Forstämter darauf reagieren. Foto: ZVA/Sandra Kinkel