Kreis Heinsberg: Von Napoleons Anfängen bis zum neuen „Alkis“

Kreis Heinsberg: Von Napoleons Anfängen bis zum neuen „Alkis“

Nach rund zehn Jahren intensiver Vorarbeit hat sich im Bereich des Vermessungs- und Katasteramtes des Kreises Heinsberg eine tief greifende Veränderung vollzogen. Alle vorhandenen Vermessungs- und Katasterdaten sind nun in das bundesweit einheitliche Amtliche Liegenschaftskataster Informationssystem , kurz „Alkis“, überführt worden.

Mit diesem System eröffnen die Vermessungs- und Katasterämter nun Möglichkeiten, von denen bislang viele Nutzer von Vermessungsdaten und Landkarten nur träumen konnten.

Flurkarte aus dem Amtlichen Liegenschaftskataster Informationssystem, kurz „Alkis“: Sie zeigt das Kreishaus in Heinsberg. Quelle: Kreis Heinsberg

Ein Blick zurück: Eine Steuer auf den Grundbesitz — diese Idee wurde in Folge der Französischen Revolution in Frankreich geboren und von Napoleon mit Nachdruck betrieben. Doch um den Grundbesitz eines jeden Bürgers zu kennen, musste das Land vermessen und die Größe der Flurstücke festgestellt werden. Die Größe und Lage der Grundstücke in Verbindung mit den Namen wurde aufgelistet. So entstand zu Beginn des 19. Jahrhunderts auch im linksrheinischen, französisch regierten Rheinland ein Grundsteuerkataster. Gleichzeitig entstanden auch die ersten amtlichen, auf Vermessungsdaten basierenden Karten.

Dieses Kataster wurde später von Preußen übernommen und weiter geführt. Genau im Jahr 1900 wurde nach der Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) und der Grundbuchverordnung der Weg vom Steuerkataster zum Eigentumskataster vollzogen. „Wer im Grundbuch steht, ist der Eigentümer“, stellte das BGB fest. Gleichzeitig wurde das Kataster zum amtlichen Verzeichnis des Grundbuches. 1972 wurde das erste Vermessungs- und Katastergesetz für Nordrhein-Westfalen verabschiedet. Dieses ebnete den Weg zum Mehrzweckkataster. Das Kataster sollte den Anforderungen von Verwaltung, Recht, Planung und Wirtschaft gerecht werden. 1980 begann dann im Katasterwesen das digitale Zeitalter. Zu jener Zeit bestand das Kataster aus drei Grundbestandteilen: Buchwerk, Kartenwerk und Punktkoordinaten.

Im „Alkis“ werden alle Daten des Liegenschaftskatasters bundesweit einheitlich geführt. Das System enthält alle Basisdaten und ist zur digitalen Weiterverwendung auf vielfältige Art und Weise geeignet. Einer Vielzahl von Anwendern wird es ermöglicht, ihre Fachdaten mit den „Alkis“-Daten zu verschneiden und abzubilden. Beispiele sind das Kanalkataster einer Kommune oder das Leitungsnetz eines Versorgungsträgers.

„Alkis“ ermöglicht es erstmals, dass alle Behörden deutschlandweit mit einem einheitlichen Kartensystem und gleichlautenden Informationen arbeiten. Aus „Alkis“ soll auch die neue Amtliche Basiskarte entwickelt werden, die die bislang gebräuchliche Deutsche Grundkarte (DGK 1:5000) ersetzen soll. Die neue Amtliche Basiskarte wird deutlich mehr Informationen enthalten. Der Besucher des Katasteramtes wird die Veränderung am ehesten spüren, wenn er im Kreishaus eine Katasterauskunft einholt: Statt einer Schwarz-Weiß-Kartenzeichnung gibt es nun einen farbigen Ausdruck.

Dieses Mehr an Information in Verbindung mit einem einheitlichen System wird aber vor allem viele Verwaltungsvorgänge deutlich vereinfachen. Claus-Peter Knaut, Leiter des Vermessungs- und Katasteramtes, ist stolz auf das neue System, in dem immens viel Arbeit steckt: rund zehn Jahre Vorarbeit, Einführung eines neuen amtlichen Koordinatensystems, Transformation von zwei Millionen Koordinatendaten sowie Daten von 210000 Flurstücken und 110000 Grundstücksbeständen.

Für das Berufsbild der im Vermessungs- und Katasteramt tätigen Mitarbeiter bedeutet der technische Fortschritt ebenfalls eine große Veränderung. Selbst die rot-weiß gestreiften Messstäbe werden im Außendienst immer mehr durch GPS-Geräte und Feldcomputer ersetzt. In den völlig neu geordneten Ausbildungsberufen der Geoinformationstechnologie werden beim Kreis Vermessungstechniker und Geoinformatiker ausgebildet. Knaut: „ Das Vermessungs- und Katasteramt ist für die zukünftigen Aufgaben in einer digitalen Welt mit einer Vernetzung über das Internet gerüstet.“

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